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DAX-Konzern übertrifft Erwartungen · 23.11.2017 09:05 Uhr

ThyssenKrupp: Konzernumbau trägt unerwartet saftige Früchte

Zentrale von ThyssenKrupp
Quelle: Lukassek/Shutterstock
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ThyssenKrupp hat mit seinen Zahlen für das dritte Quartal die Erwartungen deutlich übertroffen. Dennoch steht auch diesmal unter dem Strich ein dickes Minus, das der Stahlkonzern jedoch auf Einmaleffekte zurückführt.

-von Thomas Zuleck, Börse Stuttgart News Redaktion-
ThyssenKrupp hat im vergangenen Geschäftsjahr seinen Umsatz und den bereinigten operativen Gewinn unerwartet deutlich gesteigert. So lag das bereinigte EBIT zuletzt bei 1,91 Milliarden Euro und somit rund 30 Prozent über dem Vorjahresvergleichszeitraum. Analysten hatten im Schnitt „lediglich“ mit einem Gewinn vor Zinsen und Steuern in Höhe von 1,73 Milliarden gerechnet. Dabei war es im vergangenen Geschäftsjahr ausgerechnet das mittlerweile eher ungeliebte Stahlgeschäft, das ThyssenKrupp zu diesem Gewinnsprung verholfen hat: Der operative Gewinn bei „ThyssenKrupp Steel Europe“ stieg im vergangenen Jahr um satte 74 Prozent auf mittlerweile 574 Millionen Euro. Der Gewinn in der Sparte „Material Services“ konnte mit 312 Millionen Euro mehr als verdoppelt werden.

Ausblick stimmt positiv

Auch der Ausblick scheint zu stimmen. Der Auftragseingang lag zuletzt gut 18 Prozent über dem Vorjahresniveau. Bei ThyssenKrupp geht man davon aus, dass dies ein Fingerzeig für die Zukunft sein könnte. Experten gehen davon aus, dass der starke Auftragseingang auch das Wachstum in der Zukunft befördern könnte. Entsprechend zufrieden zeigt sich Vorstandschef Heinrich Hiesinger angesichts der vorgelegten Zahlen: "Wir haben beim Auftragseingang den besten Wert seit Beginn der strategischen Weiterentwicklung erreicht. Unsere Wachstums- und Ergebnisziele haben wir übertroffen".

Die Kosten fest im Blick

Zudem scheint ThyssenKrupp mittlerweile die Kosten wieder besser im Griff zu haben. Die Umsetzung des Effizienzprogramms „Impact“, schreitet offenbar deutlich schneller voran, als bislang angenommen. Nach Konzernangaben bleief sich der Spareffekt im Zuge des Programms zuletzt auf 930 Millionen Euro, das sind immerhin rund 80 Millionen mehr als ursprünglich geplant. Dennoch sieht sich ThyssenKrupp noch lange nicht am Ende. Auch im neuen Jahr soll das Programm mit 750 Millionen Euro positiv zum Ergebnis beitragen.

Fusion mit Tata Steel bleibt die größte Herausforderung

Die aktuell größte Herausforderung bleibt aktuell jedoch die geplante Abspaltung des Stahlgeschäfts durch die Fusion mit dem Konkurrenten Tata Steel. Bereits im abgelaufenen Jahr trennte sich der DAX-Konzern von seinem US-Stahlgeschäft. Hohe Abschreibungen bei dessen Verkauf führten wie erwartet dazu, dass der Konzern trotz einer 30-prozentigen Ergebnisverbesserung auf operativer Ebene unter dem Strich einen dreistelligen Millionenverlust verbuchte. Ob dies auf europäische Ebene „reibungsloser“ abläuft scheint ungewiss. Neben den betriebswirtschaftlichen Herausforderungen, muss sich ThyssenKrupp im Zuge der Fusion zudem mit den Gewerkschaften auseinandersetzen. Die IG Metall gilt als vehementer Gegner der geplanten Fusion mit Tata Steel und bereits für heute sind zahlreiche Demonstrationen der Belegschaft gegen die Fusion geplant.

Aktie vor Trendwende?

Für die Aktie von ThyssenKrupp lief es zuletzt nicht wirklich berauschend. Auf Jahressicht kommt die Aktie des DAX-Konzerns gerade einmal auf ein Plus von mageren 0,8 Prozent und weist somit eine deutliche Underperformance gegenüber dem Gesamtmarkt auf. Auch die geplante Fusion mit Tata Steel sorgte bei den Aktionären nicht wirklich für Euphorie und auf Sicht der vergangenen drei Monate gab der Aktienkurs sogar um fast 14 Prozent nach. Geht es jedoch nach den Analysten so scheint das Ende der Durststrecke offenbar erreicht. Von insgesamt 25 Analysten empfehlen 13 die Aktie von ThyssenKrupp zum „kauf“.
 
Erstellt am 23.11.2017 um 08:55 Uhr
Veröffentlich am 23.11.2017 um 09:05 Uhr