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Interview mit Andreas Kern · 30.01.2018 09:24 Uhr

"Wir sind mit unseren Ideen und Zielen noch lange nicht am Ende."

Das Team von Wikifolio
Quelle: wikifolio/Presse
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Im Jahr 2017 hat der Handel mit wikifolio-Zertifikaten an der Börse Stuttgart einen neuen Höhepunkt erreicht. Erstmals knackte das Volumen der ausgeführten Kundenorders an der Börse Stuttgart die magische Marke von 300 Millionen Euro.

Börse Stuttgart: Herr Kern, überrascht Sie der Erfolg?
Wir arbeiten seit sechs Jahren an unserem Erfolg, an dem unserer Trader und daran, mehr Leute für Aktien zu begeistern. Insofern war es keine Überraschung, aber dennoch eine große Freude. Gleichzeitig haben wir damit die Basis für weitere Investitionen geschaffen. Wir sind mit unseren Ideen und Zielen noch lange nicht am Ende.
Börse Stuttgart: Der Erfolg ist aus Ihrer Sicht also Teil einer logischen Entwicklung von wikifolio.com?
Ja, eine Plattform, welche Leistungen von echten Talenten sichtbar macht und Anlegern ermöglicht, in die besten Strategien zu investieren, war längst überfällig. Als einen großen Meilenstein im vergangenen Jahr haben wir im März zusätzlich eine kostenlose Besicherungslösung für alle wikifolio-Zertifikate ins Leben gerufen. Wir sehen, dass die Anleger auch größere Beträge investieren und gehen davon aus, dass wikifolio-Zertifikate auch einen größeren Anteil in den jeweiligen Portfolios ausmachen werden. Viele Anleger haben bereits 2-3 unterschiedliche wikifolio-Zertifikate im Depot.
Börse Stuttgart: Wie wird wikifolio.com innerhalb der Finanzbranche wahrgenommen?
Wir haben Partnerschaften mit den größten Online Brokern, Finanzportalen und Vermögensverwaltern. Ich denke, das Konzept wird durchwegs sehr positiv wahrgenommen. Denn wir haben ein gemeinsames Ziel: die im internationalen Vergleich viel zu niedrige Aktienquote zu steigern.
Börse Stuttgart: Ärgert Sie es, wenn wikifolio.com vor diesem Hintergrund noch als „Start-Up“ bezeichnet wird?
Erst vergangenen November wurden wir als bestes Österreichisches Startup ausgezeichnet. Von einem Start-Up-Hintergrund kommend, sind wir mit solider Finanzierung, unserem breiten Setup an internationalen Shareholdern mit vielfältigen Kompetenzen aus der Finanzbranche und aktuell mehr als 35 Mitarbeitern, mittlerweile ein ernstzunehmendes Fintech Unternehmen. Unsere Wachstumsrate ist nach wie vor Startup-Up-typisch, und das wollen wir nicht ändern.
Börse Stuttgart: Hat die Idee von wikifolio.com den Finanzmarkt verändert, oder ist das vielmehr eine übertriebene Erwartungshaltung an ein Fintech?
Es gibt mittlerweile viele Fintechs mit beeindruckender Entwicklung. Im Bereich Retail Anleger haben wir mit unserem erfolgsorientierten Geschäftsmodell und mit maximaler Transparenz die Spielregeln neu definiert und Standards gesetzt. Ich denke, dass wir nach wie vor mehr Nutzer anziehen, als alle europäischen Robo-Advisors zusammen.
Börse Stuttgart: Sie haben wikifolio.com 2012 gegründet. Was sind denn die größten Herausforderungen vor der ein Fintech steht?
Ich glaube, dass das Thema Regulierung nach wie vor eine große Herausforderung ist, auch wenn die Aufsichtsbehörden mittlerweile deutlich aufgeschlossener gegenüber Innovationen sind. Dann geht es darum, schnell Vertrauen aufzubauen und rasch zu wachsen, da die Durststrecke zur Profitabilität sehr lang sein kann. Wir haben das Jahr 2017 positiv abgeschlossen, zählen damit aber zu ganz wenigen Fintechs, die das geschafft haben.
Börse Stuttgart: Was würden Sie rückblickend anders machen?
Es gibt nach wie vor noch einige richtig spannende Ideen, die wir uns 2012 überlegt haben, aber noch auf Umsetzung warten. Mit einem etwas größeren Team hätten wir vielleicht einiges davon bereits umgesetzt. Aber das holen wir jetzt nach, wir haben aktuell rund 20 offene Positionen zu besetzen.
Börse Stuttgart: Schauen wir uns die Protagonisten Ihrer Plattform noch etwas näher an: Was macht aus Ihrer Sicht einen guten Trader aus?
Klar definierte nachvollziehbare Strategie, renditeorientiert mit gutem Risikomanagement und ein gutes Gefühl für den Markt und die Chancen, die sich ergeben. Zwei Faktoren, die sich in den letzten Jahren immer an die Spitze gearbeitet haben, sind Value Investing und Nebenwerte. Diese Themen zählen auch zu den wenigen Faktoren, wo es eine wissenschaftliche Grundlage für langfristige Outperformance gibt.
Börse Stuttgart: Seit einiger Zeit mischen auch Profis auf wikifolio.com mit. Was haben Vermögensverwalter davon Ihre Strategie auf wikifolio.com darzulegen?
Für Vermögensverwalter ist wikifolio.com ein Marketing-Tool das nichts kostet, aber potenziell Ertrag erwirtschaftet. Sie können sich einen Track-Record aufbauen und erhalten Sichtbarkeit auf wikifolio.com und weiteren Plattformen. Ein wikifolio kann auch Dreh- und Angelpunkt einer Social Media Strategie sein. Insgesamt denke ich, dass mit Plattformen wie wikifolio.com besonders kleinere und mittelgroße Vermögensverwalter Wettbewerbsvorteile nutzen können, die früher nur den großen Playern vorbehalten waren.
Börse Stuttgart: Wer schlägt sich denn besser? Vermögensverwalter oder Hobby-Trader?
Die Vermögensverwalter gehen tendenziell etwas weniger Risiko ein, das schlägt sich damit auch in der Performance nieder. Es finden sich jedoch bei privaten wie auch professionellen Tradern beeindruckende Leistungen. Viele private Trader sind ja im Hauptberuf auch in der Branche tätig.
 
