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Rekordgewinn enttäuscht Investoren · 09.01.2018 08:58 Uhr

Das Samsung-Paradoxon

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Quelle: NothingIsEvereything/Shutterstock
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Waren die Erwartungen am Ende zu hoch? Samsung stellt seinen Investoren einen operativen Rekordgewinn in Aussicht und wird an der Börse trotzdem abgestraft. Wie kann das sein?

-von Thomas Zuleck, Börse Stuttgart News Redaktion-
 
Es sind eigentlich endlich mal wieder gute Nachrichten aus dem Hause Samsung. Nach eher turbulenten Zeiten scheint es, als hätten die Südkoreaner endlich wieder die Trendwende geschafft. Dabei ist es noch nicht allzu lange her, dass im Unternehmen von einer „beispiellosen Krise“ die Rede war. Zwischenzeitlich schien selbst diese Formulierung noch untertrieben. Immerhin war Samsung in einen Korruptionsskandal um die frühere Staatspräsidentin Park Geun Hye verstrickt. Der Erbe des Samsung-Imperiums und Vizevorsitzende der Elektroniktochter, Lee Jae Yong, verbüßt wegen versuchter Präsidenten-Bestechung und anderer Vergehen eine Haftstrafe. Zudem wurde der Konkurrenzdruck innerhalb der Branche in den vergangenen Jahren immer größer und setze vor allem den Platzhirsch gehörig unter Druck. Die Gewinne brachen teilweise empfindlich ein.

Die Margen stimmen wieder

Mittlerweile scheint Samsung die Trendwende jedoch geschafft zu haben. Die „beispiellose Krise“ scheint ausgestanden und der Konzern erwartet für das vierte Quartal 2017 einen operativen Gewinn in Höhe von 15,1 Billionen Won (ca. 11,8 Milliarden Euro). Das würde einer Steigerung von 64 Prozent gegenüber dem Vorjahr entsprechen und gleichzeitig einen neuen Rekord darstellen. Für das Gesamtjahr rechnet Samsung sogar mit einem Anstieg um 83,3 Prozent auf dann 53,6 Billionen Won. Der Umsatz dürfte, laut Samsung, im vergangenen Quartal um 23,8 Prozent auf 66 Billionen Won gestiegen sein. Für das Gesamtjahr rechnen die Südkoreaner mit einem Umsatzanstieg auf 239,6 Billionen Won, gegenüber 201,9 Billionen Won im Vorjahr. Stellt man die prozentualen Umsatz- und Gewinnanstiege gegenüber, so wird deutlich, dass Samsung vor allem die Margenentwicklung wieder deutlich besser im Griff hat.

Halbleitergeschäft wird zur "Cash-Cow"

Als wahre „Cash-Cow“ erwies sich für Samsung zuletzt das Halbleitergeschäft. Aufgrund einer starken Nachfrage nach Datenzentren und neuen Smartphones erzielte die Sparte den größten Gewinn. Doch allein auf das Halbleitergeschäft will man sich bei Samsung nicht verlassen. Neben Fernsehern und Smartphones wollen die Südkoreaner künftig auch stärker im „Smart-Home“ Geschäft mitmischen. Bereits im Frühjahr will Samsung das „Smartthing-Programm“ starten. Die Anwendungen soll es ermögliche unterschiedlichste Geräte miteinander zu vernetzen und aus einer Hand zu steuern. Zudem will Samsung im margenträchtigen Cloud-Geschäft stärker angreifen. So will man Kunden künftig Cloud-Lösungen bereitstellen.

"Sell on good news"?

Nach all den guten Nachrichten stellt sich umso mehr die Frage, weshalb die Samsung-Aktie nachbörslich ein wenig abgestraft wurde und in einer ersten Reaktion knapp ein Prozent verloren hat? Nun, die eigentlich guten Zahlen lagen noch immer ein wenig unterhalb der Erwartungen von Analysten. Diese hatten im Vorfeld mit einem Gewinn in Höhe von 15,9 Billionen Euro gerechnet. Doch das scheint nur ein Teil der Medaille. Viel schwerer dürfte da schon der Umstand wiegen, dass die Samsung-Aktie im vergangenen Jahr doch eine sehr starke Kursentwicklung vorzuweisen hatte. Auf Jahressicht konnte die Aktie (auf Eurobasis) um fast 50 Prozent zulegen. Insofern dürfte heute ein wenig der „Sell on good news - Effekt“ eine Rolle spielen. Einsetzende Gewinnmitnahmen sind vor diesem Hintergrund keine große Überraschung.
 
Erhalten von der Commerzbank am 08.01.2018 um 08:55 Uhr
Veröffentlicht durch die Börse Stuttgart am 08.01.2018 um 08:57 Uhr
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