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Gastbeitrag Commerzbank Research · 28.11.2017 10:23 Uhr

Ein unbeschriebenes Blatt

Symbol der Fed auf einem US-Dollar-Schein
Quelle: Andrii Malkov/Shutterstock
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Der designierte neue Fed-Chair Jerome Powell hat in den vergangenen Jahren nicht gerade die Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Heute, im Zuge der bevorstehenden Senatsanhörung, wird er sich in die Karten schauen lassen müssen…

-zur Autorin: Esther Reichelt ist Analystin FX & EM Research bei der Commerzbank-
 
Trotz seiner fünfeinhalb Jahre Erfahrung als Teil des Federal Reserve Board of Governors gilt Jerome Powell bei vielen Marktteilnehmern als ein geldpolitisch weitgehend unbeschriebenes Blatt. Entsprechend erhoffen sich diese von Powells heutiger Senatsanhörung endlich genauere Einsichten, wofür der Kandidat für Janet Yellens Nachfolge an der Spitze der Fed genau steht. Hat er die Geldpolitik Yellens und ihres Vorgängers Ben Bernanke aus Loyalität oder aus taubenhafter Überzeugung mitgetragen? Insbesondere die republikanischen Ausschussmitglieder werden auf ein Bekenntnis zu einer stärker regelgebundenen Ausrichtung der Fed drängen. Da diese im aktuell guten Konjunkturumfeld für höhere Zinsen spräche, würde der US Dollar wohl bereits vom kleinsten Zugeständnis Powells in diese Richtung profitieren. Danach sieht es derzeit freilich nicht aus. Seine vorab veröffentlichte Erklärung spricht klar die Sprache der Kontinuität. So bekennt Powell sich zu den geldpolitischen Zielen maximaler Beschäftigung und Preisstabilität und unterstreicht die Wichtigkeit der Unabhängigkeit und Überparteilichkeit der Zentralbank, sowie die damit verbundene Rechenschaftspflicht. Vor allem jedoch bekennt er sich dazu den anhaltenden Fortschritt der Wirtschaft zur vollständigen Erholung zu unterstützen, wobei er davon ausgeht, dass die Zinsen noch „etwas weiter“ steigen und die Größe der Bilanz „graduell sinkt“. Das klingt nicht nach Neuanfang, sondern eher nach „Weiter so!“. Und das kann keine USD-Bullen hinter dem Ofen herlocken.

Scheitert die US-Steuerreform im Kongress?

Mehr Aufregung (und USD-Bewegung) kann da schon eher die US-Steuerreform bringen. Heute wird US Präsident Donald Trump in einem Treffen mit Kongressführern persönlich für den Gesetzesentwurf werben. Denn trotz republikanischer Mehrheit ist noch immer unsicher, ob die nötige Unterstützung im Senat erreicht werden kann, um den Weg hin zu einem Kompromissversuch zwischen den beiden Gesetzesentwürfen des Senats und des Repräsentantenhauses frei zu machen. Eine Abstimmung wird wenn möglich schon für Donnerstag angestrebt. Doch auch dieser Zeitplan droht schon wieder zu scheitern, sollte der Entwurf heute nicht vom Haushaltsausschuss für den gesamten Senat freigegeben werden, was zwei republikanische Ausschussmitglieder angedroht haben. Die Hoffnung auf Steuersenkungen und eine damit einhergehende zusätzliche Belebung der Wirtschaft ist ein entscheidender Strohhalm, an den sich USD-Bullen derzeit klammern. Droht ein Scheitern, kann es dementsprechend ungemütlich für den US Dollar werden.

Bank of Japan wird sich treu bleiben

Spekulationen, dass die Bank of Japan schon bald in Richtung einer weniger expansiven Geldpolitik schwenken könnte, entbehren unserer Meinung nach jeder rationalen Grundlage, und rechtfertigen unserer Meinung nach keine nachhaltige JPY-Aufwertung. So viel hat Ihnen meine Kollegin gestern schon gesagt. Doch natürlich müssen auch wir eingestehen, dass die BoJ nicht ganz unschuldig an entsprechenden Spekulationen ist. Auch heute hat BoJ Gouverneur Haruhiko Kuroda vor dem japanischen Parlament wieder auf die Reversal Interest Rate-Theorie verwiesen. Grob gesagt warnt diese, dass eine lockere Geldpolitik ab einem bestimmten Punkt restriktiv wirken kann, sobald nämlich die Kreditvergabe der Banken aufgrund zu niedriger Zinsspannen eingeschränkt wird. Zwar betont Kuroda, dass die japanische Geldpolitik nicht an diesem Punkt sei. Doch natürlich schießt sich die BoJ mal wieder selbst ins Knie, indem sie diese Theorie derart prominent erläutert. Warnungen vor Risiken und Grenzen expansiver Geldpolitik sind natürlich kontraproduktiv, wenn man den Markt überzeugen möchte, dass man an einer lockeren Geldpolitik festhalten wird, bis die Inflation das gesetzte Ziel sogar überschießt.

Bank of Japan ist leider kein unbeschriebenes Blatt

Leider ist die BoJ kein unbeschriebenes Blatt, wenn es darum geht, sich selbst das Leben schwer zu machen. Da wir die aktuelle Geldpolitik der Zinskurvenkontrolle gegenwärtig für nachhaltig halten, glauben wir, dass die BoJ auf absehbare Zeit am Status Quo festhalten kann. Damit sind Impulse von Seiten der Geldpolitik unserer Meinung nach vorerst unwahrscheinlich und die JPY-Wechselkurse passiv globalen Kräften ausgesetzt. Da sowohl der USD aufgrund weiterer Fed-Zinserhöhungen als auch der EUR aufgrund des guten Konjunkturumfeldes (wie der heutige OECD Ausblick belegen wird) aufwerten dürften, spricht das für einen tendenziell schwächeren Yen. Das heißt natürlich nicht, dass ein stärkerer Yen grundsätzlich ausgeschlossen ist. Daran erinnern uns die aktuellen Befürchtungen, dass Nordkorea einen erneuten Raketentest vorbereitet. Da die Wahrscheinlichkeit einer Eskalation im Nordkorea-Konflikt jedoch eher abgenommen hat, dürften auch JPY-Gewinne im Zuge einer wiederaufflammenden höheren Risikoaversion vorübergehend sein.
 
Erhalten von der Commerzbank am 28.11.2017 um 09:56 Uhr
Veröffentlicht durch die Börse Stuttgart am 28.11.2017 um 10:23 Uhr