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Siemens trennt sich von Osram-Anteilen · 05.10.2017 09:00 Uhr

Siemens und Osram: Eine lukrative Scheidung

Gebäude mit der Logo von
Quelle: AR Pictures/Shutterstock
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Das Kapitel Osram ist seit gestern Abend für Siemens offiziell beendet. Der bisherige Ankeraktionär aus dem DAX hat sich gestern in einem beschleunigten Bookbuliding Verfahren von seinen restlichen Anteilen getrennt.

-von Thomas Zuleck, Börse Stuttgart News Redaktion-
Mit einem Anteil von 19,50 Prozent an der Osram Licht AG war Siemens bis gestern der größte Anker-Aktionär bei dem Lichttechnik-Spezialisten aus dem MDAX (Quelle: Börse Stuttgart). Gestern Abend gab Siemens bekannt, mit der Veräußerung von 18,155 Millionen Stammaktien begonnen zu haben, was in etwa einem Anteil von 17,34 Prozent entspricht. Dass sich Siemens nicht vollständig von seinen Anteilen getrennt hat, ist vor allem dem Umstand geschuldet, dass erst 2019 einige Siemens-Optionsanleihen auslaufen, weshalb hierfür noch einige Restbestände benötigt werden. Dennoch kann festgehalten werden, dass sich Siemens mit dem gestrigen Schritt de facto vollständig bei Osram zurückgezogen hat.

Ein lohnendes Geschäft

Für Siemens war die Beteiligung an Osram ein durchaus lohnendes Geschäft. Seit dem Börsengang vor vier Jahren hat sich der Kurs der Osram-Aktie von 24 Euro zwischenzeitlich fast verdreifacht. Der Kurs kam zwar zuletzt wieder etwas zurück, und Siemens musste die Anteile leicht unter dem XETRA-Schlusskurs verkaufen, dennoch kann man bei Siemens mehr als zufrieden sein. Händlern zufolge wurde die Osram-Aktie in einem beschleunigten Bookbuilding-Verfahren zu einem Preis zwischen 65,05 und 67,06 Euro angeboten. Laut Angaben von Siemens wurde somit ein Durchschnittspreis von 66,10 je Osram-Aktie errechnet, was schlussendlich gut 1,2 Milliarden Euro in die Kassen des DAX-Konzerns spülte.

Ausstieg kommt wenig überraschend

Der Ausstieg von Siemens kommt nicht wirklich überraschend. Eine endgültige Trennung war nur eine Frage der Zeit, da es zuletzt auch verstärkt atmosphärische Störungen auf oberster Ebene gegeben hat. So gerieten bereits im vergangenen Jahr die beiden Konzernlenker Olaf Berlien (Osram) und Joe Kaeser (Siemens) auf der Hauptversammlung von Osram heftig aneinander. Der Streit eskalierte damals sogar soweit, dass der Großaktionär Siemens Berlien die Entlastung verweigerte. Kaeser kritisierte insbesondere die strategische Ausrichtung von Osram sich voll auf die Herstellung von LED-Chips zu fokussieren und das traditionelle Lampengeschäft zum Verkauf zu stellen. Aus Sicht von Kaeser ist dieser eingeschlagene Kurs viel zu riskant. An der Börse sah man das offenbar anders. Auf Jahressicht konnte der Kurs der Osram-Aktie um immerhin gut 22 Prozent zulegen.

Analysten sehen weiteres Potenzial

Geht es nach der Mehrheit der Analysten, so ist bei der Osram-Aktie das Ende der Fahnenstange noch längst nicht erreicht. Von insgesamt sechs neuen Analysten-Kommentaren in den vergangenen vier Wochen empfehlen gleich fünf Experten die Aktie zum „Kauf“. Lediglich die Baader Bank empfahl Anfang September die Aktie lediglich zu „Halten“. Die ambitioniertesten Kursziele kommen dabei von Joh. Berenberg, Gossler & Co. KG mit 87 Euro pro Anteilsschein beziehungsweise von der UBS mit einem Kursziel von immerhin noch 86 Euro pro Aktie.
 
Erstellt am 05.10.2017 um 08:55 Uhr
Veröffentlicht am 05.10.2017 um 09:00 Uhr