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Traderfox – Kolumne · 26.10.2017 08:00 Uhr

Recycling-Spezialist profitiert gleich doppelt vom E-Mobility-Boom!

E-Mobility
Quelle: Olivier Le Moal / Shutterstock
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Umicore ist der Vorreiter, wenn es um das Recycling von Rohstoffen geht. Dank dem UHT-Verfahren gilt man als technologisch führend bei der Aufbereitung von Lithium-Ionen-Akkus.

Da man zu den größten Anbietern von Kathodenmaterialien für die Batterieherstellung gehört, profitieren die Belgier gleich doppelt vom erwarteten E-Mobility-Boom.
- verfasst von Martin Springmann -
Elektromobilität ist die Zukunft – darin sind sich mittlerweile nicht nur Politik, sondern auch die Autobauer einig. Die Umweltproblematik und der Treibhaus-Effekt machen die langfristige Umstellung der herkömmlichen Verbrennungsmotoren bei Pkw und Lkw-Modellen zu einer der Herausforderungen dieser Generation. Da Pkw mit Verbrennungsmotoren in etlichen Ländern wie China oder in Skandinavien spätestens ab 2030 ein absolutes Fahrverbot droht, werden Autobauer die Investitionen in die Elektromobilität massiv hochfahren. Alle bedeutenden Hersteller haben bereits entsprechende Pläne und Konzepte in der Schublade, wobei Experten davon ausgehen, dass sich die Zahl der derzeitigen Fahrzeuge mit Elektro- und Hybrid-Antrieb von derzeit rund 1 Million bis 2025 auf mehr als 140 Millionen Modelle vervielfachen wird. Dies verspricht enormes Wachstumspotenzial, stellt allerdings auch gewaltige Herausforderungen für Hersteller, Zulieferer und die Kreislaufwirtschaft. Der Siegeszug der Elektromobilität geht mit einem steigenden Aufkommen von Lithium-Ionen-Batterien einher, die am Ende ihres Lebenszyklus aufwändig recycelt und wiederaufbereitet werden müssen. Experten von ResearchnResearch gehen für den Zeitraum von 2017 bis 2021 von jährlichen Zuwachsraten von 10,96 % aus. Dies macht dieses Segment für Recycling-Spezialisten attraktiv, wobei derzeit einige große Player wie der US-Batterie-Hersteller Enersys und der US-Automobilzulieferer Johnson Controls den Markt dominieren.

Umicore mit UHT-Verfahren technologisch führend

Ein relativ unbekannter Vertreter ist der belgische Rohstoff- und Recycling-Konzern Umicore. Der in Brüssel beheimatete Traditionskonzern hat schon frühzeitig die Bedeutung des Recycling-Marktes erkannt und sich auf die fachgerechte Aufbereitung von Altbatterien und Lithium-Ionen-Akkus spezialisiert. Das von Umicore entwickelte „Ultra High Temperature Smelting“-Verfahren hat sich dabei als State of the Art im Bereich Lithium-Ionen-Akku-Recycling erwiesen und bietet bei maximaler Sicherheit und Umweltverträglichkeit eine fast vollständige Rohstoff-Rückgewinnung. Im ersten Schritt werden zunächst Kobalt, Nickel, Kupfer, Lithium und Mangan sowie weitere Metalle aus den Batteriepaketen gewonnen, wobei hier bis zu 70 % weniger CO2-Emissionen anfallen. Im Anschluss wird das Kobalt in Kobalt-Lithium-Oxid umgewandelt, das als Grundlage für die Herstellung von Kathodenmaterialien für neue Akkus dient und damit problemlos weiterverarbeitet werden kann.

Schlüssiges Gesamtkonzept überzeugt Tesla

Schädliche Produkte wie Dioxine oder andere flüchtige Umweltschadstoffe lassen sich durch dieses Verfahren fast vollständig vermeiden. Auch die Energiebilanz kann sich sehen lassen. So benötigt das UHT-Verfahren deutlich weniger Strom als vergleichbare Batterie-Recycling-Technologien anderer Anwender. Die als Nebenprodukte aus dem Recycling anfallenden Schlacken, die Kalzium-Oxide und Lithium enthalten, lassen sich ebenfalls verwerten und finden bei der Herstellung von Baumaterialien und bei der Stahlproduktion Verwendung. Das UHT-Konzept wird von Umicore bereits seit 2013 erfolgreich im Recycling-Werk in Hoboken eingesetzt. Hoboken gilt als eines der modernsten der Welt und verfügt über eine Gesamtkapazität von 7.000 t pro Jahr. Damit lassen sich bis zu 250 Millionen Mobilfunk-Akkus oder 150.000 Antriebsbatterien für Elektro- und Hybrid-Autos entsorgen und wiederaufbereiten. Branchengrößen wie der US-Elektroautopionier Tesla Motors zeigen sich vom Konzept der UHT-Technologie von Umicore überzeugt und haben Hoboken seit Produktionsbeginn als festen Bestandteil ihrer Recycling-Strategie für Lithium-Ionen-Batterien in Europa integriert.

E-Mobility-Boom beschert enorme Wachstumsaussichten

Die Expertise bei der Aufbereitung von Akkus und Batterien kommt Umicore auch in einem anderen Kerngeschäftsfeld zu Gute. Denn die Belgier haben sich als einer der führenden Zulieferer für die Batterieherstellung etabliert und gehören seit mehr als 20 Jahren zu den führenden Anbietern. Wichtigstes Segment ist die Herstellung von Nickel-Mangan-Kobalt (NMC)-Kathodenmaterialien, die für Lithium-Ionen-Batterien eingesetzt werden. Umicore beliefert bereits jetzt zahlreiche Schwergewichte aus dem Technologiesegment wie Samsung, LG Chem oder den chinesischen Elektroauto-Pionier BYD. Da die Nachfrage nach Lithium-Ionen-Batterien in den kommenden Jahren dank des Siegeszuges der Elektromobilität exponentiell stark zulegen wird, hat sich Umicore zu einem groß angelegten Investitionsprogramm entschlossen. Entsprechend sollen die Kapazitäten im Zeitraum von 2017 bis 2019 vom jetzigen Stand versechsfacht werden. Dabei will Umicore seine Kapazitäten an bereits bestehenden Standorten in Cheonan (Südkorea) und Jiangmen (China) weiter ausbauen.
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