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Wirtschaftskrimi um Möbelgigant · 06.12.2017 11:00 Uhr

Steinhoff-Aktien im freien Fall - Chef muss gehen

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Markus Wissmann / shutterstock.com
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Der Möbelhändler Steinhoff wird gehandelt als die Nummer Zwei hinter Platzhirsch IKEA. Seit Monaten halten sich Gerüchte um Bilanzfälschung und Insiderhandel. Am Abend musste der Chef gehen und die Anleger fliehen in Scharen aus der Aktie.

Andreas Groß, Börse Stuttgart TV Nachrichtenredaktion
Der Börsengang Ende 2015 war schon ein Trauerspiel - trotzdem schaffte es die Steinhoff Aktie später  in den MDax. Vorstandschef Markus Jooste glänzte durch Abwesenheit.
Wegen angeblicher Nackenschmerzen konnte er nicht von der Zentrale in Kapstadt nach Frankfurt reisen.
So war es an Firmengründer Bruno Steinhoff, die Börsenglocke zum symbolischen Handelsstart zu läuten.

Vorwürfe der Bilanzfälschung

Es waren wohl weniger Nackenschmerzen als vielmehr Kopfschmerzen, die den CEO an der Reise hinderten: nur wenige Tage vor dem Börsengang in Frankfurt, und dem Zweitlisting in Johannesburg, war die Europazentrale des Mobel Konzerns in Westerstede von der Staatsanwaltschaft Oldenburg durchsucht worden.
Nach Angaben der Behörde bestand damals schon der Verdacht, dass überhöhte Umsatzerlöse in die Bilanzen konzernzugehöriger Gesellschaften eingeflossen sind. Dadurch könnte der Bilanzwert des Konzerns zu hoch dargestellt worden sein. Es gehe bei mehreren Transaktionen jeweils um dreistellige Millionenbeträge.
Immer wieder tauchten diese und weitere Vorwürfe (Urkundenfälschung) auf. Immer wieder hat Steinhoff dementiert.

Aktienkurs Trauerspiel

Der Aktienkurs des Möbelgiganten (in Deutschland bekannt als die Mutter der Poco Möbelmärkte mit Werbefigur Daniela Katzenberger) ist relativ unspektakulär: Erster Kurs 5 Euro, einen Monat nach dem Börsengang dümpelte die Aktie schon deutlich unter vier Euro.
Im Zuge der Aufnahme in den MDax berappelte sich die Aktie zunächst bis 5,80 und nach einem Rücksetzer ging es Mitte August auf das Hoch bei 6,14.
Seitdem verliert die Aktie kontinuierlich.

Jetzt also der große Knall

Erst die Berichte über Unregelmäßigkeiten in der Bilanz, dann eine Untersuchung der südafrikanischen Finanzaufsicht wegen Insiderhandels - und nun auch noch der Rücktritt des Chefs.
Als Grund nannte Steinhoff neue Informationen über Unregelmäßigkeiten. Die Prüfgesellschaft PWC soll nun eine unabhängige Untersuchung durchführen.
Außerdem hatte die südafrikanische Finanzaufsicht gestern (Dienstag) bekanntgegeben, dass sie mögliche Fälle von Insiderhandel mit Aktien verschiedener Unternehmen prüft, darunter die von Steinhoff.

Aktie stürzt ins Bodenlose

Die für heute (Mittwoch) geplante Bilanzvorlage (zunächst ungeprüft) des Konzerns wurde auf unbestimmte Zeit verschoben. Steinhoff will die geprüften Zahlen veröffentlichen, sobald man dazu in der Lage ist. Dabei geht es auch um die Frage, ob die Zahlen für Vorjahre angepasst werden müssten.
Im Klartext heißt das: Die Bilanzen der Vergangenheit sind möglicherweise das Papier nicht wert, auf dem sie geschrieben sind. Umsatz und Ergebnis möglicherweise durch Luftbuchungen verfälscht.
Ohnehin sind die Zahlen äußerst schwach: In den ersten sechs Monaten des laufenden Geschäftsjahres hat sich die Finanzlage des Unternehmens zunehmend verschlechtert. Die operative Gewinnmarge fiel von 11,6 auf 8,8 Prozent. Die Nettoverschuldung stieg von 2,9 auf 6,5 Milliarden Euro.
Inwieweit die Zahlen “geschönt” sind, ist Gegenstand der Untersuchungen.
Die Aktie reagierte mit einem Kurssturz auf die Nachrichten. An der Börse in Johannesburg verlor das Papier am heute Morgen 62 Prozent. In Deutschland ging es zur Börseneröffnung um knapp 60 Prozent abwärts. Bereits in den vergangenen Tagen war der Aktienkurs stark gesunken.