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Marktmeinung aus Stuttgart · 12.10.2017 08:30 Uhr

Aufgeschoben ist nicht aufgehoben

Mann schiebt Auto
Quelle: Tong_stocker / Shutterstock
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Der große Knall ist bislang ausgeblieben, die katalonische Regionalregierung will sich zunächst doch nicht von Spanien abspalten. Aber gelöst ist der Konflikt noch lange nicht...

-Von Michael Beck, Leiter Asset Management beim Bankhaus Ellwanger & Geiger-
Es ist immer besser, mit dem Positiven zu beginnen. Und positiv ist: Die alte Dame Europa lebt – es bewegt sich etwas! Zumindest andeutungsweise negativ könnte man interpretieren, in welche Richtung diese Bewegung zielt. Europas Hoffnungsträger, Frankreichs Präsident Macron, muss sich mit den vorhersehbaren Protesten gegen seine Reformen beschäftigen und Generalstreiks verhindern. Spaniens Ministerpräsident Rajoy findet keine Abbiegung aus seiner Dialogverweigerungs-Sackgasse mit der katalanischen Regional-Regierung. Diese hat zur Beruhigung der internationalen Finanzmärkte auf Druck der europäischen Partner und vieler internationaler Repräsentanten verantwortlichen Handelns ihre Unabhängigkeitserklärung zwar weiter angekündigt, aber zumindest bis auf Weiteres ausgesetzt. Wie kompliziert sich solche Abspaltungstendenzen gestalten, zeigt das Brexit-Beispiel mit Großbritannien. Die Verhandlungen als zu zögerlich zu bezeichnen, wäre stark untertrieben. Der einzige Plan, der in Großbritannien in dieser Frage erkennbar ist, scheint die Ablösung der amtierenden Premierministerin May zu sein. Die Furcht vor einem „harten" Brexit schleicht sich in die Anlegergemüter. In der Summe viele Ereignisse, die eher für Unsicherheiten sorgen und die Finanzmärkte beunruhigen. Immerhin schaffte es der niederländische Regierungschef, nach knapp sieben Monaten des Verhandelns eine hoffentlich tragfähige 4-Parteien-Koalition zu zimmern. Hoffentlich ist dies nur für das Ergebnis die Blaupause für die deutschen Jamaika-Verhandlungen und nicht für die anstehende Dauer dieser Verhandlungen. Noch gehen die Marktakteure davon aus, dass bis Weihnachten eine Regierung in der wichtigsten europäischen Volkswirtschaft steht. Für eine Weihnachtsrally wäre das mit Sicherheit eine Voraussetzung.

Und international?

Auf internationaler Ebene bleibt alles beim Alten. Die Weltwirtschaft brummt, nun ist sogar von einem Weltwirtschaftswachstum von +4 % in 2018 die Rede. Man fragt sich, woher diese Stabilität rührt, schaut man sich doch die vielen ungelösten geopolitischen Krisenherde an. Nun streiten sich auch der türkische Präsident Erdogan und der US-Präsident Trump wegen der Verhaftung eines US-Botschaftsangehörigen und setzten sich gegenseitig die Visumsregelungen aus. Der dritte Potentat, von dem man seit einiger Zeit nichts mehr hört, lehnt sich dabei genüsslich zurück und verfolgt seine politischen und wirtschaftlichen Ziele in aller Ruhe. Es ist nicht ausgeschlossen, dass einige Sanktionen gegenüber Putins Russland aufgehoben werden. Für die internationalen Aktienmärkte ist dies natürlich Treibstoff und wenn die anstehende Gewinnberichtssaison die erwarteten Ergebnisse bringt, darf mit einem erfreulichen Jahresende an den Aktienmärkten gerechnet werden.

Knackt der DAX die 13.000-Punkte-Marke?

Der DAX zumindest tut sich etwas schwer mit der psychologisch wichtigen runden Marke von 13.000 Punkten. Dieses Verhalten hat er allerdings auch schon bei der 10.000er-, 11.000er- und 12.000er-Marke gezeigt und diese dann doch überwunden. Der Markt möchte die 13.000 sehen, deshalb steht zu erwarten, dass diese Marke bald überschritten wird. Beim aktuellen Umfeld könnten sogar noch weitere Kursavancen möglich sein.