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Die Marktmeinung aus Stuttgart · 21.09.2017 08:00 Uhr

Die Kraft des Faktischen

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Michael Beck ist Leiter Asset Management von Ellwanger&Geiger in Stuttgart. In seiner Kolumne nimmt er mit spitzer Zunge und Feder die Irrungen und Wirrungen von Politik, Wirtschaft und Finanzen aufs Korn. Heute im Angebot: Donald Trump

Was jahrelange Dürren und wilde Waldbrände in Kalifornien sowie zunehmende Tornado-Aktivitäten im mittleren Westen der USA nicht geschafft haben, scheinen nun zwei der stärksten je gemessenen Hurrikans, Irma und Harvey, mit den von ihnen verursachten Rekordschäden bewirkt zu haben. Und der dritte Hurrikan mit der höchsten Warnstufe 5 ist bereits unterwegs.
Die US-Regierung erwägt nun den Rückzug vom Rückzug aus dem Pariser Weltklimaabkommen.
Man könnte nun das alte Sprichwort „Wer nicht hören will, muss fühlen“ bemühen, aber man kann ja schon froh sein, dass sich einige Punkte auf der Agenda der Chaos-Regierung in den USA zum Positiven wenden. Nicht nur die beginnende Einsicht in der Klimafrage, auch das konziliantere Vorgehen in der Nordkorea-Frage, in der die militärische Option wohl nicht mehr auf Platz 1 der Optionenliste steht. Leider wurde dieser Eindruck durch den Auftritt Donald Trumps vor der UN-Vollversammlung wieder etwas konterkariert.
Es scheint zweifelhaft, ob das Androhen einer völligen Zerstörung Nordkoreas oder das Bezeichnen des nach langen Jahren schwierigster Verhandlungen mit dem Iran vereinbarten Atom-Abkommens als „Schande für die USA“ zur Lösung der geopolitischen Krisen beitragen kann.
So kann man es als Ironie der Geschichte bezeichnen, dass kürzlich mit Stanislaw Petrow jener Mann starb, der einen Fehlalarm nuklearer US-Raketenstarts als solchen erkannte und verhinderte, dass eine nukleare Katastrophe ausbrach.
Und das in einer Zeit, in der kein Tag vergeht, an dem die US-Regierung auf ihre nuklearen militärischen Optionen hinweist, die auf dem Tisch lägen.
 

Fortdauer des ruhigen Marktgeschehens

In der Summe beruhigte die ausbleibende militärische Konfrontation mit Nordkorea die internationalen Finanzmärkte jedoch etwas, was dazu führt, dass der Goldpreis wieder etwas nachgibt und die Aktienmärkte einen Rekordstand nach dem anderen erreichen (z. B. in den USA).
Auch in Japan hievte die Aussicht auf vorgezogene Wahlen mit einem Sieg des regierenden Premierministers Abe und einer anhaltend lockeren Geldpolitik den Leitindex Nikkei 225 auf ein 2-Jahres-Hoch.
Die internationalen Finanzmärkte sind derzeit wohl schon damit zufrieden, wenn sich die Krisen nicht weiter verschärfen oder keine neuen Krisen hinzukommen.
Die am Sonntag stattfindende Bundestagswahl in einem nicht unwichtigen Land in Europa scheint von den meisten Marktakteuren mehr oder weniger abgehakt und ohne weiteren Einfluss auf die Aktienmärkte zu sein.
Und wenn die Konjunkturerwartungen, wie soeben der ZEW-Index, immer wieder auf sehr positivem Niveau bestätigt werden, ist eine Fortdauer des ruhigen Marktgeschehens zu erwarten.
 

Hinweis

Die vorliegenden Informationen sind keine Finanzanalyse im Sinne des Wertpapierhandelsgesetzes und genügen nicht allen gesetzlichen Anforderungen zur Gewährleistung der Unvoreingenommenheit von Finanzanalysen und unterliegen nicht einem Verbot des Handels vor der Veröffentlichung von Finanzanalysen...