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Kriterien für die Wertpapieranlage · 12.01.2018 08:45 Uhr

Augen auf bei der Wahl des Handelsplatzes

Börsenglocke
Quelle: Börse Stuttgart
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Wer Wertpapiere kauft und verkauft, kann selbst entscheiden, wo er handelt. Dabei zahlt es sich für Anleger unter dem Strich aus, unterschiedliche Aspekte rund um die Orderausführung im Blick zu haben.

-von Vanessa Helpert, Börse Stuttgart News Redaktion-
Aktien, Anleihen, Fonds, Zertifikate – bei der Vielzahl von handelbaren Wertpapieren ist es wichtig, sich mit den verschiedenen Arten zu beschäftigen und sich vor allem Wissen über deren Funktionsweise anzueignen. Denn bei Wertpapierinvestments haben Anleger viele Möglichkeiten, ihre persönliche Geldanlage erfolgreich selbst in die Hand zu nehmen. Die Wahl eines geeigneten Papiers ist dabei nur eine Seite der Medaille – die Wahl des Handelsplatzes die andere.
Um aus dem breiten Spektrum von Papieren die passenden Produkte auszuwählen, sollte sich der Anleger über mehrere Punkte im Klaren sein: Was ist seine Marktmeinung? Welche individuelle Renditeerwartung und Risikobereitschaft hat er? Und schließlich: Welchen zeitlichen Anlagehorizont strebt er an?
Damit ist jedoch nur der erste Schritt gemacht. Um Anlageziele tatsächlich zu erreichen, ist oft auch aktives Handeln sinnvoll. Denn Wertpapiere, die sich jederzeit flexibel an der Börse kaufen und verkaufen lassen, erlauben ein wirksames Risikomanagement. Außerdem lassen sich auch Chancen gezielt nutzen, die sich durch Bewegungen an den Finanzmärkten ergeben. Das gilt insbesondere für eine kurzfristigere Perspektive, aber auch bei einer weiter in die Zukunft gerichteten Anlagestrategie.

Investmentoptimierung durch passenden Handelsplatz

Im Wertpapierhandel haben Anleger die Entscheidungshoheit darüber, wo sie ihre Order ausführen lassen möchten. Durch die aktive Auswahl des passenden Handelsplatzes können die Investments optimiert werden. Neben dem Transaktionsentgelt spielt dabei die Qualität der An- und Verkaufspreise eine wichtige Rolle: Gerade hier kann sich ein Vergleich unterschiedlicher Handelsplätze auszahlen.
Unabhängig vom besten Ausführungspreis bringt die aktive Auswahl des Handelsplatzes auch den Vorteil, dass Anleger noch weitere, individuelle Punkte in den Blick nehmen können, die ihnen besonders wichtig sind.

Verlässliche Orderausführung, lange Handelszeiten

So ist zum Beispiel eine schnelle und verlässliche Orderausführung von zentraler Bedeutung, um wie gewünscht auf das Marktgeschehen eingehen und Investments punktgenau umsetzen zu können.
Schnell ist die Orderausführung heutzutage dank leistungsfähiger IT an den meisten Handelsplätzen: An der Börse Stuttgart werden zum Beispiel rund zwei Drittel der Orders in verbrieften Derivaten innerhalb von drei Sekunden ausgeführt, bei ETFs sind es über 80 Prozent. Manche Orderausführungen sind sogar in 200 Millisekunden möglich. Trotzdem: Geschwindigkeit ist relativ. Das Motto „Je schneller, desto besser“ gilt im Wertpapierhandel nicht immer. Ist die ultraschnelle Ausführung bei derivativen Hebelprodukten hochrelevant, kommt es beispielsweise im Anleihehandel darauf nicht zwingend an.
Für Anleger sind darüber hinaus auch die Handelszeiten ein relevanter Aspekt. In Zeiten der globalisierten Finanzmärkte gilt: Je länger die Handelszeiten einer Börse, desto besser können Anleger auf Entwicklungen in anderen Teilen der Welt reagieren – etwa in den USA oder Asien. An der Börse Stuttgart kann man deshalb Aktien und ETFs von 8 bis 22 Uhr handeln – also bis zum Börsenschluss in den USA.

