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Branche im Fokus · 02.01.2018 10:30 Uhr

Rabattschlacht belastet Autobauer

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Gut für Kunden - schlecht für Hersteller: Auf dem deutschen Automarkt entsteht nach Einschätzung des Experten Ferdinand Dudenhöffer eine Blase wegen der dauerhaft hohen Preisnachlässe.

von Andreas Groß, Börse Stuttgart TV Nachrichtenredaktion
Traumhafte 40 Prozent Rabatt bieten manche Hersteller den Kunden - sofern diese ihren alten Diesel gegen neue Fahrzeuge eintauschen. Nachzulesen ist das bei Professor Dudenhöffer, dem  Direktor des Center Automotive Research (CAR) der Universität Duisburg-Essen in der jüngsten Ausgabe seiner regelmäßigen Rabattstudie.

Katzenjammer droht

Wenn diese Rabattwelle vorbei ist, wird es schwer werden, neue Autos zu verkaufen, warnte Dudenhöffer die Industrie. In einem gesättigten Markt wie Deutschland erzeugten hohe Rabatte keine zusätzliche Nachfrage. Im besten Fall lediglich Vorzieheffekte. Die Auswirkungen wird die Industrie im Laufe des Jahres zu spüren bekommen.
Nach Marktbeobachtungen des Instituts werden einzelne Modelle wie beispielsweise der Ford Focus mit einem offen beworbenen "Umweltbonus" von mehr als 40 Prozent in den Markt gedrückt, wenn dafür ein älteres Dieselfahrzeug eingetauscht wird. Dazu kamen auch im Dezember zahlreiche taktische Tageszulassungen sowie die Rabatte bei Internet-Händlern.

Umweltpolitische Nullnummer

Das Argument, dass durch den Umtausch von Diesel Fahrzeugen in neuere Modelle die befürchteten Fahrverbote umgangen werden können, sticht nicht, so Dudenhöffer.
Das CAR geht davon aus, dass bis zu 1,15 Millionen Autos eingetauscht und aus dem Verkehr gezogen werden könnten, gut 6 Prozent des Diesel-Bestandes.
Ihnen stehen aber schon 1,3 Millionen neu zugelassene Diesel-Fahrzeuge entgegen, die trotz Euro 6-Norm mehrheitlich hohe Mengen Stickoxide ausstoßen. Die Diesel-Prämien blieben daher "Verkaufsförderaktionen mit einem wenig messbaren Nebeneffekt"

auch Zulieferer müssen umdenken

Der Wandel in der Automobilindustrie wird auch viele Zulieferer dazu veranlassen, ihr Geschäftsmodell umzustellen - weg von der Harware, hin zur Software.
Trends wie E-Mobilität, autonomes Fahren und Carsharing erforden ein konsequentes Umdenken und Handeln.
experten gehen davon aus, dass bis 2025 etwa jedes dritte neu zugelassene Auto in Europa ein Elektrofahrzeug sein wird, in China sogar fast jedes zweite.
Neue Mobilitätskonzepte wie das Carsharing dürften zudem 10 bis 15 Prozent des gesamten Pkw-Absatzes ausmachen.
Zulieferer müssen sich noch schnellerer an den technischen Fortschritt anpassen. Anbieter standardisierter Komponenten werden es schwer haben.
Der Umbruch in der Branche ist teuer - zumal sowohl in alte Technik als auch in neue Technik investiert werden muss.Für viele Zulieferer ein Ritt auf der finanziellen Rasierklinge.
Die Unternehmen müssten sich nun überlegen, mit welchem Mix aus Neu und Alt sie weiter wachsen könnten, mit welchen Partnern sie sich zusammentun könnten - und aus welchen Segmenten sie unter Umständen komplett aussteigen müssten.

Verbrennungsmotoren Verlierer

Experten sind sich einig: Was mit Verbrennungsmotoren und konventionellen Getrieben zu tun hat, wird auf lange Sicht an Bedeutung verlieren.
Dagegen wird das Geschäft mit Sensoren und Batterietechnik deutlich zulegen.
Denkbar sei daher eine Strategie, die zunächst auf eine Konsolidierung des bestehenden Marktes abziele.
Darauf könne dann, solide finanziert, die Transformation aufbauen