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Interview mit Thomas Metzger · 09.01.2018 09:21 Uhr

Kapitalmarktausblick 2018

Die Ziffern 2018 auf einem Schreibblock
Quelle: Simon jhuan/Shutterstock
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Börse Stuttgart sprach mit Thomas Metzger über die Perspektiven der Kapitalmärkte im neuen Jahr. Wo gibt es aussichtsreiche Chancen? Wo lauern möglicherweise Risiken?

Börse Stuttgart: Herr Metzger, wie sind sie derzeit aufgestellt? Was sind für Sie die wichtigen Anlageklassen in 2018?
 
Vor dem Hintergrund immer noch niedriger Renditen und möglicher Risiken durch ein steigendes Zinsniveau, zählen die Anleihenmärkte derzeit nicht zu unseren Favoriten. Wir gehen davon aus, dass die amerikanische Notenbank Fed die Leitzinsen nach drei Zinsschritten im vergangenen, auch dieses Jahr mindestens zweimal erhöhen wird und rechnen auf mittelfristige Sicht auch bei Bundespapieren vor dem Hintergrund einer immer stärker werdenden Abkehr der EZB von ihrer restriktiven Politik mit einer Parallelverschiebung der Renditestrukturkurve nach oben. Dies dürfte vor allem länger laufende Anleihen belasten. Daher versuchen wir grundsätzlich im Bond-Segment die Duration, also die Restlaufzeit der Rentenpapiere, niedrig zu halten oder ganz auf alternative Asset Klassen auszuweichen. Gerade unter langfristigen, strategischen Aspekten sind für uns z.B. Aktien eine der interessantesten Anlagekategorien überhaupt. Meiner Meinung nach ist hier das Bewertungsniveau trotz der gestiegenen Märkte noch nicht ganz ausgereizt, allerdings nicht mehr billig. Viele Indizes haben aber vor dem Hintergrund der zu erwartenden Steigerung der Unternehmensgewinne sowohl in den USA als auch Europa durchaus noch Spielraum für Kursgewinne im oberen einstelligen Prozentbereich, was die nächsten 12 Monate betrifft. Für Aktien spricht zusätzlich neben fehlenden Anlagealternativen das, gerade im Vergleich zu den Mini-Renditen im Bond-Bereich, sehr attraktive Dividendenniveau, welches im DAX momentan bei deutlich über 2,5% p.a. liegt.
 
Börse Stuttgart: Welche Segmente sehen Sie hier als besonders aussichtsreich?
 
Vor allem europäische und deutsche Titel gefallen uns aufgrund des niedrigeren Bewertungsniveaus im Vergleich zu amerikanischen Dividendenwerten zumal das Gewinnwachstum der Unternehmen durch die tiefen Zinsen bzw. Refinanzierungskonditionen und einen moderaten Lohndruck recht stabil verlaufen dürfte. Grundsätzlich spricht aber einfach der sowohl dies- als auch jenseits des Atlantiks insgesamt gut laufende Konjunkturmotor für Aktien. Darüber hinaus gefällt uns mit Blick auf die Bewertungskennzahlen der, sowohl relativ zur eigenen Historie als auch zu anderen Regionen, japanische Markt. Auf Grund der sich vielerorts andeutenden Stabilisierung, verbesserter Außenhandelsbilanzen und Produktivität sowie optimistischen Einkaufsmanagerumfragen, haben wir in den letzten Monaten auch das Thema Emerging Markets als Ergänzung zu europäischen und US-Blue Chips weiter aufgestockt.
 
Börse Stuttgart: Welche Regionen zählen hier zu Ihren Favoriten?
 
Investiert sind wir hier unter anderem in Asien, das weiterhin einen starken Aufschwung erfährt. Bis 2050 könnte die Hälfte des globalen Wachstums der Weltwirtschaft auf asiatische Schwellenländer entfallen. Die wachsende Bevölkerung und der zunehmende Wohlstand dürften dabei den Binnenkonsum weiter antreiben. Die Region ist zudem unseres Erachtens fundamental im Vergleich zu früheren Aufschwüngen z.B. hinsichtlich der Verschuldung vieler Länder, besser aufgestellt.
 
Börse Stuttgart: Wo liegen mögliche Risiken für die Aktienmärkte?
 
Eine anziehende Inflation könnte die Notenbanken auf einen deutlich restriktiveren Pfad führen, als aus heutiger Sicht zu erwarten ist. Die daraus resultierenden möglicherweise höheren Zinsen stellen dann zum einen eine Konkurrenz für Aktien dar, drücken aber zum anderen auch auf die Unternehmensgewinne, sollten die Finanzierungskosten steigen. Insgesamt werden also auch in 2018 sowohl die Fed als auch die EZB im Focus der Anleger stehen. Des Weiteren sind geopolitische Risiken im Auge zu behalten. Donald Trump wird sicherlich die Märkte nach wie vor in Atem halten. Insgesamt rechne ich mit einer im Vergleich zu 2017 deutlich anziehenden Volatilität und durchaus auch temporären Rückschlägen, schon allein auf Grund einsetzender Gewinnmitnahmen nach den deutlichen Kursgewinnen der letzten Jahre.
 
Börse Stuttgart: Sehen wir auch in 2018 einen zum US-Dollar starken Euro?
 
In 2017 konnte die Gemeinschaftswährung vor allem von der unerwartet starken Konjunktur in Europa profitieren. Behalten wir mit unserer Meinung hinsichtlich der Zinsschritte der Fed allerdings recht, sollte dies den US-Dollar tendenziell stützen. Auch das Thema US-Steuerreform spricht für den Greenback. Allzu große Schwankungen erwarte ich aber zumindest für die ersten Monate des Jahres nicht.
 
 
 
Thomas Metzger (39) ist seit 10 Jahren  Head of Asset Management beim Stuttgarter Bankhaus Bauer. Bereits während seines Studiums war er im Wertpapierhandel und Aktien-Research sowie für mehrere Banken in den USA tätig. Zusätzlich doziert er an mehreren Hochschulen zu den Themengebieten Portfolio Management und derivative Finanzinstrumente. Bei einem breiten Publikum hat sich Metzger durch seine zahlreichen TV-Interviews, Fachbeiträge etc. einen Namen als Investmentspezialist gemacht.