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Devisenmarkt · 16.10.2017 13:37 Uhr

Der Euro und die Wahlen

Mann hält Euro-Symbol in der Hand
Quelle: Vadim Georgiev / Shutterstock.com
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2017 ist ein Superwahljahr: Am Wochenende fanden nun in Österreich und Niedersachsen Wahlen statt, die das Potential haben, den Devisenmarkt zu bewegen. Quo vadis Euro?

-Esther Reichelt (Analyst FX & EM Research Commerzbank)-
In Österreich und Niedersachsen wurde am Wochenende gewählt, und den Euro bewegt das – bisher zumindest – nur wenig. Dabei muss es aber nicht bleiben. Wir haben öfter den Eindruck, dass politische Entwicklungen im Rest der Welt zu asiatischen Handelszeiten nicht direkt und vollständig eingepreist werden. Doch ist bereits eine Tendenz erkennbar: Der Euro startet leicht schwächer in die Woche. Die Richtung halte ich für gerechtfertigt. Denn beide Wahlen dürften EUR-Investoren nicht unbedingt optimistischer stimmen, dass eine intensivere politische Kooperation innerhalb des Euroraums zu erwarten wäre.
Es ist nicht Aufgabe der TagesInfo Devisen, den österreichischen Rechtsruck an sich zu bewerten, doch es ist naheliegend, anzunehmen, dass am Devisenmarkt eine mögliche Regierungsbeteiligung einer rechtspopulistischen Partei mit Skepsis aufgenommen wird. Die gegenteilige Reaktion des Marktes auf die Wahl des Emmanuel Macrons im Frühjahr (der als Befürworter einer stärkeren Integration gilt) zeigt deutlich die Präferenzen der Devisenhändler. Das erklärt auch, warum dem Euro selbst die Landtagswahl in Niedersachsen nicht egal sein kann: Denn nach erneut deutlichen Verlusten der CDU bröckelt Angela Merkels Machtposition im Bund weiter. Damit steigt aus Sicht von EUR-Investoren die Gefahr, dass Kanzlerin Merkel in den auf Bundesebene nun im Fokus stehenden Koalitionsverhandlungen zu größeren Zugeständnissen an die Liberalen gedrängt werden könnte, deren Europa-Standpunkte dem Devisenmarkt wenig gefallen dürfte.
Das Wochenende zeigt damit sehr schön, wie politische Entwicklungen in einzelnen Euroraum Ländern die Gemeinschaftswährung bewegen (regelmäßige Leser wissen sicherlich noch, dass wir in der Vergangenheit davon ausgegangen waren, das bei den Einflussfaktoren auf den Euro die Geldpolitik dominiert). Dann nämlich (und nur dann), wenn sie das Potenzial haben, die Politik auf Euroraum-Ebene zu verändern. Damit lässt sich auch erklären, warum die Katalonien-Krise bisher zumindest keinen Einfluss auf den Euro hatte. Diese müsste noch deutlich stärker eskalieren (einschließlich einer Beteiligung Brüssels), bis ein Einfluss auf Spaniens Europa-Politik nachvollziehbar wäre. Bis heute um 10 Uhr hat Carles Puigdemont, der Präsident der katalanischen Regionalregierung, Zeit, bei der Zentralregierung in Madrid klarzustellen, ob er die Unabhängigkeit nun ausgerufen hat oder nicht. Auch dieses Ultimatum dürfte verstreichen, ohne dass das den Euro sonderlich bewegt.

Die Politik und ihr Einfluss auf den Euro


Quelle: Commerzbank

Veröffentlichung

Erhalten von der Commerzbank AG am 16.10.2017 um 11:02 Uhr
Veröffentlicht durch die Börse Stuttgart am 16.10.2017 um 13:37 Uhr