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Traderfox – Kolumne · 13.12.2017 08:34 Uhr

Der umtriebige Medienzar

Logo von Liberty Media
Quelle: Casimiro PT / Shutterstock
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Das Internet- und Medienkonglomerat Liberty Media lud zum Investorentag nach New York ein. Ich war dabei, als Gründer John Malone seine Strategie erläuterte. Der Milliardär wird von der Wall Street verehrt wie kaum ein anderer.

- verfasst von Tim Schäfer -
Er wird zuweilen mit Warren Buffett verglichen, weil seine Holding im langen Schnitt um rund 20 % jährlich zulegt.
Die Tochtergesellschaften präsentierten jedenfalls wie jedes Jahr an Ständen. Es war wie auf einer Messe. Der TV-Shoppingkanal QVC stellte seine Kassenschlager aus: Cremes, Parfüm, Kleidung. Vor allem Frauen zwischen 30 bis 60 Jahre kaufen hier ein. Der zugekaufte Konkurrent Home Shopping Network, kurz HSN, warb ebenfalls an einem Stand. Im Juli hatte Malone für 2,1 Mrd. USD HSN gekauft.

Malone wartet, bevor er einen Deal einfädelt

Die Formel 1, die Malone für 5,7 Mrd. USD von Bernie Ecclestone erwarb, stellte ein Rennfahrzeug aus. Das Reiseportal TripAdvisor demonstrierte, wie Nutzer per Applikation die passenden Hotels finden. Das Bezahl-Radio SiriusXM zeigte, wie Autofahrer ihre Lieblingskanäle einstellen.
Der 76-jährige Geschäftsmann ist ausgebufft. Er wartet geduldig ab, bevor er einen Deal einfädelt. Am liebsten schlägt er zu, wenn gerade eine Gewinnwarnung das Objekt seiner Begierde in den Keller geschickt hat. Ins Visier nimmt er Konzerne, die in Schwierigkeiten stecken. Seine Spezialität ist die Sanierung. Er streicht Kosten, investiert in neue Produkte. Er fusioniert und profitiert von Synergien samt Steuervorteilen.
Malones Dachgesellschaft heißt Liberty Media Corp. Es gehören weitere börsennotierte Unternehmen dazu. Es ist ziemlich unübersichtlich geworden. Daher gehe ich auf ein paar Favoriten von mir ein.

Gewinnmaschine SiriusXM

Das Bezahl-Radio SiriusXM ist eine Gewinnmaschine. Das war aber nicht immer so. Anfang 2007 machte sich Malone für eine Fusion beider konkurrierenden Satellitenradios Sirius und XM stark. Beide standen kurz vor der Insolvenz. Nach langem Ringen gab Washington schließlich grünes Licht für die Fusion. Im Tief dümpelte die Aktie bei 0,08 USD. Mittlerweile schoss der Kurs auf 5,43 USD.
Der einstige Sanierungsfall verdiente im vorigen Jahr 746 Mio. USD netto. Zwischen Juli und September erreichte der Profit schon 275 Mio. USD. Der freie Cashflow sprudelt wie verrückt. Mit dem Geld kauft Sirius-XM-Chef Jim Meyer eigene Aktien zurück und zahlt neuerdings Dividenden aus. Aufgrund hoher Verlustvorträge ist die Steuerlast gering. SiriusXM hat 32 Mio. Abonnenten.

Größter Radiosender der Welt

Es ist der größte Radiosender der Welt geworden - gemessen am Umsatz. In nahezu allen Premium-Autos, die auf den US-Markt kommen, ist das Bezahlradio vorinstalliert. Das reicht aber Malone nicht. Er beteiligte sich im Juni mit 480 Mio. USD am börsennotierten Internet-Radio Pandora, das aufgrund hoher Verluste zu kämpfen hat. Vielleicht läuft es auf eine Fusion zwischen Pandora und SiriusXM hinaus?
Analysten finden, Sirius XM ist einen Blick wert, obgleich die Aktie schon prächtig bewertet wird. Der Börsenwert beläuft sich auf 24,9 Mrd. USD. Ich glaube trotzdem, dass es noch ein gutes Investment ist. Meyer kauft wie ein Weltmeister die SiriusXM-Aktien zurück. Er würde das kaum tun, wenn er nicht vom Ausblick überzeugt wäre. Das Auto wird immer vernetzter. Und SiriusXM wird für das Entertainment-Angebot im Auto zuständig sein. Es arbeitet schon heute mit allen führenden Autoherstellern in den USA zusammen. Die Zusammenarbeit wird sich in den kommenden Quartalen noch intensivieren, denke ich. Jedenfalls machte Meyer Andeutungen.

Live Nation im Höhenflug

Der Konzertveranstalter und Ticketvermarkter Live Nation befindet sich im Höhenflug. Aktueller Kurs 45,50 USD. Seit 2005 steigt der Umsatz. 2017 soll ein weiteres Rekordjahr werden. Analysten rechnen mit knapp 10 Mrd. USD Umsatz. Stars sind auf Konzerte wie nie zuvor angewiesen. Malone weiß, dass Promis wie Taylor Swift oder Justin Bieber den Löwenanteil ihres Einkommens mit Konzerten verdienen. Davon profitiert Live Nation als Marktführer. „Junge Menschen schätzen Live-Events. Das sind magische Momente für sie. Sie lieben Festivals“, schwärmte Live-Nation-Chef Michael Rapino. Live Nation wird mit dem 1-fachen Umsatz taxiert, was nicht teuer ist.
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