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Charttechnische Analyse · 09.01.2018 13:38 Uhr

Für jeden was dabei

Devisen
Quelle: Roman Motizov / Shutterstock
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Aufgrund der aktuellen Konstellation im FOMC haben die regionalen Fed-Chefs mehr Gewicht. Mit dem Ausscheiden von Janet Yellen im Februar wird sich das Verhältnis noch stärker verschieben.

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- Zur Autorin: Antje Praefcke ist Analystin FX & EM bei der Commerzbank -
USD: Dass die regionalen Fed-Chefs aufgrund der aktuellen Konstellation im FOMC mehr Gewicht haben, ist an dieser Stelle schon mehrfach erwähnt worden. Mit dem Chair Janet Yellen befinden sich nur noch drei weitere Personen im Board of Governors: Jerome Powell, Lael Brainard und Randal Quarels. Diesen gegenüber stehen 5 Vorsitzende der regionalen Feds (New York/Michael Strine, Cleveland/Loretta Mester, Richmond/Mark Mullinix, Atlanta/Raphael Bostic, San Fransisco/John Williams). Ab Februar, wenn Janet Yellen aus dem Board ausscheidet, wird sich das Verhältnis sogar noch stärker verschieben und dann nur noch 3:5 betragen. Entsprechend müssen wir in Zukunft mehr auf die Äußerungen der Regional Heads achten, da sie mehr Stimmgewicht als die Board-Mitglieder im FOMC haben. Das kann sehr spannend werden, wenn man sich die jüngsten Kommentare anhört: Frau Mester ist für ungefähr vier Zinserhöhungen im Jahr 2018, Herr Williams für drei, Herr Bostic hingegen sprach sich gestern Abend in einer taubenhaften Rede für eine „langsame Rückführung“ des geldpolitischen Stimulus aus, was „nicht unbedingt drei oder vier Schritte pro Jahr“ bedeuten würde (sprich eher nur zwei). Da ist wirklich für jeden was dabei. Dies zeugt nicht gerade von großer Eintracht innerhalb des FOMC und verspricht viel Hin und Her im Dollar, je nachdem, wer gerade vors Mikrofon tritt und seine Meinung äußert.
EUR: Ein bisschen verwirrt darf man jetzt schon sein. Zuerst kommen vor Weihnachten seitens einiger EZB-Mitglieder eher falkenhafte Äußerungen in Richtung „konkretes Ende der Anleihekäufe“, die zu einem Anziehen der Zinserwartungen führten und zum Höhenflug des Euro beitrugen. Dann enttäuscht die Kerninflation der Eurozone im Dezember mit nur 0,9% gegenüber Vorjahr und straft derartige Kommentare eigentlich Lügen. Denn erst im Oktober hat die Mehrheit im EZB-Rat der Verlängerung der Anleihekäufe mit open end zugestimmt und gleichzeitig eine taubenhafte Haltung an den Tag gelegt. Vielleicht erfahren wir ja am Donnerstag im EZB-Protokoll zur Sitzung am 14. Dezember mehr darüber, ob wahrhaftig einige Mitglieder ihre Meinung so kurzfristig geändert haben und wenn ja wieso. Die schwache Dezember-Kerninflation hat einigen Euro-Bullen aber offensichtlich in Erinnerung gerufen, dass es noch sehr lange dauern wird, bis die EZB die Zinsen anhebt – gute Stimmungsindikatoren und starkes Wachstum hin oder her. Dem Euro scheint deshalb ein wenig die Luft auszugehen, er kann die Niveaus über 1,20 in EUR-USD nicht halten.
CAD: Des einen Freud, des anderen Leid. Kanada beeindruckte am Freitag mit einem phänomenalen Arbeitsmarktbericht, wohingegen der aus den USA enttäuschte. Die logische Folge: freier Fall von USD-CAD. Von den 1 ½ Cent Verlust wurde mittlerweile ein Teil korrigiert. Dennoch bleibt der CAD gefragt, da die Zinserhöhungserwartungen einen saftigen Sprung nach oben gemacht haben – und zwar insbesondere die Erwartungen für die nächste Sitzung am 17. Januar. Zwar liegt die Arbeitslosenquote in Kanada mit 5,7% so tief wie seit den 70er Jahren nicht mehr. Aber teilweise dürfte der Arbeitsmarkt vom Weihnachtsgeschäft profitiert haben, was im Januar korrigiert und durch den Blizzard an der Ostküste zum Jahresanfang sogar zusätzlich verschärft werden dürfte. Außerdem führt auch in Kanada die fallende Arbeitslosenquote nicht zu steigenden Löhnen und damit zu Preisdruck. Die Bank of Canada stellt selbst fest, dass der jüngste Inflationsanstieg temporären Sonderfaktoren geschuldet ist, in erster Linie den Benzinpreisen. Ja, die BoC wird dieses Jahr den Leitzins weiter anheben. Und ja, sie könnte einige Projektionen im neuen geldpolitischen Bericht im Januar anpassen. Aber sie wird durch den Arbeitsmarktbericht im Dezember hindurchschauen und erst noch die weitere Inflationsentwicklung abwarten wollen. Meines Erachtens ist es im Januar noch zu früh für eine Zinsanhebung und ist deshalb die aktuelle CAD-Stärke überzogen.
 
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Erhalten von der Commerzbank am 09.01.2018 um 10:49 Uhr.
Veröffentlicht durch Börse Stuttgart am 09.01.2018 um 13:37 Uhr.