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Einkaufen am Black Friday · 24.11.2017 08:26 Uhr

Amerika im Kaufrausch – und Deutschland zieht mit

Menschenmenge im Shopping Center
Quelle: Dmitrijs Dmitrijevs
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Chaotische Rangeleien mit kauflustigen Kunden und tumultartige Szenen in großen Shopping-Centern: Es ist wieder Black Friday. Doch woher kommt die Tradition und was bedeutet dieser Tag für die Einzelhändler?

-von Vanessa Helpert, Börse Stuttgart News Redaktion-
Es ist ein typisches Bild, das sich jährlich wiederholt: Knapp einen Monat vor Weihnachten erreicht der Ansturm auf die Geschäfte einen ersten Höhepunkt. Grund ist der „Black Friday“. Dieser „Mega-Shoppingtag“ leitet inoffiziell die Weihnachtssaison ein und ist in den USA seit Jahrzehnten eine feste Institution. Einzelhändler locken mit teils unschlagbaren Rabattaktionen die Kunden in ihre Geschäfte. Kein Wunder, dass in Amerikas Großstädten wie New York oder San Francisco die Straßen schon am Morgen verstopft sind.

Der Tag der schwarzen Zahlen

Traditionell ist der Black Friday am Tag nach Thanksgiving. Thanksgiving ist in den USA ein staatlicher Feiertag, deshalb nutzen viele Amerikaner den Freitag als Brückentag. Eine gute Gelegenheit, um erste Weihnachtsgeschenke einzukaufen. Damit wird der "Black Friday" zu einem wichtigen Indikator für das Weihnachtsgeschäft: Eine Branchenregel besagt, dass an diesem Tag Einzelhändler die Gewinnschwelle für das Jahr überschreiten und schwarze Zahlen schreiben – daher der Name „Black Friday“. Eine andere Theorie ist, dass der Name auf die Menschenmassen in den Straßen und Einkaufszentren zurückzuführen ist, die an diesem Tag in vielen amerikanischen Metropolen unterwegs sind und die Straßen schwarz erscheinen lassen.
Noch vor wenigen Jahren dachten viele Deutsche bei der Bezeichnung „Black Friday“ eher an den Börsencrash 1929. Nachdem Apple 2006 die Tradition in Deutschland erstmalig eingeführt hat, ziehen immer mehr deutsche Einzelhändler nach und machen somit den Tag auch hierzulande bekannt. Während in den USA noch viel Umsatz in den Geschäften vor Ort erzielt wird, werden in Deutschland die meisten Rabatte allerdings online angeboten.

"Cyber Week" - Eine Woche voller Rabatte

Wer am Freitag keine Lust auf Shopping hat, kann stattdessen am darauffolgenden Montag online einkaufen. Der „Cyber Monday“ entwickelt sich mehr und mehr zu einer Konkurrenz für den „Black Friday“ – auch, weil immer mehr Menschen online einkaufen. In den vergangenen Jahren ist der Montag nach Thanksgiving in Amerika zu einem der populärsten Tage für den Interneteinkauf geworden – und neben dem Black Friday zum zweitwichtigsten Einzelhändlertag.
Versandhändler wie Amazon haben inzwischen sogar eine „Cyber Week“ ins Leben gerufen: Eine Woche lang – in der Regel in der Woche zum Black Friday - gibt es reihenweise Rabatte. Bei Amazon gehen täglich ab 6 Uhr im fünf-Minuten-Takt Angebote online. Insgesamt soll es laut Amazon über 55.000 Blitzangebote und Angebote des Tages mit bis zu 50% Rabatt geben. Auch die Mode-Plattform Zalando oder Elektronikhändler wie Saturn nehmen den Black Friday zum Anlass, eine ganze Woche lang Rabatte anzubieten.
Die Cyber Week ist in Deutschland zu einem festen Bestandteil des Weihnachtsgeschäfts geworden. Ein Großteil der Umsätze verschiebt sich durch die Aktionswoche von der ersten Dezemberhälfte in die zweite Novemberhälfte – das ergab eine Studie von eBay und dem Kölner Handelsforschungsinstitut ECC. Der Handelsverband Deutschland (HDE) erwartet für die Schnäppchentage einen zusätzlichen Umsatz von 1,7 Milliarden Euro. In 2016 haben laut HDE bereits 16 Prozent der Verbraucher den Black Friday für reduzierte Einkäufe genutzt, den Cyber Monday 13 Prozent. Bei den Pro-Kopf-Ausgaben lag der Black Friday 2016 mit rund 170 Euro vor dem Cyber Monday mit rund 120 Euro. Für 2017 wird ein neuer Rekord erwartet.

Alibaba pofitiert vom „Singles Day“

Im chinesischen E-Commerce sind Black Friday und Cyber Monday längst nicht mehr die wichtigsten Verkaufstage. Der absolute Shopping-Irrsinn fand dieses Jahr am 11. November, dem „Singles Day“ statt. Alibaba hat bei dem 24 Stunden-Shopping-Marathon mit seinen Handelsplattformen 25,3 Milliarden Dollar Umsatz erzielt. 225 Länder waren an den Transaktionen beteiligt, auch Deutschland. Zum Vergleich: Bei Amazons Konkurrenzveranstaltung „Prime Day“ war es Schätzungen zufolge nur rund eine halbe Milliarde Dollar Umsatz. Der Umsatz von Black Friday, Cyber Monday und Prime Day zusammen entspricht nur etwa der Hälfte des Umsatzes vom Singles Day.
Der Erfolg von Alibaba spiegelt sich auch im Aktienkurs wider. Seit Jahresbeginn beträgt das Kursplus 105 Prozent.

Und was kommt nach dem Kaufrausch?

Ob Black Friday, Cyber Monday oder Cyber Week: Die Aktionstage stimulieren viele Kunden zum Kauf. Doch gerade für kleinere Unternehmen sind sie auch ein Risiko. Denn um mit dem Shopping-Feuerwerk von Global Playern wie Amazon halbwegs mithalten zu können, müssen deutsche Händler mit teils ruinösen Nachlässen ihren Umsatz erkaufen. So war es letztes Jahr zum Beispiel beim Warenhauskonzern Kaufhof: Ergebnis der intensiven Rabatte in der „Black Week“ waren letztlich rote Zahlen im Weihnachtsquartal.
Experten mahnen auch, dass Kunden durch solche Aktionen immer mehr verlernen, den Preis und Preis-Qualitäts-Verhältnis von Waren zu schätzen und dadurch ihre reguläre Zahlungsbereitschaft abnimmt.
Für die Börse dürfte der Black Friday auch dieses Jahr wieder neue Impulse für die kommende Woche bringen.
 
Erstellt am 24.11.2017 um 8:15 Uhr
Veröffentlicht am 24.11.2017 um 08:26 Uhr