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stärkere Nachfrage · 13.09.2017 12:45 Uhr

Energieagenturen optimistisch für die Ölnachfrage

Ölförderung
Quelle: Calin Tatu / Shutterstock.com
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Die OPEC rechnet mit einer stärkeren Ölnachfrage und einer geringeren Produktion. die EIA dagegen erwartet 2018 eine US-Rohölproduktion auf Rekord Niveau. Außerdem weitet sich die Preisdifferenz von Platin zu Gold aus

-Eugen Weinberg (Commerzbank AG, Leiter Rohstoffanalyse, CM Research)-
Eigentlich haben die gestrigen Monatsberichte der OPEC und der US-Energiebehörde EIA positiv überrascht und sollten preisstützend wirken. So hat die OPEC ihre Schätzungen für die globale Ölnachfrage für dieses Jahr um 50 Tsd. und für 2018 um weitere 70 Tsd. Barrel täglich erhöht. Gleichzeitig wurde die Schätzung für die Nicht-OPEC-Produktion um 100 Tsd. Barrel täglich nach unten revidiert. Dies bedeutet, dass der Bedarf an OPEC-Öl im nächsten Jahr auf 32,83 Mio. Barrel täglich steigen wird, 410 Tsd. Barrel mehr als noch im Vormonat geschätzt. Dies entspricht nahezu der August-Produktion der OPEC, die laut Sekundärquellen bei 32,76 Mio. Barrel täglich lag. Das bedeutet allerdings auch, dass die OPEC ihre Produktion nicht steigern darf, um das Gleichgewicht auf dem Ölmarkt sicherzustellen. Doch damit ist kaum zu rechnen. Libyen dürfte 2018 ein höheres Produktionsziel von über 1 Mio. Barrel täglich anpeilen, Nigeria hat bereits mitgeteilt, keine Produktionskürzungen vorzunehmen. Auch Russland hat sich noch nicht auf die Beibehaltung der Produktionskürzungen festgelegt.
Doch auch wenn man die OPEC-Strategie noch nicht als Erfolg verbuchen darf, scheint sich das Wachstum der US-Ölproduktion allmählich zu verlangsamen. So erwartet die EIA 2018 zwar im Durchschnitt eine Rekordproduktion von 9,84 Mio. Barrel täglich, doch sind dies 70 Tsd. Barrel pro Tag weniger als noch vor einem Monat geschätzt. Auch für dieses Jahr hat die EIA ihre US-Ölproduktionsprognose um 100 Tsd. Barrel täglich nach unten korrigiert. Im heutigen Lagerbericht sind daher auch die aktuellen Produktionsdaten von Bedeutung.

Risikoappetit der Marktteilnehmer hält Goldpreis in Schach

Gold wird durch den höheren Risikoappetit der Marktteilnehmer weiter in Schach gehalten und handelt bei rund 1.330 USD je Feinunze. In den USA hat gestern der Aktienindex S&P 500 ein neues Rekordhoch erklommen. Daneben sind in den letzten drei Handelstagen die Renditen von US-Staatsanleihen deutlich gestiegen, was Gold als Anlagealternative theoretisch unattraktiver macht, da Gold keine Zinsen abwirft. Die ETF-Investoren zeigen sich Gold gegenüber aber weiterhin loyal und haben die niedrigeren Preise sogar zu Käufen genutzt: Gestern verzeichneten die Gold-ETFs Zuflüsse von 4,4 Tonnen. Dagegen gibt es bei den Silber-ETFs schon seit Tagen große Abflüsse. Seit Monatsbeginn summieren sich diese mittlerweile auf 382 Tonnen, fast so viel wie im gesamten letzten Monat. Dafür hält sich der Silberpreis relativ gut; er notiert heute Morgen bei 17,9 USD je Feinunze und bewegt sich weitgehend im Einklang mit Gold. Platin dagegen zeigt gegenüber Gold derzeit relative Schwäche: Die Preisdifferenz zu Gold hat sich auf 345 USD je Feinunze ausgeweitet. Dies ist der größte Abschlag von Platin zu Gold seit Mitte letzten Jahres. Da Platin überwiegend in der Industrie verwendet wird, wird es offenbar durch die fallenden Industriemetallpreise belastet. Die ETF-Abflüsse hielten sich hier in den letzten Tagen in Grenzen und die spekulativen Finanzinvestoren setzten bis zuletzt noch stark auf steigende Platinpreise.

•Metallpreise verlieren Unterstützung der spekulativen Finanzanleger

Bei den Metallpreisen geht es derzeit hin und her. Heute Morgen überwiegen wieder die negativen Vorzeichen. Mittlerweile ziehen sich offenbar einige spekulative Finanzinvestoren aus den Metallen zurück. Gemäß LME-Statistik wurden schon in der letzten Woche die Netto-Long-Positionen bei Kupfer, Aluminium, Zink und Blei deutlich reduziert. Es hat den Anschein, die Metallpreise geben nach, kaum dass sie die Unterstützung der spekulativen Finanzanleger verlieren. Dies zeigt, dass sich die Preise von den Fundamentaldaten abgekoppelt haben und der Preisanstieg übertrieben war. Das Korrekturpotenzial ist unseres Erachtens groß, denn die Preise bewegen sich nach wie vor auf hohen Niveaus. Kupfer kostet gut 6.600 USD je Tonne. Aufgrund der in den letzten Monaten stark gestiegenen Preise werden in den Minenunternehmen anscheinend wieder größere Investitionen geplant. Laut Angaben des Verbands der chilenischen Minenproduzenten, Sonami, nimmt die Aktivität zur Erschließung neuer Projekte zu. So würden derzeit unter anderem Umweltgenehmigungen beantragt und Machbarkeitsstudien durchgeführt. Ein Beispiel hierfür ist BHP Billiton, das weltweit größte Minenunternehmen. Dieses hatte Mitte August die Expansion der „Spence“-Kupfermine in Chile angestoßen, die das Unternehmen eigenen Angaben zufolge rund 2,5 Mrd. USD kosten wird. Bis aus den neuen Projekten Angebot an den Markt kommt, werden aber noch einige Jahre vergehen.

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Erstellt / Veröffentlicht am 13.09.2017 um 12:45, Erhalten am 13.09.20187 um 12:30