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JP Morgan mit Milliardengewinn · 13.10.2017 09:22 Uhr

US-Berichtssaison: Banken legen vor

Logo von JP Morgan Chace & Co. an einem Gebäude in New York
Quelle: Felix Lipov/Shutterstock
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Endlich geht es wieder los. Die Berichtssaison für das dritte Quartal hat begonnen. Den Anfang machten JP Morgan und die Citigroup. Vor allem JP Morgan verdient weiter prächtig – und hat dennoch enttäuscht.

NEWS AUS DEM HANDEL 5:35min, 12. Oktober 2017, 13:16 Uhr
-von Thomas Zuleck, Börse Stuttgart News Redaktion-
Allein von Juli bis September verdiente JP Morgan unter dem Strich 6,73 Milliarden US-Dollar – immerhin noch einmal gut 400 Millionen US-Dollar mehr als im Vorjahresvergleichszeitraum. Der Gewinn je Aktie stieg von 1,58 US-Dollar im Vorjahr auf 1,76 US-Dollar. Die vorgelegten Zahlen lagen somit deutlich über den Erwartungen von Analysten, die im Schnitt mit einem Gewinn je Aktie von 1,65 US-Dollar gerechnet hatten. Die Einnahmen des Branchenriesen lagen mit 26,2 Milliarden US-Dollar ebenfalls gut eine Milliarde über den Konsenserwartungen. Angesichts dieser Zahlen sollten die Aktionäre also vollauf zufrieden sein – sollte man meinen. Doch das erneut eher maue Kapitalmarktgeschäft stieß schlussendlich doch noch manchem Marktteilnehmer sauer auf, weshalb die Aktie – vorbörslich – um rund 0,3 Prozent nach. Im weiteren Tagesverlauf gaben die Anteilsscheine noch weiter nach und verloren knapp 0,9 Prozent an Wert. Allerdings ist die Aktie von JP Morgan in den vergangenen Wochen bereits sehr gut gelaufen. Allein seit Jahresbeginn kommt die JP Morgan-Aktie auf ein Kursplus von mehr als elf Prozent.

Citigroup legt weiter zu

Bei der Citigroup lief es im abgelaufenen Quartal ebenfalls rund. So kletterte auch beim Konkurrenten von JP Morgan der Quartalsgewinn um 7,6 Prozent auf nun 4,13 Milliarden US-Dollar. Die Einnahmen konnten ebenfalls – wenngleich nur moderat – um zwei Prozent auf nun 18,2 Milliarden US-Dollar gesteigert werden. Zwar hatte auch die Citigroup mit sinkenden Einnahmen aus dem Bond-Geschäft zu kämpfen, allerdings konnte dies bei der Citigroup durch den Aktienhandel wieder wettgemacht werden. Im Gegensatz zu JP Morgan honorierten die Marktteilnehmer das Zahlenwerk der Citigroup, weshalb die Anteilsscheine der US-Bank bereits im vorbörslichen Handel leicht zulegen konnten. Auf Jahressicht konnte die Citigroup den Konkurrenten ohnehin deutlich outperformen. So kommt die Citigroup-Aktie seit Jahresbeginn auf ein Kursplus von fast 22 Prozent.

US-Banken hängen deutsche Konkurrenten ab

Ein wenig erstaunlich ist es schon. Während die deutschen Banken noch immer mit den Nachwehen der Finanzkrise und einem gewissen Reformstau kämpfen, verdienen die US-Konkurrenten Quartal für Quartal schon wieder Milliarden. Wie kann das sein? „Die US-Banken profitieren derzeit weiter von einer Ausweitung des Kreditvolumens und von einer gestiegenen Zinsspanne“ so Roland Hirschmüller, Chefhändler für Auslandsaktien bei der Baader Bank in Stuttgart. „Wenn es aktuell überhaupt etwas Negatives gibt, so ist das sicher das Bond-Geschäft. Dieses ist bei JP Morgan immerhin um sage und schreibe 27 Prozent gegenüber dem dritten Quartal 2016 eingebrochen.“ Während die US-Banken diesen Einbruch noch ganz gut verkraften, fragt sich manch ein Marktbeobachter wie die deutschen Institute mit den Schwierigkeiten auf dem Bondmarkt umgehen: „Die Deutsche Bank ist traditionell stark im Bondshandel. Doch wenn man sieht, dass JP Morgan schon 27 Prozent in diesem Segment verloren hat, dann fragt sich manch ein Marktteilnehmer was wohl die Deutsche Bank verloren hat“, so Hirschmüller.

Hohe Erwartungen werden zum Risiko

Für den US-Sektor sind die Aussichten derzeit geradezu prächtig. Die Erwartungen allerdings auch. Und genau da, könnte vielleicht ein gewisses Risiko lauern. Am Beispiel von JP Morgan wird deutlich, dass manch ein Marktteilnehmer, trotz fantastischer Zahlen, das Haar in der Suppe sucht. Doch das scheint für die Branche derzeit gut zu verkraften. Und so werden auch von Goldman Sachs oder der Bank of America deutliche Gewinnsteigerungen erwartet. Denn die Branche profitiert derzeit nicht nur von einer stabilen Wirtschaftslage und der bereits erwähnten gestiegenen Zinsspanne, sondern zudem von einer Wiederbelebung des IPO-Marktes. Während also die deutschen Institute noch mit dem Aufräumen beschäftigt sind, wird in den USA längst schon wieder gefeiert.
 
Erstellt am 13.10.2017 um 09:00 Uhr
Veröffentlicht am 13.10.2017 um 09:22
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