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Gastbeitrag Commerzbank Research · 08.11.2017 10:51 Uhr

Tauben im EZB-Rat haben die Oberhand

Tafel mit der Aufschrift EZB neben einer Geldbörse
Quelle: Bartolomiej Pietrzyk/Shutterstock
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Es scheint, als wären die Falken innerhalb der EZB noch immer in der Unterzahl. Zwar mehren sich die Mahner, die für einen Ausstieg aus der ultralockeren Geldpolitik stimmen, doch durchsetzen können sie sich nicht.

-zum Autor: Thu Lan Nguyen ist Analyst FX & EM bei der Commerzbank AG-
Die EZB dürfte an sich zufrieden sein. Denn ihr ist es gelungen, ihr Anleihekaufprogramm weiter zurückzufahren, ohne dass dies größere Verwerfungen an den Märkten – d.h. ein starker Anstieg der Renditen und der Euro-Wechselkurse – ausgelöst hat. Der Euro hat sogar im Zuge der Sitzung vor zwei Wochen nachgegeben, was den Notenbankern entgegenkommen dürfte. Schließlich entwickelt sich die Inflation nach wie vor enttäuschend, weswegen sie es auch für notwendig hält, an einer expansiven Geldpolitik festzuhalten. Diese Botschaft scheint am Markt angekommen zu sein. Denn der hatte zuvor offensichtlich mit einem schnelleren Zurückfahren der Anleihekäufe gerechnet, bzw. mit Hinweisen darauf, dass das Anleihekaufprogramm in absehbarer Zeit enden könnte.

EZB enttäuscht Erwartungen

Doch diese Erwartung hat die EZB herbe enttäuscht. So wurde kurz nach der Sitzung bekannt, dass sich einige Ratsmitglieder dafür eingesetzt hatten, einen „klaren Ausstieg“ zu signalisieren, sprich ein Ende des Anleihekaufprogramms festzulegen. Stattdessen stimmte die Mehrheit dafür, das Ende offen zu lassen. Jüngsten Berichten zufolge hatten die Ratsmitglieder Benoît Cœuré, Franςois Villeroy de Galhau sowie Jens Weidmann zudem vorgeschlagen, die sogenannte „Forward Guidance“ für das Anleihekaufprogramm zu verallgemeinern. So ist im Presse-Kommuniqué festgehalten, dass die Käufe so lange fortgesetzt werden, bis der Rat der Meinung ist, dass die Inflation auf einem nachhaltigen Aufwärtstrend ist. Die drei genannten Ratsmitglieder wollten nun nicht mehr „nur“ die Anleihekäufe, sondern den allgemein expansiven Grad der Geldpolitik an den Inflationsausblick binden. Auch dies hätte es ermöglicht, den Weg hin zu einem Ende des Kaufprogramms zu ebnen. Schließlich hätten die Notenbanker die Käufe dann stoppen können, auch wenn die Inflation noch nicht stark genug gestiegen wäre und hätten argumentieren können, dass die Geldpolitik aufgrund des niedrigen Zinsniveaus insgesamt noch expansiv sei.

Schlechte Nachrichten für "Euro-Bullen"

Doch selbst auf diese Änderung ließen sich die Tauben im EZB-Rat nicht ein. Abgesehen von der Verringerung des monatlichen Kaufvolumens ließen sie damit keinerlei Signal zu, das auf ein baldiges Ende der Anleihekäufe hätte hindeuten können. Das hat wichtige Implikationen für den Devisenmarkt. Schließlich hat die EZB klar gemacht, dass die Zinsen erst lange nach dem Ende des Anleihekaufprogramms steigen werden. Solange also ein Ende der Anleihekäufe nicht in Sicht kommt, rückt auch eine erste Zinserhöhung immer weiter in die Ferne. Eine schlechte Nachricht für Euro-Bullen.
 
Erhalten von der Commerzbank am 08.11.2017 um 09:53 Uhr
Veröffentlich durch die Börse Stuttgart am 08.11.2017 um 10:49 Uhr