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Nikkei vor neuem Höhenflug? · 23.10.2017 10:19 Uhr

Wahl in Japan: Anleger feiern Abes Wahlsieg

Japans Ministerpräsident Shinzo Abe
Quelle: Frederic Legrand - COMEO/Shutterstock
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Der amtierende Ministerpräsident Japans, Shinzo Abe, feierte am vergangenen Wochenende einen Erdrutsch-Sieg. Ein Sieg der weitreichende Folgen für Japans Politik, aber vor allem auch Japans Wirtschaft haben könnte.

-von Thomas Zuleck, Börse Stuttgart News Redaktion-
Nach den vorläufigen Hochrechnungen sieht es aktuell so aus, als könne sich die Koalition um Shinzo Abe bis zu 310 Sitze, und somit die Zweidrittelmehrheit, sichern. Aus politischer Sicht scheint somit die letzte Hürde genommen, um eine weitreichende Verfassungsreform durchzuführen. Abe will durch eine solche Reform vor allem das Militär des Landes stärken, um sich, an der Seite der Schutzmacht USA, gegen die Bedrohung aus Nordkorea zu wappnen. Kritiker sehen eine solche Kehrtwende jedoch äußerst skeptisch. Einerseits kommt dies einer Abkehr der pazifistischen Nachkriegstradition gleich. Andererseits dürfte derartige Pläne vor allem auch in China – und zumindest in Teilen der USA – mit Argusaugen beobachtet werden. Für Abe war die harte Gangart gegenüber dem Regime in Pjöngjang jedoch ein wesentlicher Baustein im Wahlkampf.

Abe sieht sich bestätigt

Aus Sicht der Börsen ist der Wahlsieg Abes eine Bestätigung seiner bisherigen Wirtschaftspolitik: "Obwohl japanische Titel bereits im Vorfeld der Wahl zugelegt haben, kann Abes Wahlsieg heute weiter Investoren anlocken. Diese setzen auf eine Fortsetzung seiner von Konjunkturprogrammen und Deregulierung gekennzeichneten Wirtschaftspolitik, der sogenannten "Abenomics", und weiterhin niedrige Zinsen", so Thomas Metzger, Fondsmanager beim Bankhaus Bauer. Bereits im Wahlkampf kündigte Abe an, die Einnahmen aus der für 2019 geplanten Konsumsteuer vor allem in die Bildung zu investieren. Die Sanierung des Staatshaushaltes hat in den Augen Abes weiterhin keine Priorität. Eine Reform des Haushaltes wird weiter in die Zukunft verschoben. Insofern gehen viele Marktteilnehmer davon aus, dass die Zinsen in Japan weiterhin niedrig bleiben werden.

Aktienboom ist teuer erkauft

Der japanische Aktienmarkt boomt ohnehin seit Monaten und notiert aktuell so hoch wie seit mehr als 20 Jahren nicht mehr. Allein seit 2009 haben sich die Kurse mehr als verdreifacht! Im Zuge der Wahl konnte der Nikkei nochmals – vielleicht auch ein wenig beflügelt durch den schwachen Yen – um gut 1,2 Prozent zulegen. Seit Jahresbeginn konnte der Nikkei somit um fast 14 Prozent zulegen. Dennoch kommt der Aufschwung an Japans Aktienmarkt so ein wenig überraschend daher, wenngleich das Shinzo Abe natürlich anders sieht. Aus seiner Sicht ist das schlicht die Bestätigung seiner milliardenschweren Konjunkturproramme die unter dem Stichwort „Abenomics“ bekannt wurden. Beim Blick auf die Börsen und die Unternehmensgewinne scheint Abe mit dieser Einschätzung tatsächlich Recht zu haben. Die Wirtschaft Japans wuchs in den vergangenen Monaten deutlich stärker als beispielsweise die Volkswirtschaften in den USA und Europa. Was die Unternehmensgewinne angeht, so konnten japanische Firmen in den vergangenen zehn Jahren ebenfalls deutlicher zulegen, als viele ihrer amerikanischen Pendants. Allerdings sollte in diesem Zusammenhang nicht vergessen werden, dass die Ausgangslage für die japanische Wirtschaft zuletzt auch eine deutliche andere war. Über viele Jahre kämpfte die Wirtschaft des Landes mit den Folgen einer hartnäckigen Deflation. Die Stagnation der Wirtschaft dämpfte die Investitionsbereitschaft vieler Unternehmen und drückte auf die Preise. Wenn nun also die Wirtschaft wieder wächst, ist das definitiv ein gutes Zeichen, allerdings geschieht dies noch immer zu einem hohen Preis: Die Verschuldung Japans erreicht von Jahr zu Jahr neue Höhen. Mit einer Verschuldung von 222 Prozent des BIP (Stand: 2016) schlägt Japan sogar den europäischen „Schuldenkrösus“ Griechenland. Zudem musste zuletzt das Wirtschaftswachstum nach unten revidiert werden. Ging man ursprünglich davon aus, dass das Bruttoinlandsprodukt in den Monaten April bis Juni um 4,0 Prozent wachsen würde, musste man die Prognosen auf 2,5 Prozent nach unten anpassen. Offenbar zogen die Unternehmensinvestitionen doch nicht so stark an wie im Vorfeld angenommen. Zudem sollte man nicht vergessen, dass die japanische Notenbank in den vergangenen Monaten massiv Aktien aus dem Nikkei gekauft hat. Der absolute Aufschwung des Nikkei wird vor diesem Hintergrund zumindest ein wenig relativiert. Und dann ist da ja noch Nordkorea. Der Konflikt mit Pjönjang schwebt als Damoklesschwert über der gesamten Region und stellt nicht nur Japan vor größere Probleme.

Experten sehen Chancen am japanischen Aktienmarkt

Trotz aller benannten Unwägbarkeiten sehen die meisten Beobachter Japans Wirtschaft auf einem guten Weg: „Vor dem Hintergrund einer stabilen und moderat wachsenden Weltwirtschaft gehen wir daher davon aus, dass die Unternehmensgewinne in Japan im laufenden Jahr zweistellig zulegen und sie auch im kommenden Jahr deutlich stärker wachsen werden als in den USA und der Eurozone", resümiert Archibald Ciganer, Portfolio-Manager beim Fondsanbieter T. Rowe Price bei boerse.ard. Nikkei-Anleger werden derartige Aussichten ganz sicher freuen!
 
Erstellt am 23.10.2017 um 10:05 Uhr
Veröffentlich am 23.10.2017 um 10:18 Uhr