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legalize it - oder auch nicht · 05.01.2018 09:30 Uhr

USA machen Rückzieher bei Marihuana

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shutterstock.com / Mitch M
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In den USA schreitet die Legalisierung von Marihuana voran. Es ist ein Milliardenmarkt, der den betreffenden Bundesstaaten hohe Steuereinnahmen einbringt. Doch nach dem Willen der neuen Regierung, soll damit schon wieder Schluss sein.

- Von Andreas Groß, Börse Stuttgart TV Nachrichtenredaktion - 05.01.2018 -
Was Jeff Sessions vom Kiffen hält, machte er bereits 2015 deutlich. "Gute Menschen rauchen kein Marihuana", sagte Donald Trumps heutiger Justizminister damals bei einer Kongressanhörung. Nun holt der konservative Hardliner zum Schlag gegen die voranschreitende Legalisierung aus.
Sessions wies US-Staatsanwälte an, das auf Bundesebene geltende Verbot der Droge künftig durchzusetzen, das den Anbau, Besitz und Handel der Droge verbietet. Sessions  bricht mit dem Kurs der Vorgänger-Regierung von Barack Obama, die den Bundesstaaten bei der Marihuana-Regulierung freie Hand ließ.
 

Cannabis-Boom Milliardengeschäft

Mit der Aktion platzt die Trump-Regierung mitten in einen riesigen Cannabis-Boom, der erst Anfang der Woche darin gipfelte, dass mit Kalifornien der bislang größte US-Markt komplett für Marihuana freigegeben wurde. Da sich mit der Legalisierung viel Steuergeld einnehmen lässt und es aus Washington bislang wenig Gegenwind gab, haben schon 29 US-Staaten Marihuana medizinisch oder ganz erlaubt.
Cannabis-Produkte sind in den USA längst ein Milliardengeschäft. Der klassische "Gras"-Verkauf ist inzwischen nur noch ein Teil davon.
Mittlerweile gibt es einen ganzen Gemischtwarenladen rund um Marihuana: von Marihuana-E-Zigaretten, Drinks oder Keksen über Pillen und Salben bis hin zu Beruhigungsmitteln oder Appetitanregern ist vielerorts alles ganz legal zu haben.
 

Cannabis Markt wächst

Bislang brummt das Umsatz. Der US Markt ist im Jahr  2017 um 33 Prozent auf fast zehn Milliarden Dollar gewachsen. Bis 2021 ist sogar ein Anstieg auf 24 Milliarden Dollar zu erwarten. Jetzt will die Trump-Regierung die florierende Branche stoppen.Viele Experten sagen, dass das kaum möglich sein wird.
Die Verbrauchernachfrage werde nicht nachlassen, da könne die Regierung tun, was sie wolle. Rechtlich gesehen, sei Sessions' Direktive nur eine zahnlose Richtlinie für Staatsanwälte.
 

Schmuddelimage macht das Leben schwer

Dennoch ist die Aktion aus Washington ein herber Dämpfer. Denn selbst wenn es wirklich zu keinen zusätzlichen Hürden kommen sollte - der Status quo ist für die junge Branche auch alles andere als ideal.
Denn das Bundesgesetz gegen Cannabis erschwert die Geschäfte in vieler Hinsicht. So machen etwa Banken, Versicherer und Finanzdienstleister deshalb einen Bogen um die Industrie.Für Unternehmer ist es deshalb nicht nur schwierig, an Kredite zu kommen. Häufig können sie für ihre Firmen nicht einmal Konten eröffnen.
Cash is King - nicht!
Dadurch ist der legale Marihuana-Handel ein vollständiges "Cash Business" - fast alle Geschäfte werden bar abgewickelt.
Das ist ein großer Nachteil, wie sich zuletzt bei Bränden im größten kalifornischen Anbaugebiet Emerald Triangle zeigte. Dabei gingen neben großen Teilen der Ernte auch unversicherte Bargeldbestände in Flammen auf.

Risiken und Nebenwirkungen

 
Die Aktien von Unternehmen aus dem Umfeld Cannabis haben offensichtlich zahlreiche Anhänger gefunden, die die Kurse zum Teil mehr als verdoppelt haben.
Zum Beispiel Advanced Cannabis, ein Unternehmen, das Räumlichkeiten und Anlagen an lizensierte Cannabis-Pflanzer vermietet. Oder Growlife, das Innenausstattungen für Pflanzer verkauft. Zu nennen sicher auch Medbox, einem Hersteller von Verkaufsautomaten für Medikamente.
Doch bevor Anleger hier glasige Augen  oder einen trockenen Mund bekommen, sei vor unerwünschten Nebenwirkungen gewarnt. Womöglich tummeln sich hier auch betrügerische Anbieter von Aktien im Zusammenhang mit Gras und verwandten Dienstleistungen.
Schwindler preisen die Aktien erst an und verkaufen sie dann im Rahmen eines so genannten „Pump-and-Dump‘‘-Betrugs, hieß es kürzlich. Firmen wurden nicht genannt.