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Devisenmarkt · 23.10.2017 10:31 Uhr

Abe hat gewonnen – der Yen nicht

Yen Münzen und Noten
Quelle: Sakarin Sawasdinaka / Shutterstock
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Shinzo Abe hat die Wahl gewonnen und die Börse atmet auf. Der Nikkei klettert auf ein neues 21-Jahres-Hoch, beim Yen allerdings ist von der guten Laune nichts zu spüren. Warum?

-Von Ulrich Leuchtmann (Leiter Devisenanalyse, CM Research)-
Japans Premierminister Shinzo Abe geht aus den Parlamentswahlen als strahlender Sieger hervor. Seine Regierungskoalition konnte so viele Sitze im Parlament erobern, dass nun sogar die Chance besteht, Verfassungsänderungen anzugehen. Kurz: Abe kann weitermachen wie bisher. Womit sich die Frage stellt, ob „bisher“ JPY-positiv oder -negativ ist. Momentan ist sich der Devisenmarkt sicher. Der Yen notiert schwach.
Erinnern Sie sich noch daran, dass ich 2015 laut darüber nachdachte, ob die Bank of Japan (BoJ) Helikoptergeld einführen müsste? Viele (nicht in Japan!) haben mich damals verlacht. Doch fragen heute bereits Viele (teilweise dieselben!), ob wir de facto diesen Zustand nicht längst sehen. Allerdings nicht als geldpolitische Strategie, sondern fiskalpolitisch erzwungen. Denn von der fiskalpolitischen Disziplin, die Abe einst versprochen hatte, ist nichts übriggeblieben. Heute steht Abe für expansive Fiskalpolitik, die aus Sicht Vieler kaum als „nachhaltig“ zu bezeichnen wäre, wenn die BoJ nicht die Renditen japanischer Staatsanleihen auf der Nulllinie festzurren würde.
Ich will gar nicht sagen, dass das eine zutreffende Beschreibung der Zustände in Japan ist. Ich will nur sagen: Wer das so sieht, wird kaum den Yen mögen. Denn in solch einem Zustand ist die wichtigste Bedingung für vernünftiges Helikoptergeld nicht erfüllt: Die BoJ kann diese Politik nicht nach geldpolitischen Erwägungen steuern. Normalerweise sollte das inflationär wirken – und damit einen schwachen Yen rechtfertigen. Doch blieb bislang die Inflation aus. Und damit ist auch die Yen-Schwäche ausgeblieben. Der reale effektive Wechselkurs des Yen liegt nicht unter seinen 2014-Niveaus (Abbildung 1). Aber immerhin ist Abes Wahlsieg für alle, die wie oben beschrieben ticken, ein Signal, dass es weiter geht wie bisher. Und dass doch eines Tages die Zeitbombe, als die die Kombination aus Fiskal- und Geldpolitik gesehen werden kann, hochgeht. Ich weiß nicht, ob es so kommt. Momentan rechtfertigt die Angst, dass es so kommt, freilich einen schwächeren Yen.
 

Quelle: Commerzbank

Pfund: Wie hoch wird die Brexit-Rechnung

Das Pfund konnte sich erholen, weil die Signale vom Brüsseler Gipfel letztendlich doch nicht so GBP-negativ waren, wie im Vorfeld befürchtet werden musste. Immerhin wurde von Europas Staats- und Regierungschefs die Hoffnung genährt, dass ab Dezember doch endlich über die post-Brexit-Beziehungen zwischen dem Königreich und Europa verhandelt werden soll. Falls das so kommt, wird erstmals der Punkt adressiert, der letztendlich für den Devisenmarkt entscheidend ist. Für die GBP-Wechselkurse kommt es nicht darauf an, wie hoch die Rechnung sein wird, die die Briten zu zahlen haben, wenn sie Europa verlassen. Sie wird nicht so hoch sein (bzw.: die Zahlungsmodalitäten werden nicht so gnadenlos sein), dass Großbritannien fiskalischer Stress entsteht. Worauf es ankommt, sind die Wirtschaftsbeziehungen nach dem Brexit. So ist es schon ein gutes Signal für die britische Währung, dass darüber vielleicht bald geredet wird. Man könnte sagen: So anspruchslos ist der Markt mittlerweile schon, wenn’s um’s Pfund geht. Man könnte aber auch aus der GBP-positiven Reaktion vom Freitag ablesen, dass offensichtlich die Erwartung groß ist, dass dieser Teil der Verhandlungen relativ konstruktiv verlaufen wird. Liegt der Markt mit dieser Sicht richtig? Vielleicht. Doch heißt das auch: Jene Phase der Verhandlungen könnte Enttäuschungspotenzial für GBP-Positionen bergen. Denn einfach geht in diesem Verhandlungsprozess kaum etwas. Diesen Punkt sollten wir uns merken, wenn es Anfang 2018 vielleicht wirklich bei den Verhandlungen um die Post-Brexit-Arrangements geht. Kurzfristig steht freilich erst einmal zu befürchten, dass mit der schönen GBP-Erholung allein schon deshalb Schluss ist, weil aus anderer Richtung Ungemach droht: von Seiten der heimischen Politik – wieder einmal. Heute Morgen lese ich von Abweichlern in den Reihen der Tories, die die nächsten Schritte der Brexit-Gesetzgebung behindern könnten. So ist es nun einmal mit dieser Währung: Es muss in Brüssel stimmen und im House of Parliament, damit Sterling nachhaltig zulegen kann – weil es auf beiden Seiten stimmen muss, damit der Brexit-Prozess zu einem GBP-günstigen Ende kommt.

Disclaimer

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Bitte beachten Sie zusätzlich den wichtigen Hinweis zu allen abgebildeten Charts und Kursverläufen: Frühere Wertentwicklungen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung.
Erstellt / Veröffentlicht am 23.10.2017 um 10:30, Erhalten am 23.10.20187 um 10:10