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Gastbeitrag von Markus Miller · 22.11.2017 08:47 Uhr

"Deutschland ist ein digitales Cryptocoin-Entwicklungsland"

Benjamin Franklin mit Bitcoin-Augen
Quelle: Goami/Shutterstock
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"Deutschland ist ein digitales Cryptocoin-Entwicklungsland", so Markus Miller von geopolitical.biz. Weshalb er das so sieht und wie er die Zukunft des digitalen Geldsystems sieht, erläutert Markus Miller in seinem Gastbeitrag.

Jamie Dimon, der Chef der US-Großbank JP-Morgan bezeichnete den Bitcoin unlängst als Betrug. Seinen Vergleich mit der Tulpenzwiebelblase aus dem 17. Jahrhundert haben mittlerweile zahlreiche Marktkommentatoren und Medien übernommen. Weitere negative Schlagzeilen der letzten Wochen und Monate sind beispielsweise: Algerien und Vietnam verbieten Kryptowährungen, China schließt Bitcoin-Handelsbörsen oder die deutsche Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht warnt vor einem Totalverlust bei Neuemissionen von Cryptocoins, den sogenannten ICOs.

Hype und Blase oder revolutionäre Zukunftstechnologie?

Das Segment rund um Blockchain, Cryptocoins und Fintechs ist für mich längst kein Hype oder gar eine Tulpenzwiebelblase, sondern eine zukunftsweisende Innovation, Evolution und Revolution. Blasenbildungen in bestimmten Teilbereichen sind hier ein Teil der Entwicklung. Es werden dabei zweifelsohne auch zahlreiche Cryptocoins oder Fintech-Unternehmen scheitern. Aber die „Überlebenden“ werden unser Finanz-, Geld-, und Bankensystem der Zukunft prägen. Neue Werte werden entstehen in Form von Kryptoassets.
Auch Staaten und Notenbanken werden zur Digitalisierung des Geldsystems der Zukunft beitragen. Gold und konventionelle Devisen wie der US-Dollar, der Euro, der YEN oder der chinesische Renminbi sind klassische Währungsreserven. Dass die relativ unbedeutenden Länder Algerien und Vietnam den Bitcoin verbieten sollte aus meiner Sicht verblassen gegenüber der Meldung, dass große Volkswirtschaften wie Japan und Australien den Bitcoin längst als Währung anerkannt haben.

Markus Miller, geopolitical.biz und Experte für Kryptowährungen

Japan wird zahlreichen Staaten als Vorbild dienen

Im Gegensatz zu China baut Japan seine Position im Bitcoin-Geschäft weiter aus. Bereits im April 2017 hat die japanische Finanzaufsicht den Bitcoin als gesetzliches Zahlungsmittel anerkannt. Vor kurzem hat Japan 11 Unternehmen die offizielle Erlaubnis erteilt, das Devisengeschäft mit Bitcoins zu betreiben. Darunter befindet sich das Unternehmen Bitflyer. Die Krypto-Börse hat mittlerweile rund eine Million Kunden. Rund 50% des weltweiten Bitcoin-Handels werden derzeit gegen japanische Yen abgewickelt. Vor rund einem Jahr wurden noch 90% des weltweiten Währungshandels im Bitcoin gegen den chinesischen Yuan abgewickelt.
Die regulatorischen Maßnahmen in Japan sind vergleichbar mit den aufsichtsrechtlichen Anforderungen an Banken. Das verhindert Auswüchse und schreckt Schwarze Schafe bereits im Vorfeld ab. Ich bin mir sehr sicher, dass die Chinesen – und weitere Länder weltweit – diesem japanischen Weg mittelfristig folgen werden, um den Anschluss nicht zu verlieren. Das ist bitter nötig, da in Japan bereits 17 weitere Kryptobörsen im Prüfungs- und Zulassungsprozess durch die japanische Finanzaufsicht stehen.
Im Bereich der Staaten werden skandinavische Länder in Europa die digitalen Vorreiter sein. Norwegen forscht bereits seit Jahren an der Einführung einer kryptographischen E-Krone. Auch in der Schweiz gibt es zukunftsweisende Entwicklungen. Die Stadt Zug akzeptiert bereits seit dem Jahr 2016 - als weltweit als erste Behörde - die führende Kryptowährung Bitcoin als Zahlungsmittel. Ich gehe davon aus, dass Staaten in naher Zukunft auch kryptographische Währungsreserven in Form von Cryptocoins unterhalten werden.

Im Vergleich mit Österreich ist Deutschland ein digitales Cryptocoin-Entwicklungsland

Deutschland ist in diesen Bereichen nach wie vor ein absolutes Entwicklungsland, das zeigt beispielsweise der Vergleich mit dem Nachbarn Österreich. Neben zahlreichen Bitcoin-Geldautomaten können die Kryptowährungen Bitcoin, Ethereum, Dash und Litecoin seit dem 10. Juli 2017 ganz einfach bei jeder Filiale der österreichischen Post erworben werden.
Da es in Österreich rund 1.800 Postfilialen gibt, verfügt die Alpenrepublik heute schon über ein flächendeckendes, stationäres Netzwerk an „Cryptocoin-Filialen“. An all diesen Standorten können Bürger oder Anleger Bargeld in Bitcoins und den drei weiteren Cryptocoins im Wert von 50 Euro, 100 Euro oder 500 Euro ganz einfach umtauschen.

Derzeit werden die Grundlagen gelegt für das digitale Geldsystem der Zukunft

Für mich ist es aufgrund der Rahmenbedingungen und Entwicklungen ein Trugschluss, dass viele Menschen immer noch denken, dass kryptographische Währungen nur etwas für absolute Internetfreaks sind. Notenbanken, Geschäftsbanken, aber auch führende Technologie-Unternehmen wie Apple und Amazon erforschen derzeit intensiv die Möglichkeiten von Kryptowährungssystemen, die auf der Blockchain-Technologie basieren.
Derzeit werden die Grundlagen gelegt, für unser digitales Geldsystem der Zukunft. Ob der Bitcoin sich dabei durchsetzt als „digitale Weltwährung“ ist dabei allerdings nicht sicher. Die enorme technologische Dynamik kann auch sehr schnell zu einer Adaption oder gar Substitution führen. Auch Google, der heute uneingeschränkte Marktführer, war einst nicht die erste Suchmaschine der Welt. Deswegen lohnt sich der Blick auf alternativen Kryptowährungen ebenso wie auf die „digitalen Schaufelhersteller“, die sogenannten Fintech-Unternehmen.
 
© Über den Autor
Markus Miller (1973) hat langjährige Erfahrungen bei international tätigen Banken und Beratungsfirmen in Österreich, Liechtenstein sowie der Schweiz gesammelt. Der renommierte Analytiker ist Gründer und Geschäftsführer des spanischen Medien- und Consultingunternehmens GEOPOLITICAL.BIZ S.L.U. mit Sitz auf der Baleareninsel Mallorca. Sein aktuelles Buch trägt den Titel „Die Welt vor dem Geldinfarkt“. Markus Miller - der sich bereits seit vielen Jahren mit alternativen Geldsystemen befasst – hat vor kurzem mit KRYPTO-X ein Themenportal rund um die Zukunftsbereiche Blockchain, Cryptocoins und Fintechs gegründet unter www.krypto-x.biz.
 
 

Quelle: Finanzbuchverlag