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Traderfox – Kolumne · 02.10.2017 09:30 Uhr

ASML Holding - Chips für die Welt

Mikrochip
Quelle: vitfoto / Shutterstock
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Mit dem niederländischen Chip-Ausrüster kommen Aktionäre auf ihre Kosten. Seit der Finanzkrise stieg der Kurs um das Elffache. Wovon profitiert das Unternehmen, wie könnte es weitergehen?

- von Tim Schäfer, Traderfox -
Mit dem niederländischen Chip-Ausrüster kommen Aktionäre auf ihre Kosten. Seit der Finanzkrise stieg der Kurs um das Elffache. Selbst auf kürzere Phasen reagiert der Kurs schwungvoll: Innerhalb der vergangenen 2 Jahre konnten Anleger ihren Einsatz verdoppeln. An der NASDAQ kostet der Titel 168 USD.
Der Senkrechtstarter zeigt, dass Anleger nicht in FANG-Aktien investieren müssen, um Geld wie Heu zu verdienen. FANG steht für die Internet-Raketen Facebook, Amazon, Apple, Netflix und Alphabet (Google). Wenn Apple sein neues iPhone vorstellt, profitiert auch ASML. Die Aktie erklimmt neue Rekordstände eher im Stillen im Gegensatz zur FANG-Gemeinde. Die FANG-Aktien zählen zu den wertvollsten Konzernen der Welt. ASML ist dagegen kleiner. Auf den ersten Blick ist die Aktie für Anleger nicht so sexy, weil Konsumenten mit den Produkten nicht wissend in Berührung kommen.
Genau das gefällt dem New Yorker Fondsmanager Benjamin Segal von Neuberger Berman. Er hat in ASML eine seiner größten Positionen aufgebaut. Er hält die Aktie für unterbewertet. Es stört ihn gar nicht, dass die Niederländer Maschinen an Chipfabrikanten liefern. Es handelt sich um Maschinen zur Herstellung integrierter Schaltkreise (Mikrochips). 80 % aller Chiphersteller stehen auf der Kundenliste. Der weltweite Marktanteil beträgt 65 %. Konkurrenten sind Canon, Nikon und Ultratech. Im April verklagte ASML die japanische Nikon wegen angeblicher Patentverletzungen. Nikon wehrte sich mit einer Gegenklage.

Überall im Alltag sind Chips

Was Fondsmanager Segal vor allem gefällt, ist die führende Rolle in der extremen ultravioletten Technologie, kurz EUV genannt. Durch das Internet der Dinge wird die Chipnachfrage massiv steigen, hofft Segal. Chips werden nicht nur im Toaster und Kühlschrank sein, sondern auch in der Viehherde auf dem Bauernhof und anderswo, sagte er kürzlich dem Börsenblatt „Barron’s“.
Die Niederländer spielen eine Schlüsselrolle in der technologischen Revolution. Sie machen die Chips kleiner, billiger, effizienter und stromsparender. Allein für autonome Fahrzeuge werden Unmengen an Microchips benötigt. Im Bereich der Medizintechnik werden Menschen mit ihnen ausgerüstet. Die alternde Weltbevölkerung mit ihren Zivilisationskrankheiten wird einen Nachfrageschub auslösen. Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen werden bald bei Millionen Patienten automatisch überwacht. Eine Herausforderung wird freilich sein, die hohen Anforderungen an die Chips (und Mengen) erfüllen zu können.

Megatrends helfen

Globale Megatrends sind jedenfalls hilfreich. Die Bevölkerung wächst. Der Bedarf an Energie, Nahrung und besseren Konzepten im Verkehr sowie in der Kommunikation sind gefragt. Gleichzeitig werden fossile Energieträger knapp. Die nutzbare Fläche für die Landwirtschaft sinkt. Mikroelektronik liefert bei all diesen Herausforderungen Lösungen. Daher hat der Maschinenbauer alle Hände voll zu tun. Mit intelligenten Chips lässt sich der Strombedarf elektrischer Geräte senken. Verkehrsknotenpunkte können entlastet werden. Die Datentechnik und Telekommunikation wird besser. Fabriken laufen schneller. Landwirte werden ökologischer. Die Digitalisierung hilft in allen Bereichen. ASML hat sich in den richtigen Märkten etabliert, die viel Wachstum versprechen: Healthcare, Technologie, Kommunikation, Energie, Mobilität und Unterhaltung.
Heute lässt sich die Welt ohne Chips kaum noch vorstellen. Sie befinden sich in Smartphones und Herzschrittmachern. In Kernspintomographen und landwirtschaftlichen Maschinen. Fachleute gehen davon aus, dass durch das Internet der Dinge bis zum Jahr 2020 über 50 Milliarden Anwendungen mit mindestens einem Chip ausgerüstet sind. Und als Chipfabriken-Ausrüster Nr. 1 ist natürlich ASML gefragt, hier mitzuhelfen.

China steht vor Nachfrageboom

Der Hauptsitz befindet ich niederländischen Veldhoven. Dort wird unter Reinraum-Bedingungen montiert. In 16 Ländern hat der Chip-König Fuß gefasst. Der Löwenanteil des Equipments geht nach Asien, gefolgt von den USA und Europa. Anfang Juli gab es 15.000 Angestellte, es werden immer mehr. 2.700 Leiharbeiter sind außerdem beschäftigt, um Lücken zu füllen. In Schanghai haben die Niederländer ein Trainingscenter eingerichtet. Dort sollen hochkarätige Forscher ausgebildet werden, um den internen Bedarf nach Fachkräften erfüllen zu können. Schließlich rechnet das Management in China in einigen Jahren mit einem Nachfrageboom.
Entstanden ist der Emporkömmling 1984 als Gemeinschaftsunternehmen aus Advanced Semiconductor Materials International und Philips. Noch heute ist Philips mit einem Minderheitsanteil beteiligt. Andere klangvolle Namen aus der Branche waren lange Zeit beteiligt, sie waren einerseits Kunde, andererseits auch Aktionäre. Samsung trennte sich vor einem Jahr von einem Aktienpaket im Wert von 681 Mio. USD. 2012 war Samsung eingestiegen, um die Firma aufzubauen. Schon im Januar 2015 war Taiwan Semiconductor ausgestiegen, es hatte 1,5 Mrd. USD versilbert. Vor wenigen Tagen folgte Intel und verkaufte sein Aktienpaket teilweise. Nun hält Intel noch 7,6 % am Grundkapital.
Entstanden ist der Emporkömmling 1984 als Gemeinschaftsunternehmen aus Advanced Semiconductor Materials International und Philips. Noch heute ist Philips mit einem Minderheitsanteil beteiligt. Andere klangvolle Namen aus der Branche waren lange Zeit beteiligt, sie waren einerseits Kunde, andererseits auch Aktionäre. Samsung trennte sich vor einem Jahr von einem Aktienpaket im Wert von 681 Mio. USD. 2012 war Samsung eingestiegen, um die Firma aufzubauen. Schon im Januar 2015 war Taiwan Semiconductor ausgestiegen, es hatte 1,5 Mrd. USD versilbert. Vor wenigen Tagen folgte Intel und verkaufte sein Aktienpaket teilweise. Nun hält Intel noch 7,6 % am Grundkapital.
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