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Kippt jetzt die Stimmung? · 07.11.2017 09:57 Uhr

Zalando erleidet Nettoverlust und kappt Margenziel

Geschenkkarte von Zalando
Quelle: Cineberg/Shutterstock
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Zalando hat im abgelaufenen Quartal einen Nettoverlust in Höhe von 10,5 Millionen Euro erlitten. Überraschend kommt das Minus nicht. Bereits vor gut vier Wochen hatte Zalando Investoren auf einen möglichen Verlust vorbereitet.

-von Thomas Zuleck, Börse Stuttgart News Redaktion-
Zalando verdient weiterhin kein Geld. Der Onlinemoderhändler folgt somit offenbar noch immer sehr stringent dem Credo von Amazon-Chef Jeff Bezos. Denn auch im vergangenen Quartal ist Zalando zwar deutlich gewachsen und erzielte einen Umsatzsprung von 28,7 Prozent auf 1,075 Milliarden Euro, doch die Gewinne können einfach nicht mithalten. Im Gegenteil: Im vergangenen Quartal erleidet der Onlinehändler einen Nettoverlust von 10,5 Millionen Euro, nach einem immerhin kleinen Gewinn im Vorjahresvergleichszeitraum von 5,0 Millionen Euro. Auch operativ ist Zalando nur sehr knapp an einem Verlust vorbei geschrammt. Das bereinigte EBIT lag im abgelaufenen Quartal gerade noch bei 400.000 Euro, nach immerhin 19,5 Millionen Euro im Vorjahresquartal. Die Marge liegt somit bei glatten null Prozent!

Investitionen fressen Gewinn auf

Es waren vor allem Investitionen in die Logistik und Infrastruktur die die Gewinne von Zalando im abgelaufenen Quartal regelrecht auffraßen. Allein in den vergangenen neun Monaten investierte der Onlinehändler 175,6 Millionen Euro in Infrastruktur, Unternehmenszukäufe und in die IT. Bis zum Jahresende sollen die Investitionen bis auf 250 Millionen Euro steigen. Trotz eines insgesamt sehr schwachen Oktobers peilt Zalando weiterhin ein Umsatzwachstum „in der oberen Hälfte der 20-25% Spanne an“. Die EBIT-Marge soll auch in diesem Jahr wieder in etwa auf dem Vorjahresniveau von „leicht unter 5 Prozent“ liegen.

Co-CEO Ritter sieht Zalando voll auf Kurs

Aus Sicht des Co-CEO von Zalando, Rubin Ritter, liegt der Onlinehändler demnach voll auf Kurs: „Das starke Umsatzwachstum im dritten Quartal unterstreicht unsere Wachstumsambitionen und zeigt, dass sich unsere Investitionen bereits auszahlen. Für das vierte Quartal wie auch die kommenden Jahre legen wir den Fokus weiter auf Wachstum. Wir verfolgen das Ziel, unser Geschäft bis 2020 zu verdoppeln und werden weiter investieren, um dieses Ziel zu erreichen.“ Die Strategie heißt also weiterhin: Wachstum ist wichtiger als Gewinn – vorerst.

Kiptt jetzt die Stimmung?

Doch zumindest unter den Marktteilnehmern scheint sich die Stimmung in Bezug auf den Onlinemodehändler langsam etwas zu drehen. Mit einem Minus von mehr als vier Prozent führt die Zalando-Aktie im frühen Handel die Verliererliste im MDAX mit deutlichem Abstand an. Und, fast schon ein wenig erstaunlich, begegnen auch Analysten der Aktie von Zalando mit zunehmender Skepsis. Bis Mitte Oktober gab es fast ausschließlich positive Kommentare für die Zalando-Aktie mit entsprechenden Kaufempfehlungen und Kurszielen weit jenseits der 50 Euro-Marke. Doch spätestens mit der Ankündigung im dritten Quartal möglicherweise einen Verlust zu schreiben, dreht sich auch bei den Analysten ein wenig die Stimmung. So sind beispielsweise die Analysten von RBC Capital Markets und Joh. Berenberg, Gossler & Co., wenig angetan von der jüngsten Geschäftsentwicklung bei Zalando. Analystin Michelle Wilson und ihr Kollege Richard Chamberlain sprachen jeweils eine Verkaufsempfehlung aus. Dass gleich zwei der jüngsten Kommentare eine Verkaufsempfehlung sind, gab es für Zalando doch recht lange nicht mehr.
 
Erstellt am 07.11.2017 um 09:51 Uhr
Veröffentlicht am 07.11.2017 um 09:57 Uhr