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Fitch erwägt "downgrade" · 06.10.2017 09:29 Uhr

Katalonien: Ein Spiel mit dem Feuer

Demonstrierende Menschen in Barcelona
Quelle: Riderfoot/Shutterstock
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Unabhängig von der politischen Dimension könnte eine Abspaltung Kataloniens vor allem auch aus wirtschaftlicher Sicht weitreichende Folgen nach sich ziehen. Die Ratingagentur Fitch warnt bereits vor Konsequenzen.

-von Thomas Zuleck, Börse Stuttgart News Redaktion-
Wie die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (FAZ) berichtet, erwägt die Ratingagentur Fitch offenbar ein „downgrade“ für die nach Unabhängigkeit strebende Region im Nordosten Spaniens. Zur Begründung heißt es bei Fitch, dass die „unvorhersehbaren Ereignisse“ in Katalonien möglicherweise zu „Störungen“ beim Finanzzugang für die Region führen könnten. Das heißt schlussendlich nichts anderes, als dass die Ratingagentur die mittelfristige Solvenz von Katalonien – vor allem im Zuge einer möglichen Abspaltung – anzweifelt. Eine weitere Herabstufung wäre für Katalonien allerdings von besonderer Tragweite. Schon heute stuft Fitch die Kreditwürdigkeit Kataloniens mit „BB“ und somit „spekulativ“ ein. Durch eine weitere Herabstufung droht Katalonien in den sogenannten „Non-Investment-Bereich“ abzurutschen (Rating-Matrix). Ein Zugang an den Finanzmarkt würde durch eine solche Herabstufung zusätzlich erschwert und vor allem deutlich teurer als bislang.

Bankensektor zieht Konsequenzen

So verwundert es kaum, dass auch der Bankensektor in Katalonien mittlerweile erste Konsequenzen aus der unsicheren Lage in der Region zieht. Die Banco Sabadell, immerhin das fünftgrößte Institut des Landes, entschied auf einer gestrigen Sondersitzung ihren Hauptsitz nach Alicante zu verlegen. Zudem gibt es bereits erste Medienberichte wonach auch die Großbank La Caixa die Region verlassen möchte. Über einen möglichen Umzug nach Palma de Mallorca soll heute entschieden werden. Die zunehmende Nervosität im Bankensektor kann nur wenig überraschen, da mittlerweile auch die Aktienkurse der Institute stark in Mitleidenschaft gezogen werden. So verloren die Anteilsscheine der Caixa Bank allein auf Wochensicht fast 9 Prozent. Die Aktien der Banco Sabadell erholten sich erst gestern wieder, nachdem bekannt wurde, dass das Institut die Region verlassen werde.

Unternehmen erhalten Unterstützung aus Madrid

Unterstützung erhalten die Geldinstitute, aber auch Unternehmen, von der Zentralregierung in Madrid. Wie die Zeitung „El Mundo“ berichtet, wird die Verabschiedung eines Dekrets geplant, das Unternehmen und Banken den Weggang aus Katalonien erleichtern soll. Sollte dieses tatsächlich umgesetzt werden, so würde eine einfache Entscheidung des Aufsichtsrates ausreichen, um den Firmensitz zu verlegen. Die Einberufung der Gesellschafterversammlung wäre in diesem Fall obsolet.

Politische Machtprobe wird zum wirtschaftlichen Spiel mit dem Feuer

Alles in allem wird die politische Machtprobe in Katalonien immer mehr zu einem wirtschaftlichen Spiel mit dem Feuer. Aktuell ist Katalonien noch die wirtschaftliche Vorzeigeregion für Gesamtspanien. Die Erwerbsquote oder auch die Wirtschaftsleistung liegt aktuell deutlich über dem landesweiten Durchschnitt. Das BIP pro Kopf liegt in Katalonien sogar 5.000 Euro – und somit fast 25 Prozent (!) – höher als in Gesamtspanien. Allerdings wird diese Prosperität vor allem durch den Dienstleistungssektor getragen. Ganze 75 Prozent des katalanischen BIPs werden im Dienstleistungsbereich erwirtschaftet. Ein anhaltender Exodus von Unternehmen und Finanzdienstleistern würde diese Prosperität nachhaltig in Frage stellen. Insofern sollte man sich in Katalonien (aber auch in Madrid) mittlerweile ernsthaft fragen, wie weit man tatsächlich gehen möchte und gehen kann. Wer mit dem Feuer spielt, sollte sich über die Risiken seines Handelns im Klaren sein. Niemand kann ernsthaft wollen, dass dieses Feuer auf das Haus überspringt in dem man bislang ganz komfortabel gewohnt hat. Die Katalanen nicht. Die Regierung in Madrid allerdings ebenso wenig.
Erstellt am 06.10.2017 um 09:15 Uhr
Veröffentlicht am 06.10.2017 um 09:29 Uhr