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Gastbeitrag von Ellwanger & Geiger · 20.10.2017 08:30 Uhr

Die Magie der runden Zahlen

Hände eines Zauberers
Quelle: Ollyy/Shutterstock
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Der DAX und der Dow Jones haben mal wieder jeweils eine runde Marke geknackt. Somit notieren die beiden Indizes auch gleichzeitig so hoch wie nie. Was sind eigentlich die Gründe hierfür? Wie lange läuft diese Rally noch?

-zum Autor: Michael Beck ist Leiter Asset Management bei Ellwanger & Geiger-
Manchmal kommt es anders, als man denkt. Vor Wochen noch hoffnungslos im Rückstand, konnte der amtierende niedersächsische Ministerpräsident Weil die Pole-Position im niedersächsischen Landtag erringen. Genießen kann er das nicht richtig, denn seiner rot-grünen Wunschkoalition fehlen zwei Sitze, um regieren zu können. Bleibt wohl nur die ungeliebte große Koalition, der er sich anders als die Bundespartei nicht ohne Weiteres entziehen kann, da er als Wahlsieger den Wählerauftrag bekommen hat, eine Regierung zu bilden.

Die Bedeutung von runden Marken

Auch die Finanzmarktakteure beobachteten diese eigentlich nicht ganz so wichtige Landtagswahl mit Argusaugen, denn dieses Ergebnis scheint Kanzlerin Merkels Verhandlungsposition für die anstehenden Sondierungs- und eventuellen Koalitionsgespräche etwas zu schwächen. Dabei haben die Finanzmärkte durchaus bereits ein Gelingen dieser Verhandlungen eingepreist. Dies ist unter anderem ein Grund dafür, dass der Dax die runde Marke von 13.000 Punkten überwinden konnte. Der Dow-Jones-Index sprang zum ersten Mal in seiner Geschichte über die 23.000-Punkte-Marke und der europäische STOXX-600-Index steht in seiner Performancevariante (inkl. Dividenden und Kapitalmaßnahmen) kurz vor dem Angriff auf die 800-Punkte-Marke. Eigentlich sind diese Zahlen kaum von Relevanz, da die Indexstände sich als Durchschnitt von unabhängig voneinander entwickelnden Aktienkursen bilden. Aber für die Anlegerpsyche sind diese Marken dennoch wichtig, da sie immer wieder die Aufmerksamkeit auf die Aktienmarktentwicklung lenken.

Günstiges Marktumfeld bleibt intakt

Die Chancen stehen gut, dass diese für die Anleger so wichtigen psychologischen Marken Bestand haben und verteidigt werden können. Weltweit stehen die Zeichen dieses wie nächstes Jahr auf Wachstum. Die Zentralbanken beabsichtigen zwar, ihre extrem expansive Geldpolitik etwas restriktiver zu gestalten, dies aber aus einer Position der Wirtschaftsstärke heraus. Und dass der langfristige Zins massiv steigt, wird wiederum von den meisten Marktteilnehmern nicht erwartet. So bleibt das günstige Umfeld für Aktieninvestments nach wie vor intakt.