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Wird die Luft jetzt dünner? · 23.01.2018 09:31 Uhr

Netflix jetzt mehr als 100 Milliarden wert

Netflix-Logo
Quelle: Ken Wolter/Shutterstock
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Die Erwartungen an Netflix waren hoch. Doch das scheint dem Streamingdienst in diesen Tagen nichts auszumachen. Im Gegenteil: Die Erwartungen wurden sogar deutlich übertroffen. Wie lange kann das so weitergehen?

-von Thomas Zuleck, Börse Stuttgart News Redaktion-
 
Die Erfolgsgeschichte von Netflix wäre irgendwann vielleicht auch eine Verfilmung wert. Was als kleine Online-Videothek in Kalifornien begann, entwickelt sich mehr und mehr zu einem der wertvollsten Unternehmen der Welt.
Allein die gestern nach Börsenschluss vorgelegten Zahlen sprengen alle Erwartungen und werden an der Börse entsprechend gefeiert. Nachbörslich konnten die Anteilsscheine des Streamingdienstes um fast neun Prozent zulegen und die Marktkapitalisierung übertraf erstmals die 100 Milliarden US-Dollar-Marke. Zu den Fakten: Trotz einer leichten Preiserhöhung lag der Nettokundenzuwachs in den USA bei 1,98 Millionen. Analysten hatten im Vorfeld mit gut 700.000 Kunden weniger gerechnet. Global betrachtet fällt der Kundenzuwachs sogar noch imposanter aus. Allein im vierten Quartal abonnierten 8,3 Millionen Neukunden den Streamingdienst. So viele wie noch nie in einem Quartal. Aus Sicht von Netflix ist das Ende der Fahnenstange jedoch noch lange nicht erreicht. Für das laufende Quartal rechnet Netflix mit einem weiteren Kundenzuwachs in Höhe von 6,35 Millionen. Bereits heute bringt es Netflix auf rund 111 Millionen bezahlte und insgesamt etwa 118 Millionen Streaming-Abos. Angesichts steigender Kundenzahlen stieg natürlich auch der Umsatz im vierten Quartal um satte 32,6 Prozent auf mittlerweile 3,29 Milliarden US-Dollar. Der Nettogewinn hat sich zuletzt sogar fast verdreifacht und lag bei 185,52 Millionen US-Dollar nach 66,7 Millionen US-Dollar im Vorjahr.

Netflix-Aktie jetzt zu teuer?

Die Aktie von Netflix gehört bereits seit Jahren zu den absoluten Outperformern am US-Aktienmarkt. Allein auf Sicht der vergangenen drei Jahre konnte die Aktie (auf Eurobasis) an der Börse Stuttgart um gut 243 Prozent zulegen. Auf Sicht von fünf Jahren beläuft sich das Plus sogar auf fast 1.680 Prozent! Das bedeutet gleichzeitig, dass die Aktie derzeit nicht mehr ganz günstig bewertet ist und das KGV mittlerweile astronomische Höhen erreicht. Aber das scheint nicht weiter schlimm, denn was ist schon teuer, was ist billig am Finanzmarkt? Viel schwerer wiegt da schon die Tatsache, dass das Wachstum von Netflix teilweise teuer erkauft ist. So weist Netflix für das vergangene Jahr einen negativen Cashflow von gut zwei Milliarden US-Dollar aus. Im laufenden Jahr könnte das Minus sogar bis auf vier Milliarden ansteigen. Bei Netflix selbst sieht man diesen Punkt als nicht besonders dramatisch an. Man geht vielmehr davon aus, dass steigende Betriebsgewinne mittelfristig wieder für einen positiven Cashflox sorgen werden. Doch ganz so leicht dürfte das nicht werden. In der Branche herrscht ein dramatischer Verdrängungswettbewerb, der sich in den kommenden Jahren weiter verstärken dürfte. Zudem zählt oftmals natürlich auch die schiere Größe. Will Netflix seine Marktführerschaft verteidigen, so geht das nun mal kaum ohne Investitionen.

Die Konkurrenz schläft nicht

Zudem sitzt Netflix die Konkurrenz im Nacken. Vor allem Disney. Der Traditionskonzern wappnete sich bereits mit dem Kauf großer Konzernanteile von 21st Century Fox für den Frontalangriff und spätestens ab 2019 will Disney ebenfalls einen Streamingdienst anbieten. Lizenzpartnerschaften mit Netflix kündigte Disney bereits auf. Künftig will Disney sein Angebot eigenständig im Netz anbieten. Doch damit nicht genug: Durch den über 50 Milliarden Dollar schweren Deal mit Fox erlangt Disney zudem eine riesige Palette weiterer TV- und Film-Produktionen und nicht zuletzt auch die Kontrollmehrheit an der Video-Plattform Hulu. Doch die Konkurrenz kommt längst nicht nur aus Hollywood. Auch das Silicon Valley mischt längst mit im Kampf um Zuschauer und Abonnenten. So setze Amazon bereits seit einigen Jahren ebenfalls auf eigene Serienproduktionen und bietet das Streaming-Abo quasi als Dreingabe für Prime-Kunden an. Die Margen scheinen Amazon einmal mehr egal zu sein, was aber natürlich die Konkurrenz massiv unter Druck setzt. Und dann gibt es natürlich noch Google und sein YouTube. YouTube rüstete in den vergangenen Monaten ebenfalls massiv auf und bietet mittlerweile sogar auch Filme an.
 
Erstellt am 23.01.2018 um 09:15 Uhr
Veröffentlicht am 2.01.2018 um 09:30 Uhr
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