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Nachfolge um Fed-Chair geklärt · 03.11.2017 10:01 Uhr

Jerome Powell: Mehr Verwalter als Innovator?

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Quelle: Castleski/Shutterstock
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Es war keine große Überraschung mehr. Jerome Powell wird im kommenden Februar die Nachfolge von Janet Yellen als Fed-Chairman antreten. Doch wer ist dieser Jerome Powell und welche Politik ist von ihm zu erwarten?

-von Thomas Zuleck, Börse Stuttgart News Redaktion-
"Die Leute warten unruhig auf meine Entscheidung, wer der nächste Chef der Fed sein wird", ließ Donald Trump noch in der vergangenen Woche über die sozialen Medien mitteilen. Klar, dass Donald Trump selbst natürlich die beste aller Entscheidungen treffen würde, wie er vorsichtshalber selbst verlauten ließ: „Ich glaube, jeder wird beeindruckt sein.“ Am Ende war die Überraschung der Marktteilnehmer jedoch nicht besonders groß, da sich mit Jerome Powell der heimliche Favorit der vergangenen Wochen durchsetzen konnte. Wie „beeindruckt“ Anleger von dieser Entscheidung sein werden, wird sich ebenfalls erst noch zeigen müssen.

Wer ist Jerome Powell?

Doch wer ist eigentlich Jerome Powell, der künftig die Geschicke der vielleicht mächtigsten Notenbank der Welt leiten wird? Powell, Jahrgang 1953, ist studierter Politikwissenschaftler und Jurist. Grundsätzlich nur eine Randnotiz und dennoch wäre Powell der erste Fed-Chair seit knapp 30 Jahren der keinen Doktortitel in Wirtschaftswissenschaften hat. Dafür kann Powell auf eine enorme Berufserfahrung in der Privatwirtschaft zurückblicken: Bereits 1984 stieg Powell bei Dillon, Read & Co. ins Investmentbanking ein, wo er in den kommenden sechs Jahren bis zum Vize-Präsidenten aufstieg. 1990 verließ Powell die Privatwirtschaft und wechselte ins Finanzministerium, wo er seinem Ex-Kollegen Nicholas Brady unterstand. Brady war bereits seit 1988 Finanzminister der USA. Allzu lange hielt es Powell allerdings nicht im Finanzministerium. Bereits 1993 wechselte Powell zurück in die Privatwirtschaft und heuerte bei Bankers Trust als Managing Director an. Nachdem die Bank jedoch in Schieflage geriet, kündigte Powell und wechselte erneut zu Dillon, Read & Co. Nach verschiedenen Stationen bei einigen Lobby-Vereinigungen kehrte Powell 2011 schlussendlich wieder in den Staatsapparat zurück, nachdem ihn US-Präsident Barack Obama für das Board of Governors nominierte. Die Ernennung war insofern beachtlich, als dass Obama erstmals seit 1988 ein Oppositionsmitglied für diesen Posten nominierte. Mit der Nominierung zum Fed-Chair erreicht Powell nun den Höhepunkt seiner Karriere.

Powell: Der unberechenbare Experte?

Aufgrund seiner bisherigen Stationen kann man Powell ohne Zweifel eine exzellente Expertise unterstellen. Und dennoch ist der 64-jährige für viele Marktteilnehmer nur sehr schwer einzuschätzen. In geldpolitischen Fragen hat sich Powell in den vergangenen Jahren immer wieder vornehm zurückgehalten. Ob er also den eingeschlagenen Kurs von Janet Yellen weitergehen wird – und somit keine bedeutenden Änderungen im geldpolitischen Kurs herbeiführt – ist bis dato vor allem eines: unklar. Doch von einem Fed-Chair erwarten Marktteilnehmer genau das Gegenteil: Klarheit und vor allem eine gewisse Berechenbarkeit.

Ein großes Erbe

Das Erbe das Powell antreten soll erscheint gewaltig. Seinen Vorgängern Ben Bernanke und Janet Yellen wird gemeinhin ein exzellentes Zeugnis im Umgang mit der Finanzkrise ausgestellt.
Bernanke war vor allem der Feuerwehrmann, dem es gelang das lodernde Feuer der Finanzkrise mit schier grenzenloser Liquidität zu ersticken. Bernanke pumpte Unmengen frischer Dollar ins System, führte Nullzinsen ein und kaufte auch noch im großen Stil Staatsanleihen. Bei aller Kritik an diesem Vorgehen, verneint kaum ein Beobachter, dass Bernanke durch derartige Maßnahmen die USA und vielleicht auch die Weltwirtschaft vor einer großen Depression bewahrt hat.
Janet Yellen hatte vielleicht sogar noch die größere Aufgabe zu meistern. Sie musste hinter Bernanke aufräumen und zudem Sorge tragen, dass nicht der ein oder andere Brand wieder aufflammt. Yellen agierte äußerst besonnen und entzog dem Markt Schritt für Schritt die vorhandene Liquidität. Sie fuhr die Anleihekäufe auf null zurück, und erhöhte immerhin viermal die Zinsen. Auch wenn Yellen immer wieder scharf kritisiert wurde, so muss man festhalten, dass ihr zumindest der Einstieg in den Ausstieg aus der ultralockeren Geldpolitik gelungen ist, ohne die Finanzmärkte in Bedrängnis zu bringen. Ein Verdienst, der ihr vielleicht gar nicht hoch genug anzurechnen ist.

Meilensteine scheinen gesetzt

Was ist nun von Powell zu erwarten? Grundsätzlich gehen Beobachter davon aus, dass Powell dem von Yellen eingeschlagenen Kurs folgen wird. Den nächsten Zinsschritt wird sehr wahrscheinlich noch einmal Janet Yellen vornehmen. Es gilt so gut wie ausgemacht, dass die Fed im kommenden Monat den Leitzins noch einmal um 25 Basispunkte anheben wird. Für das kommende Jahr werden immerhin drei weitere Zinsschritte erwartet, wenngleich man sich auf derartige Prognosen bislang selten verlassen konnte. Insofern scheinen die kurzfristigen Meilensteine für Powell erstmal gesetzt. Spannend könnte es allerdings werden, wenn der Aufschwung in den USA nachlassen sollte. Immerhin befinden sich aktuell nicht nur die Aktienmärkte auf einem Rekordniveau. Doch wie verhält sich Powell sollten erste „Rezessions-Wolken“ am Horizont aufziehen? Hält er auch dann am eingeschlagenen Kurs fest die Bilanzsumme der Fed zu verkleinern? Agiert er dann allein durch eine rigide Zinspolitik, wobei er mit einer solchen Politik nur wenig Spielraum besäße? Vorerst ist jedoch davon auszugehen, dass Powell keine entscheidenden Änderungen herbeiführt. Ernst wird es erst, wenn sich die fundamentalen Rahmenbedingungen ändern sollten und ein starker und vor allem besonnener Fed-Chair gefordert ist.
 
Erstellt am 03.11.2017 um 09:45 Uhr
Veröffentlicht am 03.11.2017 um 10:00 Uhr