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Traderfox – Kolumne · 18.12.2017 08:03 Uhr

Wacker Chemie: Pionier im Bereich Energiespeichertechnik!

Energiespeicher
Quelle: petrmalinak / Shutterstock
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Neue leistungsfähige Energiespeicher könnten bei Wacker Chemie bald zu einem neuen milliardenschweren Geschäftsfeld avancieren. Bei der Entwicklung von Silizium-basierten Lithium-Ionen-Batterien zeichnet sich ein Durchbruch ab.

-verfasst von Martin Springmann-
Neue leistungsfähige Energiespeicher könnten bei Wacker Chemie bald zu einem neuen milliardenschweren Geschäftsfeld avancieren. Denn bei der Entwicklung von Silizium-basierten Lithium-Ionen-Batterien zeichnet sich nach jahrelanger Forschungstätigkeit nun ein Durchbruch ab. Auch sonst verfügt man dank der Halbleitertochter Siltronic und der sich abzeichnenden Belebung bei Polysilizium und bei Bauchemikalien über glänzende Perspektiven im operativen Geschäft. Technisch ist die Aktie ebenfalls ein Bulle und steht vor dem Ausbruch auf ein neues Allzeithoch.
Strategisch weitsichtige Planung und ein gutes Gespür für chancenreiche Zukunftstrends und neue aussichtsreiche Geschäftsfelder – das ist das Erfolgsrezept des Münchener Traditions-Konzerns Wacker Chemie. Unter der Ägide der Gründerfamilie Wacker, die mehr als 50 % der Anteile hält, mauserte sich der Konzern seit seiner Gründung im Jahr 1914 zu einem der erfolgreichsten Spezialchemie- und Performance-Material-Unternehmen in Europa. Mit dem Produktmix aus Performance-Materialien für die Bauindustrie, der Wafer-Tochter Siltronic und der Fokussierung auf High-Performance-Materialien wie Polysilizium mit denen man in den vergangenen Jahren zu einem der wichtigsten Zulieferer für die internationale Solarindustrie avancierte, bedient Wacker Chemie bereits drei chancenreiche Wachstumsfelder. Bald könnte man auch im Zukunftsmarkt für Elektromobilität ganz vorne mitmischen. Denn bei der Entwicklung einer neuen Energiespeicherlösung, die über eine deutlich höhere Ladekapazität als herkömmliche Akkus verfügt, scheint man unmittelbar vor dem Durchbruch zu stehen. Die Aktie des Familienunternehmens ist damit alles andere als langweilig und bietet auf dem aktuellen Niveau eine der interessantesten Storys aus der Chemie- und Technologiebranche, zumal die Aktie derzeit zu den trendstärksten Werten im MDAX gehört und vor dem Ausbruch auf ein neues Allzeithoch steht!

Revolution in der Batterietechnologie

Der geplante Paradigmenwechsel in der Antriebstechnik scheint beschlossene Sache. Anstelle von Verbrennungsmotoren werden nach dem Willen von Umweltexperten und Politikern aller Couleur in den kommenden Jahrzehnten Pkw mit emissionsfreien und umweltfreundlichen Elektromotoren das Straßenbild bestimmen. Bis 2035 dürften laut einer Studie der Experten von JP Morgan weltweit mehr als 140 Millionen Elektro- und Hybrid-betriebene Autos unterwegs sein. Bis dahin müssen jedoch zahlreiche Hindernisse überwunden werden, denn ein flächendeckender Rollout der Elektromobilität stößt nicht nur aufgrund der noch unzureichend ausgebauten Ladestations-Infrastruktur an seine Grenzen. Derzeit bleibt die geringe Reichweite herkömmlicher Lithium-Ionen-Batterien das Hauptmanko im Zukunftsmarkt Elektromobilität. Herstellerangaben zufolge reicht eine Batterieladung bislang für eine Entfernung von 300 bis 400 km, wobei diese Angaben bei einer höheren Durchschnitts-Geschwindigkeit stark variieren können. Daher sind leistungsfähige, neue Batterien und Akkus gefragt, die eine deutlich höhere Energie-Speicherkapazität aufweisen. Hier könnte sich Wacker Chemie als Protagonist erweisen. Denn die Münchener forschen seit Jahren an einer neuen Generation von Energiespeichern. Anstelle von Graphit als Anodenmaterial soll Silizium zum Einsatz kommen, aus physikalischer Sicht wäre Silizium hervorragend für diesen Zweck geeignet, zumal Silizium Lithium-Ionen besser als jedes andere Material speichern kann. Damit ließe sich laut Wacker Chemie 20 bis 30 % mehr Energie speichern, als bei derzeit erhältlichen Akkus.

Anzeichen für Durchbruch mehren sich

Der Einsatz von Silizium in der Energiespeichertechnik ist angesichts der Materialbeschaffenheit mit großen Hindernissen verbunden. Silizium dehnt sich beim Ladevorgang um bis zu 400 % aus, was ein hohes Verschleiß-Risiko mit sich bringt. Auch lassen sich reine Silizium-Batterien nur begrenzt Wiederaufladen, was die Lebensdauer deutlich reduziert. Um diese komplexen Probleme zu lösen, arbeitet Wacker Chemie seit mehr als fünf Jahren an einer praktikablen Lösung, wobei man im Rahmen einer Kooperation mit der „Nationalen Plattform Elektromobilität“ mit anderen namhaften Anbietern aus der Automobilbranche und der Zuliefererindustrie zusammenarbeitet. Das F&E-Team forscht mit Hochdruck an passenden Silizium-Energiespeichern, die eine effiziente und nachhaltige Lösung bieten und sich für die Serienfertigung eignen. Zu konkreten Fortschritten hält man sich bedeckt. Silizium-Energiespeicher gelten als milliardenschwerer Zukunftsmarkt, wobei viele Wettbewerber wie der US-Mischkonzern 3M oder Batteriehersteller wie Enersys oder Toshiba hohe Summen in die Entwicklung investieren. Mittlerweile mehren sich die Anzeichen dafür, dass die jahrelangen Bemühungen Früchte tragen: Die Analysten der Berenberg Bank stellten Wacker Chemie nach Gesprächen mit dem Konzernmanagement als möglichen Profiteur heraus. Wacker Chemie hatte im Rahmen des kürzlich beendeten Capital Markets Day Silizium-basierte Anodenmaterialien für Lithium-Ionen als Wachstumsfeld herausgestellt und von bedeutenden Erfolgen bei der laufenden Entwicklung gesprochen. Auch seien Tests mit diesen neuen Anodenmaterialien, die man gemeinsam mit führenden Batterieherstellern durchgeführt habe, vielversprechend verlaufen. Erste Produkte will man bereits Ende 2018 bzw. Anfang 2019 auf den Markt bringen. Gelingt Wacker Chemie der entscheidende Durchbruch, winkt der Einstieg in einen absoluten Zukunftsmarkt. Denn neben Hochleistung-Speicherlösungen für Elektroautos wäre man auch in der Lage, leistungsfähigere Akkus für Notebooks oder Handys sowie für Energiespeicheranlagen für Erneuerbare Energien zu konzipieren, was die Nachfrage nach silizium-basiertem Anodenmaterial in den kommenden Jahren kräftig nach oben treiben sollte.
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