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Neue Richtlinie in Kraft getreten · 10.01.2018 08:30 Uhr

MiFID II: Das ändert sich für Anleger

Justizia
Quelle: r.classen / Shutterstock
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Der Nebel des Feuerwerks um den Jahreswechsel hat sich gelegt. Spätestens jetzt müssen sich alle mit den Neuerungen in 2018 auseinandersetzen – das gilt auch für Anleger. Seit dem 3. Januar ist die europäische Richtlinie MiFID II in Kraft.

- von Vanessa Helpert, Börse Stuttgart News Redaktion -
MiFID II (Markets in Financial Instruments Directive) ist eines der umfangreichsten Regelwerke für die Finanzbranche seit der Finanzkrise. In erster Linie soll es für Transparenz und Verbraucherschutz sorgen, der Handel mit Wertpapieren soll also durchschaubarer und sicherer werden. Für Produktanbieter heißt das, dass sie vorab definieren müssen, für welche Anlegergruppen sich ihre Finanzprodukte eignen. Finanzberater wiederum sollen ihre Beratung auf den konkreten Bedarf ihrer Kunden ausrichten. Insgesamt werden die Regelwerke für Banken und Börsen mit MiFID II gehörig umgekrempelt.

Veränderte Dokumentation von Beratungsgesprächen

Für den Verbraucher ändern sich durch das neue Regelwerk mehrere Aspekte: Erstens wird künftig jedes Gespräch mit einem Bankberater umfangreicher dokumentiert – an die Stelle des bisherigen Beratungsprotokolls, durch das Berater seit 2010 Verkaufsgespräche dokumentieren mussten, tritt nun eine Geeignetheitserklärung. Diese soll sicherstellen, dass eine Finanzanlage, die der Berater empfiehlt, für den Kunden auch geeignet ist. Darin muss festgehalten werden, warum ein bestimmtes Anlageprodukt empfohlen wurde und wie es zum Risikoprofil des Kunden, seinen Kenntnissen und seinen Erfahrungen passt. Anleger werden dazu weiterhin in mehrere Risikoklassen eingeteilt – von einem sehr geringen Verlustrisikopotenzial bis hin zu einem sehr hohen Verlustrisikopotenzial (Totalverlust). Zweitens haben Bankberater die Pflicht, telefonische Gespräche aufzuzeichnen und mindestens fünf Jahre lang zu archivieren. Für den Kunden hat das den Vorteil, dass er die Aufzeichnungen im Falle eines Rechtsstreits mit dem Berater als Beweismittel zur Hand nehmen kann.

Kostentransparenz für den Anleger

Ein weiterer Aspekt ist die Kostentransparenz. Die Kosteninformationen müssen sich dabei sowohl auf die Dienstleistungsebene (Vertrieb) beziehen als auch die Produktebene (z. B. Fonds) – und zwar auf die gesamte Dauer der Wertpapierdienstleistung. Banken sind durch MiFID II somit verpflichtet, genau auszuweisen, wie viel Geld zum Beispiel beim Kauf eines Fondsanteils für Provisionen, Ausgabeaufschlag und Verwaltungsgebühren anfällt. Die jeweiligen Provisionen müssen von den Beratern offen gelegt werden. Damit sollen versteckte Vertriebsprovisionen in Zukunft nicht mehr möglich sein und Kunden genau wissen, was ein Fonds kostet. Die Kostentransparenz gilt grundsätzlich für alle Finanzinstrumente, also z.B. auch für verbriefte Derivate. Dadurch wird verhindert, dass verlockende Provisionen Berater dazu führen, Kunden zum Kauf eines für ihn nicht geeigneten Finanzinstruments zu raten.

Veränderte Notierung von Aktien

Darüber hinaus ergeben sich durch MiFID II im Börsenhandel Veränderungen bei der Notierung von Aktien. Denn es wurden einheitliche Standards für die Festlegung von Tick-Sizes eingeführt: Die Regelungen schreiben je nach Wertpapier vor, wie groß der Notierungssprung, die sogenannte Tick-Size, also die kleinstmögliche Preisänderung eines Wertpapierkurses an Börsen sein darf. Bislang war das beim Aktienhandel bis zur dritten Stelle nach dem Komma möglich, wodurch der Markt sehr genau abgebildet werden konnte. Durch die Regulierung wurde gemäß der durchschnittlichen Transaktionshäufigkeit und des Kurses einzelner Aktien jeweils festgelegt, in welchen Notierungssprüngen diese handelbar sein können. Dabei gilt generell: Je reger der Handel und je tiefer der Kurs, desto kleiner sind Ticks und umgekehrt.

Keine beliebige Ordereingabe mehr möglich

Viele Aktien können durch MiFID II also an Börsen jetzt nur noch in größeren Schritten gehandelt werden als zuvor. So kann es beispielsweise sein, dass eine Aktie nur noch in Euro-Abständen anstelle von Cent-Abständen gehandelt werden kann. Für den Privatanleger bedeutet das, dass Ordereingaben, die nicht diesen Tick-Sizes entsprechen, künftig nicht mehr angenommen bzw. ausgeführt werden können.
Erstellt am 10.01.2017 um 08:00 Uhr
Veröffentlicht am 10.01.2017 um 8:30 Uhr