Nachrichten

Gastbeitrag Commerzbank Research · 30.11.2017 15:00 Uhr

Das lange Warten hat ein Ende

Ölfeld mit Förderanlagen
Quelle: Dmitry Pichugin / Shutterstock.com
Beitrag teilen
In diesem Gastbeitrag geht es um das OPEC-Treffen in Wien und die möglichen Auswirkungen auf den Ölhandel. Außerdem gibt es eine Einschätzung zur Entwicklung bei Gold und Silber sowie Industriemetallen.

- Gastautor: Eugen Weinberg, Commerzbank AG, Leiter Rohstoffanalyse, CM Research -

Energie

Die Ölpreise gaben gestern Abend zwischenzeitlich deutlich nach, erholten sich aber schnell und schlossen mit ca. 1% im Minus. Brent handelt am Morgen bei 63,5 USD je Barrel, WTI bei 57,5 USD je Barrel. Die US-Rohöllagerbestände sind in der letzten Woche um 3,4 Mio. Barrel gefallen. Dies war in erster Linie auf die geschlossene Keystone-Pipeline zurückzuführen. Aus diesem Grund fielen die Rohölimporte im Mittleren Westen und die Rohölvorräte in Cushing deutlich. Zudem stieg die wöchentliche US-Rohölproduktion auf ein neues Rekordniveau von fast 9,7 Mio. Barrel pro Tag.
Heute trifft sich die OPEC zu ihrer lange erwarteten Sitzung in Wien. Gut informierten Quellen zufolge haben sich die Vertreter der OPEC und der an den Kürzungen beteiligten Nicht-OPEC-Länder darauf verständigt, die Kürzungen um weitere neun Monate bis Ende 2018 zu verlängern. Offen ist allerdings, ob die Verlängerung eine Klausel enthalten wird, die Kürzungen bei der darauffolgenden Sitzung zu überprüfen und gegebenenfalls früher auslaufen zu lassen.
Am Tag der letzten OPEC-Sitzung Ende Mai war der Ölpreis um 5% gefallen, obwohl die OPEC die Förderkürzungen wie erwartet um neun Monate verlängert hatte. In den drei Wochen nach der OPEC-Sitzung summierten sich die Verluste sogar auf knapp 20%. Eine ähnliche Preisreaktion ist auch diesmal vorstellbar. Denn die spekulativen Finanzanleger haben ihre Netto-Long-Positionen im Vorfeld der OPEC-Sitzung in Erwartung einer Verlängerung der Produktionskürzungen auf ein Rekordniveau ausgeweitet. Gewinnmitnahmen nach der OPEC-Entscheidung sind daher wahrscheinlich.

Edelmetalle

Gold kam gestern Nachmittag merklich unter Druck und ist auf gut 1.280 USD je Feinunze gefallen, nachdem in den USA das Wirtschaftswachstum für das dritte Quartal nach oben revidiert wurde.
Handelskreise berichten, dass der Rutsch von etwa 10 USD abermals mit einem sehr hohen Handelsvolumen einherging. Zudem ist die Rendite 10-jähriger US-Staatsanleihen gestern deutlich gestiegen, was Gold als Anlagealternative unattraktiver macht. Dass sich Gold heute Morgen nicht erholt, liegt auch an der Anhörung von der noch amtierenden Fed-Vorsitzenden Janet Yellen vor einem Ausschuss des US-Kongresses und der Abstimmung über die Steuerreform im Senat. Yellen hatte sich optimistisch zur weiteren Entwicklung der US-Wirtschaft geäußert und gesagt, dass dies weitere Zinserhöhungen rechtfertige.
Im Senat wird wahrscheinlich diese Woche noch über den Gesetzentwurf zur Steuerreform abgestimmt. Anders als beim Versuch zur Abschaffung von „Obamacare“ könnten die Republikaner diesmal in den eigenen Reihen einen Kompromiss finden. Derzeit sind allerdings noch einige Punkte offen.
Während Gold gestern um 0,8% gefallen ist, hat Silber mit -1,9% überproportional verloren. Es ist auf ein 8-Wochentief von 16,5 USD je Feinunze gefallen. Das Gold/Silber-Verhältnis ist daraufhin auf fast 78 und damit den höchsten Stand seit Juli gestiegen. Die Preisschwäche von Silber ist für uns nicht nachvollziehbar, da die beiden größten Nachfragekomponenten – industrielle Anwendungen und Schmuck – in diesem Jahr Zuwächse verzeichnen.

Industriemetalle

Der offizielle Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe in China ist im November entgegen den Erwartungen auf 51,8 gestiegen. Die Metallpreise sind heute Morgen dennoch im Minus, da die asiatischen Aktienmärkte zumeist fallen, was eine höhere Risikoaversion der Marktteilnehmer ausdrückt.
Aluminium fällt weiter auf 2.040 USD je Tonne, nachdem es gestern der größte Verlierer unter den Industriemetallen war. Es mehren sich die Zeichen, dass die chinesischen Aluminiumhersteller ihre Produktion während der Wintermonate nicht so stark kürzen, wie von der Regierung in Peking angeordnet.
Unterdessen bereitet der US-Aluminiumhersteller Alcoa offenbar unter Hochdruck das Wiederanfahren von Teilen seiner stillgelegten Warrick-Schmelzanlage im US-Bundesstaat Indiana vor. Die Aluminiumproduktion sollte dort laut Unternehmensangaben im zweiten Quartal 2018 wieder gestartet werden. Anfang der Woche berichtete jedoch der Vorsitzende der zuständigen Gewerkschaft, dass die Anlage schon Ende Dezember/Anfang Januar wieder in Betrieb genommen werden könnte. Alcoa plant, mit der Schmelze gut 160 Tsd. Tonnen Aluminium pro Jahr zu produzieren. Die Anlage wurde im Frühjahr 2016 aufgrund des damaligen schwachen Marktumfeldes mit niedrigen Aluminiumpreisen stillgelegt.
Auch in Australien soll im nächsten Jahr wieder deutlich mehr Aluminium hergestellt werden. Und längerfristig soll auch in anderen Ländern wie zum Beispiel Bahrain und Russland die Produktion ausgeweitet werden.
 
Erhalten von der Commerzbank am 30.11.2017, um 14:05 Uhr. Veröffentlicht durch die Börse Stuttgart am 30.11.2017 um 15:00 Uhr.