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Was Anleger wissen sollten · 24.01.2018 13:30 Uhr

Der Bitcoin und die Steuer

Geldmünzen vor einem Schild mit der Aufschrift
Quelle: KUMOHD/Shutterstock
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Um die steuerliche Behandlung von Kryptowährungen ranken sich immer wieder viele Mythen. Nicht immer ist wirklich klar, wie und vor allem ob Gewinne im Handel mit dem digitalen Geld zu versteuern sind.

-von Thomas Zuleck, Börse Stuttgart News Redaktion-
 
Privatanleger kennen das. Erzielte Gewinne aus Finanzprodukten werden in der Regel direkt vom Finanzinstitut versteuert. Die Abgeltungs- und gegebenenfalls die Kirchensteuer werden abgezogen und das Finanzamt ist zufrieden. Bei Kryptowährungen ist das jedoch nicht ganz so einfach, weshalb manchem „Krypto-Anleger“ in den kommenden Monaten ziemlicher Ärger drohen könnte.

Sind Einnahmen aus Kryptowährungen Abgeltungssteuerpflichtig?

Nein. Grundsätzlich handelt es sich bei Kryptowährungen um keine Wertpapiere wie beispielsweise Aktien oder Anleihen. Insofern sind Einnahmen aus Geschäften mit Kryptowährungen nicht Abgeltungssteuerpflichtig. Nach Auffassung des Bundesfinanzministeriums sind Kryptowährungen aus steuerlicher Sicht  ähnlich zu betrachten wie Edelmetalle, Antiquitäten oder beispielsweise auch Immobilien. Das heißt jedoch nicht zwangsläufig, dass auf den Handel mit Kryptowährungen überhaupt keine Steuer anfällt. Im Gegenteil.

Ertragssteuerliche Behandlung von Kryptowährungen

„Handelt es sich beim Mining von Kryptowährungen um eine gelegentliche Tätigkeit, kann es sich um Einkünfte aus sonstigen Leistungen im Sinne des § 22 Nummer 3 Einkommensteuergesetz (EStG) handeln“, so Dr. Michael Meister, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundestag als Antwort auf eine „kleine Anfrage“ der Grünen Abgeordneten Lisa Paus. Aufgrund der hohen Kosten des Mining-Prozesses wird es in Deutschland nicht wirklich viele „Miner“ geben, weshalb die Besteuerung von Minern für nur wenige „Spezialisten“ interessant sein dürfte. Entscheidender erscheint da schon der zweite Satz der Antwort: „Der Tausch oder Rücktausch von Kryptowährung in Euro oder eine andere Kryptowährung innerhalb eines Jahres nach der Anschaffung führt zu einem privaten Veräußerungsgeschäft i. S. des § 23 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 EStG.“ Das heißt, dass alle Gewinne aus Kryptowährungen binnen eines Jahres steuerpflichtig sind, sofern sie die Freigrenze von 600 Euro überschreiten. Kurz: Alles, was im vergangenen Jahr an Kryptowährungen mit Gewinn ge- und verkauft wurde, ist steuerpflichtig. Wer bereits seit mehr als einem Jahr im Besitz von beispielsweise Bitcoins ist, muss keine Steuer entrichten. Doch Achtung: Die Nachweispflicht liegt beim Anleger. Entsprechende Belege und Nachweise sollten unbedingt aufbewahrt werden.

Wie weise ich nach, dass ich meine Kryptowährung seit mehr als einem Jahr halte?

Grundsätzlich kommt in der Regel das sogenannte „First in, First out“ (FiFo) Verfahren zur Anwendung. Im Kern bedeutet das, dass das zuerst gekaufte Gut auch zuerst veräußert wird. Allerdings lauert hier bereits ein erster potenzieller Fallstrick, wie an folgendem Beispiel deutlich wird: Ein Anleger kauft seit Dezember 2016 jeden Monat einen Bitcoin. Im Zuge der Sommer-Rally des Bitcoins nimmt er erstmal einen kleinen Gewinn mit und veräußert zwei Bitcoins. Steuerlich ist das noch kein Problem, da der Fall klar ist: Zwei Bitcoins wurden innerhalb eines Jahres veräußert und sind somit natürlich steuerpflichtig. Für alle weiteren Bitcoins die der Anleger noch hält, heißt das jedoch auch, dass der erste (und gleichzeitig der älteste Coin) frühestens ab Februar 2017 steuerfrei ist. Es ist, nach aktuellem Stand, nicht möglich zu sagen, dass man die im Frühjahr gekauften Bitcoins im Sommer veräußert habe und somit die Steuerfreiheit ab Dezember 2016 greift (LiFo-Prinzip – „Last in, First out“). Der zuerst gekaufte Bitcoin, wird also auch zuerst veräußert. Für Anleger wird es demnach unabdingbar über alle Transaktion sehr genau Buch zu führen. Bereits beim Kauf von Kryptowährungen sollten sich Anleger die wichtigsten Eckdaten der Transaktion (z.B. Preis/Kurs und auch den Einstiegszeitpunkt mit Datum und Uhrzeit) notieren und im besten Fall die entsprechenden Formulare der Transaktion in einem Ordner ablegen.
Für die Steuererklärung ist zudem wichtig zu wissen, dass etwaige Gewinne aus dem Handel mit Kryptowährung in der Anlage SO zu vermerken sind. Der erzielte Gewinn (Verkaufspreis minus Anschaffungs- und ggf. Veräußerungskosten) unterliegt einer Besteuerung in Höhe von 0 bis 45 Prozent. Ein solches „privates Veräußerungsgeschäft“ wird dem zu versteuernden Einkommen hinzu gerechnet. Bei Unklarheiten sollten Anleger einen Fachmann konsultieren, um etwaige Probleme mit dem Finanzamt zu vermeiden.

Fazit

Die steuerliche Behandlung von Kryptowährungen ist längst kein Randthema mehr, weshalb davon auszugehen ist, dass sich auch die Finanzämter künftig mit dem Thema stärker auseinandersetzen werden. Laut einer Erhebung des „Frankfurt School Blockchain Center“ beläuft sich die potenziell in Deutschland zu versteuernde Summe aus dem Gewinn von Kryptowährungen mittlerweile auf mehr als 2,4 Milliarden Euro. Für den Staat wären das – auf Basis eines durchschnittlichen Steuersatzes von 30 Prozent – Mehreinnahmen von 726 Millionen Euro. Unabhängig davon, ob die Berechnungen mit der Realität übereinstimmen und vor allem abgesehen von der Frage ob eine solche Summe auch tatsächlich realisierbar wäre, wird sich das Finanzministerium sicher nicht dauerhaft einen solchen „Schatz“ entgehen lassen.
 
Erstellt am 24.01.2018 um 13:20 Uhr
Veröffentlicht am 24.01.2018 um 13:29 Uhr
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