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Gastbeitrag Commerzbank Research · 10.11.2017 14:40 Uhr

Rohstoffe: Ölpreis legt wieder zu

schwarze Ölfässer
Quelle: Robert Lucian Crusitu/Shutterstock
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Nach einer kleinen Unterbrechung konnten die Ölpreise rasch wieder deutlich zulegen. Beide Ölsorten notieren bereits wieder in der Nähe alter Mehrjahreshochs. Ist das nun der endgültige Durchbruch?

-zum Autor: Eugen Weinberg ist Leiter Rohstoffanalyse bei der Commerzbank AG-
Die Ölpreise legten nach einem Tag Unterbrechung gestern bereits wieder zu. Brentöl kostet aktuell 64 USD je Barrel und handelt damit nicht weit vom Mitte der Woche verzeichneten 28-Monatshoch entfernt. Ähnliches gilt für WTI mit 57 USD je Barrel. Selbst deutlich schwächere chinesische Rohölimporte im Oktober und eine auf Rekordniveau gestiegene US-Rohölproduktion setzten die Ölpreise nicht nachhaltig unter Druck. Der Markt ist offenbar weiterhin davon überzeugt, dass es der OPEC gelingen wird, durch eine Verlängerung der Produktionskürzungen den Markt hinreichend einzuengen. Nachrichten, die diese Sichtweise unterstützen, finden entsprechend Gehör. So soll die vor Singapur und Malaysia in Tankschiffen gelagerte Menge an Rohöl in den letzten Monaten deutlich gesunken sein. Laut Thomson Reuters waren es zuletzt noch 15 Supertanker, in denen eine Menge von 30 Mio. Barrel Rohöl lagerte. Im Juni waren es etwa noch doppelt so viele. Hier macht sich die fallende Terminkurve bemerkbar, die diese Form der Lagerhaltung unattraktiv macht. Zudem will Saudi-Arabien Reuters zufolge seine Öllieferungen im Dezember gegenüber dem Vormonat um 120 Tsd. Barrel pro Tag reduzieren. Die Exporte würden damit aber immer noch deutlich höher liegen als im Sommer. Die Kürzungen passen außerdem zur jüngsten Erhöhung der offiziellen Verkaufspreise. Die Exporte in die USA sollen sogar um mehr als 10% gekürzt werden. Die USA benötigen aber aufgrund der steigenden heimischen Produktion ohnehin weniger ausländisches Rohöl, wie die zuletzt deutlich gefallenen Netto-Importe zeigen.

Gold zeigt sich fest

Gold zeigt sich weiter fest und handelt zum Wochenausklang bei 1.285 USD je Feinunze. Unsicherheit verschiedener Orten führt offenbar zu einer höheren Nachfrage nach Gold. So kommen in den USA die Steuerpläne von US-Präsident Trump wohl nicht so schnell voran wie gedacht und die Einführung niedrigerer Unternehmenssteuern verzögert sich bereits. Auf seiner Asienreise hat Trump bei seinem Besuch in China Nordkorea als Bedrohung für die Zivilisation bezeichnet, womit diese Krise weiter schwelt. Und in der gestern begonnenen nächsten Runde der Gespräche zwischen der EU und Großbritannien über den Brexit gibt es keinerlei Fortschritte. Die Zerrissenheit der britischen Regierung trägt hier wesentlich zum Stillstand der Gespräche bei. Wie der World Gold Council (WGC) gestern berichtete, ist im dritten Quartal nicht nur die globale Goldnachfrage gefallen, sondern auch das Angebot ist etwas zurückgegangen. Vor allem das Angebot aus Altgold sank im Vergleich zum Vorjahr merklich, was wohl den niedrigeren Goldpreisen geschuldet war. Die Goldproduzenten haben bereits das fünfte Quartal in Folge Absicherungsgeschäfte aufgelöst und damit dem Markt ebenfalls Angebot entzogen. China hat gemäß Daten des Verbands der chinesischen Automobilproduzenten im Oktober 2,35 Mio. Autos verkauft. Dies war zwar die höchste Menge bislang in diesem Jahr, im Vergleich zum Vorjahr sind die Absätze aber kaum gestiegen. Palladium gab schon gestern seine zwischenzeitlichen Gewinne wieder ab und handelt heute Morgen bei 1.010 USD je Feinunze.

Industriemetalle

Der von uns gestern hier an dieser Stelle berichtete Aufbau der Aluminiumvorräte in China hat sich auch in dieser Woche fortgesetzt. In den Lagerhäusern der SHFE sind die Bestände um weitere 18 Tsd. auf nun 667 Tsd. Tonnen gestiegen. Seit Mitte des Jahres wurden die Vorräte um 54% aufgestockt, seit Jahresbeginn haben sie sich sogar bald versiebenfacht. Außerhalb des Börsensystems liegen weitere große Mengen Aluminium, auch wenn wir diese aufgrund fehlender Daten nicht beziffern können. Neben der bis vor kurzem noch hohen inländischen Aluminiumproduktion und den geringeren Exporten dürfte auch Material aus den LME-Lagerhäusern nach China geflossen sein. Aus den asiatischen LME-Lagerhäusern wurden seit Jahresmitte rund 120 Tsd. Tonnen und seit Jahresbeginn gut 420 Tsd. Tonnen Aluminium abgezogen. Der Abbau der LME-Vorräte ist daher unseres Erachtens nicht nur aufgrund einer robusten Nachfrage erfolgt. Neben Aluminium wurden in den Lagerhäusern der SHFE in dieser Woche auch die Kupfervorräte spürbar aufgebaut. Sie sind um 14% gestiegen (in den letzten beiden Wochen sogar um 35%), liegen mit 145 Tsd. Tonnen aber absolut betrachtet noch auf einem niedrigen Niveau. Indonesien hat gemäß Daten des Handelsministeriums im Oktober die Exporte von Zinn weiter erhöht. Mit 7,6 Tsd. Tonnen wurde die größte Menge Zinn seit 13 Monaten ausgeführt. Der Zinnpreis war im Oktober deutlich gefallen und notiert aktuell bei rund 19.500 USD je Tonne.
 
Erhalten von der Commerzbank am 10.11.2017 um 14:09 Uhr
Veröffentlicht durch die Börse Stuttgart am 10.11.2017 um 14:40 Uhr