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Gastbeitrag Commerzbank Research · 15.11.2017 13:00 Uhr

Wieder nicht “From Carney with Love”

Bank of England
Quelle: cristapper / Shutterstock.com
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Analysen der Research-Abteilung der Commerzbank zum Britischen Pfund, Euro, Japanischen Yen und zur Norwegischen Krone. Dabei geht es zunächst vor allem um den Umgang der Bank of England mit der über der Zielmarke liegenden Inflation.

- Autorin: Antje Praefcke (Analyst FX & EM Research Commerzbank) -

Britisches Pfund

Da hat Notenbankchef Mark Carney es grade noch einmal vermieden, einen netten Brief an den Finanzminister Philip Hammond schreiben zu müssen. Zum zweiten Mal. Denn die Inflation lag nach September auch im Oktober bei genau 3%. Ein Ergebnis leicht darüber, wie vom Markt erwartet, hätte zur Folge gehabt, dass Carney dem Finanzminister darlegen muss, wie er bzw. die Bank of England (BoE) plant, die Inflation wieder in Richtung des Inflationsziels von 2% zu drücken.
Zwar ist nicht ganz ausgeschlossen, dass Carney im November noch einmal zittern muss, weil der Ölpreis zuletzt angezogen hat. Aber die Inflation hat wohl im Oktober ihren Hochpunkt erreicht und sollte langsam sinken. Glück gehabt, blauen Brief vermieden! Nächstes Jahr fällt dann auch der Effekt der Pfundabwertung aus den Jahresvergleichen, so dass die Inflation dann sogar wieder auf das Inflationsziel fallen könnte, sofern keine anderen Faktoren preistreibend wirken.
Ähnlich wie in vielen anderen Ländern fehlt bislang aber auch in Großbritannien ein nachhaltiger Anstieg der Löhne, der die Inflation anschieben könnte. Aufgrund dessen und aufgrund der Brexit-Risiken bleibt die BoE vorsichtig. Nur zwei weitere Zinsanhebungen bis Ende 2020 projiziert sie. Das Pfund bleibt mangels anderer Impulse Spielball der zähen Brexitverhandlungen. Wie empfindlich es ist, zeigt die Reaktion auf die schwindenden Chancen einer Einigung zwischen Regierung und EU bis Mitte Dezember. Selbst Brexit Minister David Davies sieht angeblich nur noch eine 50%-ige Chance für eine Einigung. Außerdem halten die heftigen Streitereien über die Brexit-Gesetzesvorlage im Parlament an (u.a. soll der 29. März 19 per Gesetz als Austrittsdatum festgeschrieben werden) und gehen heute in Runde 2. Finanzminister Hammond dürfte also ganz andere Sorgen haben als die temporär hohe Inflation. Wie ich es auch drehe und wende: ich sehe wirklich keinen Grund, das Pfund zu kaufen.

Euro/US-Dollar

Warum sich gestern der Markt entschloss, auf die guten deutschen BIP-Daten den Euro zu kaufen und eine marginal höhere Chance für einen ersten Zinsschritt seitens der EZB Ende 2018 einzupreisen, erschließt sich mir leider nicht. Denn zum einen fielen die Zahlen für die Eurozone gemäß den Erwartungen aus und die EZB wird sich nicht nach einem einzelnen Land richten, sondern immer die gesamte Eurozone betrachten, wenn sie über die Geldpolitik entscheidet. Zum anderen hat die EZB sich zwar erfreut über die wirtschaftliche Erholung in der Eurozone gezeigt, aber die Preisentwicklung ist nach ihrem Geschmack noch zu schwach, weshalb sie Ende Oktober auch bei ihrer expansiven Haltung blieb und klar gemacht hat, dass noch lange keine Zinserhöhungen anstehen.
Der Markt sollte sich daher mehr auf die Preisdaten konzentrieren. Gleiches gilt auch für den Dollar. Die US Erzeugerpreise, die gestern veröffentlicht wurden, zogen im Oktober zwar deutlich an. Die Verbraucherpreise, die heute auf der Agenda stehen, werden aber wohl bei den FOMC-Mitgliedern Stirnrunzeln hervorrufen, da sie auch im Oktober kaum gestiegen sein dürften. Die Fed wird trotzdem an der Zinserhöhung im Dezember festhalten – der Markt hat diese auch mittlerweile fast vollkommen eingepreist. Da der Markt aber seine längerfristigen Zinserwartungen kaum anpassen wird, solange die Inflationsraten nicht anziehen, sehe ich kein Aufwärtspotential für den USD infolge der heutigen Daten.

Japanischer Yen

Ich kann mich nur dem anschließen, was mein Kollege Ulrich Leuchtmann in der Tagesinfo am Montag zur Bank of Japan (BoJ) schrieb: dass sie im Gegensatz zu EZB und Fed noch lange nicht an eine Normalisierung der Geldpolitik denkt. So sprach sich Goushi Kataoka auf der letzten Zinssitzung Ende Oktober erneut für eine Ausweitung der Anleihekäufe aus. Außerdem ist Notenbankchef Haruhiku Kuroda als Taube bekannt und hat gute Chancen auf eine weitere Amtszeit an der Spitze des Rats, wenn sein Posten im April neu besetzt wird. Es ist auch unerheblich, dass Japans Wirtschaft ordentlich läuft, selbst wenn die heutigen Q3 BIP-Zahlen etwas unter den Markterwartungen lagen. Solange die Löhne und die Inflation nicht steigen, ist das Inflationsziel von 2% in weiter Ferne, ordentliche BIP-Zahlen hin oder her.
Kurzum: ich sehe wenig Aufwärtspotential für den JPY, vor allem auch vor dem Hintergrund, dass Anfang Dezember aller Voraussicht nach wieder schwache japanische Inflationsdaten veröffentlicht werden und gleichzeitig die Fed anderthalb Wochen später den Leitzins nochmals anheben wird.

Norwegische Krone

Die Norges Bank wird auf ihrer nächsten Sitzung ihre BIP-Prognose für 2017 anheben müssen. Denn die soliden Zahlen aus dem dritten Quartal weisen auf ein Wachstum von rund 2% hin, wohingegen die Norges Bank nur mit 1,5% rechnet. Ihre Geldpolitik wird sie dennoch nicht ändern. Denn die Inflation ist seit Sommer 2016 rasant gefallen und liegt nun deutlich unter dem Inflationsziel.
Damit gibt es keinen Grund für die Norges Bank, den Zinspfad noch stärker nach vorne zu ziehen. Sie kann es sich leisten, erst einmal abzuwarten, ob die Inflationserwartungen verankert bleiben. Für die NOK heißt das, dass in erster Linie anziehende Preisdaten oder aber überraschend gute Fundamentaldaten, die für ein Vorziehen der ersten Zinserhöhung sprächen, ihr kurzfristig Unterstützung geben können. Im Moment leidet sie aber unter dem festen Euro infolge der deutschen BIP-Daten gestern.
 
Erhalten von der Commerzbank am 15.11.2017 um 10:06 Uhr.
Veröffentlicht durch die Börse Stuttgart am 15.11.2017 um 13:00 Uhr.