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nach Xarelto Niederlage · 06.12.2017 09:15 Uhr

Bayer wehrt sich gegen Millionen-Zahlung in USA

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Raihana Asral / Shutterstock.com
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Das Schlaganfall Medikament Xarelto ist der Kassenschlager von Bayer. Umsatzpotenzial von bis zu 5 Milliarden Euro. Allerdings mit erheblichen Nebenwirkungen. Eine Patientin in den USA soll dafür entschädigt werden. Ein Damoklesschwert!

Andreas Groß, Börse Stuttgart TV Nachrichtenredaktion
Thrombose - Embolie - Schlaganfall - Herzinfarkt. Auch dem medizinischen Laien sind diese Begriffe mittlerweile recht geläufig. Das menschliche Blut hat die Eigenschaft, zu gerinnen und zu verklumpen. Das ist hilfreich bei Verletzungen, denn dadurch verschließen sich Wunden von alleine. Allerdings kann das Blut auch ungewollt verklumpen. Spontan, nach Operationen, beim langen Sitzen auf Flug-Fernreisen oder auch Rauchen und mangelhafte Ernährung wird als Risikofaktor genannt.
Begeben sich diese Blutklumpen dann auf “Reise” (Embolie) können sie auch größere und damit lebenswichtige Blutgefäße verstopfen. Die Folgen sind z.B. Schlaganfall oder Herzinfarkt.

Xarelto - Segen und Fluch zugleich

Medikamente, die die Gerinnungsfähigkeit des Blutes herabsetzen, werden vorbeugend bei entsprechenden Risikopatienten verabreicht. Also Menschen, die zu Thrombosen neigen, Patienten nach Schlaganfall oder nach Operationen.
Xarelto, mit dem Wirkstoff Rivaroxaban, ist eines der angesagtesten Medikamente weltweit aus dieser Klasse, und damit der Umsatzbringer schlechthin für Bayer. Die Wirksamkeit ist in wissenschaftlichen Studien nachgewiesen und unstrittig. Allerdings auch die gesundheitlichen Risiken.
Mit der steigenden Zahl von Patienten, die mit Xarelto behandelt werden, steigt auch die Zahl der Problemfälle. Allein in den USA ist die Zahl der Klagen wegen Gesundheitsschäden und Todesfällen sprunghaft angestiegen und geht in die zehntausende.

Klagewelle: Der Wind dreht sich

Bislang gingen alle Fälle vor Gericht positiv aus - für Bayer.
Aus Sicht von Bayer wurde die Sicherheit und Wirksamkeit des Kassenschlagers im Praxisalltag mit weltweit etwa 31 Millionen behandelten Patienten in über 130 Ländern bestätigt. Darüber hinaus wiesen die von den zuständigen Regulierungsbehörden freigegebenen Produktinformationen ausführlich und angemessen auf mögliche Risiken hin, erklärte der Konzern. Jurys in vorausgegangenen Verfahren hätten die dort geltend gemachten Forderungen vollumfänglich abgewiesen.
Nun hat erstmals eine Jury in den USA die Sachlage anders beurteilt und entsprechend anders geurteilt. Einer Patientin wurde ein Schadensersatz von insgesamt 28 Millionen Dollar zugesprochen.

Kosten in Milliardenhöhe drohen

Bayer will sich gegen das Urteil wehren und ist vom positiven Nutzen-Risikoprofil seines Gerinnungshemmers Xarelto überzeugt. Die Situation ist brenzlig und kann durchaus als Damokles-Schwert bezeichnet werden. Denn folgen weitere Jurys der Argumentation der zahlreichen (Sammel)kläger, könnten Milliardenkosten für Schadensersatz auf Bayer zukommen.
Wie teuer es werden kann, zeigt der Rechtsstreit um die Antibabypille Yasmin/Yaz. Hier hat Bayer inzwischen mit mehr als 10.000 betroffenen Frauen Vergleichszahlungen in Höhe von mehr als 2,1 Milliarden US-Dollar (1,9 Mrd Euro) vereinbart.
Der Pharmakonzern Boehringer Ingelheim zahlte 2014 650 Millionen US-Dollar, um einen jahrelangen Rechtsstreit wegen tausender Klagen gegen seinen Gerinnungshemmer Pradaxa zu vermeiden.

Bayer Aktie verliert

Bayer Aktien geben deutlich nach und sind mit einem Abschlag von über zwei Prozent schwächster Wert im Dax.