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Traderfox-Kolumne · 14.12.2017 08:09 Uhr

Unilever: Putzen, Waschen, Essen

Firmengebäude Unilever
Quelle: JPstock / Shutterstock
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Jeder Haushalt nutzt die Produkte des britisch-niederländischen Konsumgüter-Riesen. Ob Dove-Seife, Ben&Jerry-Eiscreme oder Hellmann’s-Mayonnaise, es handelt sich um einen der größten Marken-Anbieter der Welt.

-verfasst von Tim Schäfer-
Es dreht sich alles um Lebensmittel, Getränke, Putzmittel und Kosmetik. Die Börsenwaage zeigt 150 Mrd. USD an. In New York notiert das Papier zu 55,51 USD, in Frankfurt wird es mit rund 37 Euro gehandelt. Für die Aktie spricht die hohe Dividendenrendite von fast 3 %. In einem Niedrigzinsumfeld ist das ein schönes Zubrot, das sich konservative Anleger nicht entgehen lassen sollte. Zumal das Basisgeschäft stabil ist. Die Aktie eignet sich zum Kaufen und Liegenlassen.

Warren Buffett machte Angebot

Milliardeninvestor Warren Buffett und sein brasilianischer Geschäftspartner 3G haben im Februar versucht, Unilever zu schlucken. Sie boten 143 Mrd. USD. Doch lehnte Unilever-Lenker Paul Polman eine Übernahme ab. Warren Buffett und Jorge Paulo Leman zogen ihre Offerte innerhalb von 48 Stunden zurück. Abwickeln wollten die beiden Milliardäre den Deal eigentlich über Kraft-Heinz, der Lebensmittelkonzern gehört zum Großteil Buffett und 3G. Es kam zu keiner Einigung mit Unilever. Ein erneuter Übernahmeversuch gilt als unwahrscheinlich. Unilever sagte, der Preis sei nicht hoch genug gewesen.
Ein Zusammenschluss mit einem anderen Konzern ist möglich. Grundsätzlich dürfte dann eine Prämie auf den aktuellen Kurs drin sein. Selbst wenn kein Deal zustande kommt, ist Unilever eine Perle. Das KGV beläuft sich auf knapp 23 (2017). Unilever punktet mit seinem starken Marken-Sortiment: Magnum-Eiscreme, Axe Deo, Sunsilk-Shampoo, Omo-Waschmittel, Ajax-Scheuermittel, Lipton-Tee, Knorr-Suppenwürze und vieles mehr. Der Umsatz teilte sich lange Zeit grob 50:50 zwischen Lebensmitteln und Haushaltsgütern auf. Doch verschiebt sich das Verhältnis zugunsten der Haushaltsgüter (Anteil 58 % vom Umsatz), weil hier mehr Geld zu verdienen ist.

Zukunftsweisende Zukäufe

Polman möchte die Rendite für die Aktionäre erhöhen. Er will die Kosten in schwachmargigen Bereichen kürzen. In den kommenden 3 Jahren sollen 1 Mrd. Euro an Kosten wegfallen. Außerdem denkt er darüber nach, mehr Kredite für Übernahmen in Anspruch zu nehmen. Seine Zukäufe „Dollar Shave Club“ und „Dermalogica“ sind zukunftsweisend. Bislang sind die Auswirkungen auf die Erfolgsrechnung aber eher minimal.
Polman braucht eine große Transaktion, um die Nadel zu bewegen. Das ist sein Dilemma. Einerseits macht er sich Sorgen, zu viel für einen Konkurrenten zu bezahlen. Andererseits hat er Bedenken, sich einen Problemfall zu angeln. Polman könnte durchaus bedeutende Transaktionen stemmen.
Die Verschuldung ist moderat. Die Nettoschuldenlast zum EBITDA möchte der Manager von 1,2 auf 2,5 hochfahren. (In der Branche ist nur der französische Kosmetikriese L’Oreal frei von jeglichen Schulden). Die Rivalen Kraft-Heinz und Mondelez sind mit jeweils rund dem 4-fachen des EBITDA (Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen) verschuldet. Polman denkt intensiver über Aktienrückkäufe nach, lange Zeit wehrte er sich dagegen. Er hat schon für Milliardensummen eigene Aktien erworben.
Möglich ist eine Sonderdividende, um die Anteilseigner bei Laune zu halten. Die verpackten Lebensmittel wachsen zwar nicht mehr so stark – seit Verbraucher lieber Frisches und Gesundes verspeisen. Doch dank der Cremes und Waschmittel kann der Titan die Schwäche im Lebensmittelsegment ausgleichen.

Durchwachsene 9-Monatszahlen

Die Neun-Monats-Zahlen waren durchwachsen. Grundsätzlich spürt der Riese einen erhöhten Wettbewerbsdruck. Es kamen die Wirbelstürme in den USA und der Karibik hinzu, die den Absatz belastet haben. Hart getroffen wurden Texas und Florida. Ebenfalls kein Zuckerschlecken war das Erdbeben in Mexiko. In einigen Teilen der Welt sehen aber die Briten eine anziehende Nachfrage. Das 4. Quartal dürfte besser werden.
Zuletzt waren die USA und Europa ziemlich schwach. Unilever verlor Marktanteile – beispielsweise bei Eiscreme in Europa. Regionale Lebensmittelanbieter sind neuerdings beliebt bei den Konsumenten. Sie genießen einen Vertrauensvorschuss gegenüber den Mega-Marken. Das schadet Unilever. So gewann die konkurrierende Eismarke „Halo Top“ Marktanteile, sie punktet mit wenig Kalorien. Halo Top gibt es in den USA, Australien und Singapore, die Eismarke geht weg wie warme Semmeln.
Im 3. Quartal wuchs der Umsatz aus innerer Kraft um 2,6 %. Das ist weniger als im 2. Quartal, als der Umsatz um 3 % zulegte. Analysten hatten für das dritte Quartal laut Reuters mit einem organischen Plus von 3,9 % gerechnet. Somit war die Wall Street enttäuscht. Der Umsatz legte nur zu, weil die Führungsspitze die Preise erhöhte. Die Absatzvolumina stagnieren aber. Es mangelt einfach an der Nachfrage.
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