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Interview mit FondsmanagerThomas Metzger · 20.10.2017 09:00 Uhr

Moderne Portfoliokonstruktion: Blick hinter die "Sterne"

goldene Sterne auf schwarzem Hintergrund
Quelle: KrikHill/Shutterstock
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Börse Stuttgart sprach mit Thomas Metzger, Leiter Asset Management bei der Bankhaus Bauer AG, über die richtige Fondsauswahl, neue Wege bei der Strukturierung eines Portfolios und seine derzeitige Einschätzung der Märkte.

Börse Stuttgart: Herr Metzger, Sie müssten momentan recht zufrieden sein. In Ihrer Kernkompetenz Multi Asset / Multi Strategy belegen sie derzeit bei Fondsrankings vordere Plätze und werden mit entsprechenden Sterne-Bewertungen ausgezeichnet.
 
Thomas Metzger: Vor allem da wir sehr konstant sowohl in kürzeren Zeiträumen als auch über 5 und 6 Jahre überaus solide abschneiden, ist das tatsächlich eine schöne Bestätigung unserer Arbeit. Ich sehe Sterne, Medaillen und was es sonst noch so gibt im Bereich Fondsranking aber trotz dieser Erfolge nicht unkritisch. Anleger sollten immer im Hinterkopf behalten, dass hier die Vergangenheit bewertet wird und deshalb einen Manager bzw. Fonds nicht nur nach erhaltenen Sternen oder guten Platzierungen in Rankings auswählen.
 
Börse Stuttgart: Sondern...
 
Thomas Metzger: Man sollte mit der Fondsauswahl erst beginnen, nachdem die grundsätzliche Investmentstrategie definiert, also die Frage beantwortet wurde: wie möchte ich in welcher Asset Klasse positioniert sein. Dann kann ich mich mit folgenden Fragen auf die Suche nach einem passenden Fonds machen: wie ist das Portfolio im Moment aufgestellt? Mit welchem Investmentansatz liefert der Fonds sein Ergebnis? Ist dieser nachvollziehbar und transparent?
 
Börse Stuttgart: Welchen Positionen und Entscheidungen haben sie in erster Linie ihre gute Performance zu verdanken?
 
Thomas Metzger: Nun langfristig war es sicherlich in den letzten Jahren richtig, an Aktien aus einer strategischen Perspektive festzuhalten bzw. Dividendenpapiere hoch zu gewichten. Dabei haben wir uns von der Nervosität, die die Märkte bspw. beim Thema Brexit oder im Vorfeld der US-Wahl eingeschüchtert hat, nicht anstecken lassen. Geholfen hat darüber hinaus der übergeordnete, sehr flexible Ansatz, den wir im Multi Asset Bereich verfolgen.
 

Fondsmanager Thomas Metzger im Gespräch mit Börse Stuttgart TV
 
 
 
 
 
 
 
Börse Stuttgart: Wie gehen Sie hier vor?
 
Thomas Metzger: Auch Multi Asset-Ansätze, bei denen das Vermögen über viele Anlagekategorien gestreut wird um einen stabilisierenden Diversifikationseffekt zu erzielen, stoßen in Marktphasen, in denen übertrieben ausgedrückt alle Asset Klassen gleich laufen, an ihre Grenzen. Dies war z.B. im Verlauf der Finanzkrise der Fall, als die Investoren im Zuge eines risk-off-Modus gefühlt aus allem außer den als sicher geltenden deutschen Staatsanleihen geflüchtet sind. Wir diversifizieren deshalb über eine zweite Multi-Strategy-Ebene um mit dem Einsatz unterschiedlicher Strategien in jeder Anlagekategorie, welche möglichst unkorreliert zueinander verlaufen sollten, zusätzlich Stabilität ins Portfolio zu bringen. Die Idee ist, dabei nicht mehr so stark traditionell, in starren Kategorisierungen nach Anlageklassen zu denken sondern vielmehr flexibel in Chance-Risikoprofilen der jeweiligen Strategie.
 
Börse Stuttgart: ...und das sieht dann in der Praxis wie aus?
 
Thomas Metzger: Wir arbeiten z.B. im taktischen Bereich mit Futures- und Optionsgeschäften um die Investitionsquoten feinzusteuern, Risiken abzusichern oder um nicht nur von steigenden Märkten zu profitieren.
 
Börse Stuttgart: Klingt kompliziert!
 
Thomas Metzger: Nicht unbedingt. Je nach Marktmeinung kann eine solche Strategie unter anderem im Aktienblock z.B. so aussehen, dass der Investor eine Long-Only-Position über einen börsengehandelten Indexfonds kostengünstig aufbaut, diese taktisch mit Put-Optionen absichert sowie zusätzlich über Bonus- oder Reverse-Bonuszertifikate von einem Seitwärtsmarkt profitiert. Alles Instrumente die auch ein Privatkunde hier in Stuttgart an der Börse handeln kann.
 
Börse Stuttgart: Der DAX konnte kürzlich neue Allzeithochs erreichen. Wie schätzen sie die Situation aktuell ein?
 
Thomas Metzger: Die Luft wird langsam dünner. Die ganz großen Kursgewinne erwarte ich nicht mehr bis Jahresende und auch 2018 wird die Performance überschaubar bleiben. Ganz einfach weil die Märkte in Relation zu den Gewinnen der Unternehmen nicht mehr günstig sind. Nichtsdestotrotz bleiben für mich Aktien der wichtigste Baustein im Portfolio. Vor dem Hintergrund einer solide laufenden weltweiten Konjunktur, die es den Unternehmen auch weiterhin ermöglichen sollte, die Gewinne zu steigern und sehr attraktiven Dividendenniveaus sehe ich die Märkte nach unten recht gut unterstützt. Außerdem fehlen einfach die Anlagealternativen was Investoren immer wieder bei Aktien zugreifen lassen sollte. Im Rentenbereich z.B. sind die Renditen auf Endfälligkeit betrachtet immer noch auf extrem tiefen Niveaus. Hier wird man als Anleger nicht wirklich glücklich.
 
Börse Stuttgart: ...wobei viele Experten von einem Anstieg der Zinsen ausgehen.
 
Thomas Metzger: Diese Meinung teilen wir. Sowohl die EZB als auch die amerikanische Fed sollten im Hinblick auf die guten makroökonomischen Rahmenbedingungen und eine anziehende Inflation weiterhin von ihrem expansiven Kurs abkehren und restriktiver vorgehen. Im Detail rechnen wir was die Fed angeht z.B. mit einer weiteren Zinserhöhung noch im Dezember. Auch die EZB dürfte demnächst beschließen, ihr Anleihekaufprogramm mit Beginn des nächsten Jahres zumindest zu verringern. All diese Maßnahmen sollten zwar die Renditen ansteigen lassen aber im Umkehrschluss die Kurse von Rentenpapieren zumindest temporär drücken. Wir bleiben daher bei unserer vorsichtigen Haltung, wählen kürzere Laufzeiten im Bondsegment, welche von steigenden Zinsen nicht so stark in Mitleidenschaft gezogen werden sollten, oder weichen ganz auf alternative Investments wie Mikrofinance oder sogenannte Katastrophenanleihen aus.