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Euro, US-Dollar und Pfund · 20.09.2017 10:12 Uhr

Devisen: Das Timing ist entscheidend

Euro- und US-Dollar-Scheine auf einem Schachbrett
Quelle: Nagy-Bagoly Arpad/Shutterstock
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Gespannt warten die Börsianer auf die Ergebnisse der Fed-Sitzung und die Rede von Theresa May am Freitag. Für Bewegung sorgen zudem Gerüchte über interne Diskussionen bei der EZB.

-Von Esther Reichelt, Analyst FX & EM Research Commerzbank-
USD: Die Fed wird heute den Startschuss für das Zurückfahren ihrer Bilanz auf nicht näher definierte „normal“ Niveaus geben. Der Leiter der Devisenanalyse hat gestern bereits erläutert, dass dies für den Devisenmarkt kaum relevant ist, weil es sich dabei nicht um ein geldpolitisches Instrument handelt und dieser Schritt zudem umsichtig vorbereitet ist. Für den USD kommt es viel mehr darauf an, was die Fed heute bezüglich des zu erwartenden Zinspfades signalisiert. Es geht natürlich um die berühmten „Dots“. Also die Punkte, mit denen die FOMC-Mitglieder angeben, wo sie die Fed Funds Rate in den kommenden Jahren erwarten. Dabei kommt es meiner Meinung nach weniger darauf an, was die Fed noch für dieses Jahr signalisiert. Die Wahrscheinlichkeit eines Zinsschrittes im Dezember sieht der Markt gegenwärtig bei ca. 50% (und damit genau im Einklang mit den Erwartungen der Fed auf der Juni-Sitzung, siehe Abb. 1). Ein Kippen in die eine oder andere Richtung sollte den USD nicht übermäßig bewegen. Entscheidender ist vielmehr, wie die Fed ihre Erwartung für die Fed Funds Rate 2018 anpasst (Abb. 2) – und noch wichtiger, ob der Devisenmarkt ihr glaubt.
Mit Blick auf 2018 sprechen gleich zwei Faktoren dafür, dass das derzeit noch unwahrscheinlich ist:
(1) Derzeit sieht der Devisenmarkt weiterhin das Risiko, dass die Fed nach überwiegend enttäuschenden Inflationszahlen in diesem Jahr, die Zinsen nicht so oft anheben wird, wie von ihr selbst erwartet. Dieses Risiko spiegelt sich in den deutlich niedrigeren Markterwartungen für die Fed Funds Rate, aber auch in einem schwächelnden Dollar wider. Nach den starken August-Inflationsdaten letzte Woche ist dieses Risiko zwar zurückgegangen. Doch nach den vorsichtigen Tönen gleich mehrerer FOMC-Mitglieder in den letzten Wochen ist es unwahrscheinlich, dass es dem Statement oder Fed Chair Janet Yellen in der anschließenden Pressekonferenz gelingt, den Markt heute davon zu überzeugen, seine Skepsis über Bord zu werfen, die Zinserwartungen deutlich nach oben zu korrigieren und den Dollar in die Höhe zu treiben.
(2) Die Fed, die 2018 über die US-Geldpolitik entscheidet, könnte ganz anders aussehen als die, die heute ihre Einschätzungen abgibt. Vize Chairman Stanley Fischer hat für Oktober seinen Rücktritt angekündigt, wird heute also das letzte Mal an einer Sitzung teilnehmen. Damit sind ab Oktober vier der sieben Sitze im FOMC Board unbesetzt. Und Yellens Zukunft über das Ende ihrer Amtszeit im Februar 2018 hinaus ist auch noch vollkommen ungewiss. Die US-Regierung unter Donald Trump hat die Möglichkeit, die Ausrichtung des FOMCs über Jahre hinweg zu beeinflussen, und gegenwärtig ist es für den Devisenmarkt unmöglich abzuschätzen, ob und falls ja welche Einflüsse das auf den USD hat.
USD-Investoren wären meiner Meinung nach also gut beraten, Fischers letzten Dot heute nicht überzubewerten. Zurückhaltung bleibt im USD vorerst das Gebot der Stunde.

Euro: Was macht die EZB mit den Anleihenkäufen?

EUR: Gestrigen Berichten zufolge herrscht in der EZB Uneinigkeit darüber, wie das Zurückfahren der monatlichen Anleihekäufe genau ausgestaltet werden soll. Während einige Vertreter ein festes Enddatum anstreben, möchten sich andere die größtmögliche Flexibilität offenhalten, und vorerst nur das monatliche Anleihekaufvolumen weiter reduzieren. Auch wenn das Gerangel über die Details zumindest Teile der Entscheidung bis in den Dezember verzögern kann, bleibt die zukünftige Richtung der EZB-Geldpolitik eindeutig: Die EZB strebt ein (wenn auch vorsichtiges) Ende ihres Anleihekaufprogramms an. Angesichts der anhaltenden Unsicherheit im Markt über die zukünftige Ausrichtung der US-Geldpolitik konnte diese Gewissheit den EUR gegenüber dem USD leicht stützen.

Spannung vor der Rede von Theresa May

GBP: Der britische Außenminister Boris Johnson nimmt es hoffentlich nicht persönlich, dass das Pfund auf Berichte eines möglichen Rücktritts seinerseits gestern zwischenzeitlich aufwertete. Ich interpretiere die Wechselkursbewegungen weiterhin eher so, dass das GBP profitiert, wenn die Chancen steigen, dass Großbritannien auch zukünftig einen weitgehenden Zugang zum europäischen Binnenmarkt haben wird. Schließlich waren die Rücktrittsberichte darauf bedingt, dass Premierministerin Theresa May in ihrer mit Spannung erwarteten Brexit-Rede 2.0 am Freitag ein Schweizer Modell andeuten könnte, bei dem sich Großbritannien nach dem Brexit den (teilweisen) Zugang zum Binnenmarkt über Beiträge zum EU-Haushalt erkaufen könnte. Zwar konnte das Pfund die Gewinne nicht halten. Die gestrige Episode zeigt jedoch, dass der Fokus der GBP-Investoren ganz auf Mays Rede am Freitag liegt. Die heutigen Einzelhandelszahlen dürften vor diesem Hintergrund verblassen.

Disclaimer

Rechtliche Hinweise: Bitte beachten Sie die rechtlichen Hinweise.
Bitte beachten Sie zusätzlich den wichtigen Hinweis zu allen abgebildeten Charts und Kursverläufen: Frühere Wertentwicklungen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung.
Erstellt / Veröffentlicht am 20.09.2017 um 10:12, Erhalten am 19.09.20187 um 10:01