Ordertypen zur Risikobegrenzung

Gerade in turbulenten Zeiten ist vielen Anlegern die passgenaue Absicherung der Käufe und Verkäufe wichtig. Eine Möglichkeit zur Risikobegrenzung sind intelligente Ordertypen, die manche Handelsplätze anbieten. Mit diesen Ordertypen lassen sich Kauf- und Verkaufsaufträge noch genauer an bestimmte Marktbedingungen knüpfen und automatisiert ausführen. Ein Beispiel ist die Trailing-Stop Order: Hier können Anleger Gewinne laufen lassen, ohne ständig den Markt beobachten zu müssen. Sie definieren im Falle eines Verkaufs vorab ein Absicherungsniveau, das sogenannte Stop-Loss-Limit, das bei steigenden Kursen automatisch im gewählten Abstand nach oben nachgezogen wird. Stop-Limits müssen also nicht mehr manuell angepasst werden. Fällt der Kurs später und erreicht das Limit, wird das Wertpapier verkauft. Damit löst sich das Problem, Gewinne zu früh zu realisieren oder Verluste zu ignorieren. Auch die persönliche Betreuung von Aufträgen durch Handelsexperten kann für einen bestimmten Ausführungsplatz sprechen. Denn Geschwindigkeit ist nur ein Aspekt im Handel. Im hybriden Marktmodell der Börse Stuttgart wird beispielsweise leistungsfähige Technologie mit menschlicher Expertise verbunden. Einerseits bereiten Computersysteme riesige Datenmengen auf, überwachen Orderlimits und führen viele Aufträge auch direkt aus. Andererseits sorgen Handelsexperten für Ausführungssicherheit und Preisqualität. Sie prüfen beispielsweise Orders auf Plausibilität und schützen so den Privatanleger vor versehentlichen Fehleingaben. Außerdem bündeln sie Liquidität und stellen sie bei Bedarf zur Verfügung. Dadurch können Orders auch zu Preisen ausgeführt werden, die innerhalb der Preisspanne von Market-Makern liegen und damit vorteilhaft für den Anleger sind.

Lückenlose Kontrolle

Zu guter Letzt sollte auch der Aspekt der Sicherheit nicht außer Acht gelassen werden: Im Fall der Fälle können Anleger bei einer Börse auf die die lückenlose Kontrolle durch die Handelsüberwachungsstelle zählen. Denn nur an einer Börse erfolgt der Handel auf Basis des Börsengesetzes und in einem öffentlich-rechtlichen Rahmen.
Die Handelsüberwachungsstelle sorgt dafür, dass die Regeln auch eingehalten werden: Kommen die Börsenpreise ordnungsgemäß zustande und entsprechen sie der Marktlage? Werden die Vorgaben für bestimmte Handelssegmente und Papiere erfüllt? Sind etwaige Kundenbeschwerden zu einzelnen Orders berechtigt? Durch die Prüfung solcher Fragen leistet die Handelsüberwachungsstelle auch einen wichtigen Beitrag zum Anlegerschutz.
Die vorgestellten Kriterien zeigen: Um den passenden Handelsplatz auszuwählen, sollten Anleger nicht einfach nur Gebühren vergleichen. Wer zusätzlich die aktuellen Ausführungspreise sowie andere Kriterien heranzieht und sich ein umfassendes Bild verschafft, kann sicher sein, dass er sich im Wertpapierhandel letztlich für Qualität entscheidet.
Verfasst am 12.01.2018 um 8:00 Uhr.
Veröffentlicht am 12.01.2018 um 08:45 Uhr.