 

Quelle: wikifolio/Presse
Andreas Kern (43) hat vor mehr als sechs Jahren wikifolio.com gegründet. Die Idee dazu hatte er, weil er selbst kein Produkt gefunden hatte, in das er selbst investieren wollte. Den Gedanken, dass der Zusammenschluss einer Community zu einem Mehrwert führt, trägt Kern in seiner DNA. Bereits Mitte der 1990er-Jahre hat er eine Jugendplattform und eine E-Commerce-Plattform gegründet. Also lange bevor es Facebook und Co gegeben hat.
wikifolio.com ist eine 2012 gegründete Social-Trading-Plattform, bei der jeder ein Musterdepot erstellen und betreuen kann. Gibt es genügend Follower für eine Anlageidee, wird ein Zertifikat auf die Wertentwicklung des Musterdepots ausgegeben, und Anleger können in diese Idee investieren. 2016 belegte wikifolio.com Platz neun im von Deloitte erstellten Ranking der 500 am schnellsten wachsenden Unternehmen in EMEA (Europa-Arabien-Afrika), 2017 wurde das Unternehmen im Rahmen des Trend@venture Awards zum Startup des Jahres gekürt.
Aktuell sind mehr als 20.400 nutzerbasierte Handelsstrategien auf wikifolio.com verfügbar, 7.442 Zertifikate an der Börse handelbar. Bisher wurden rund 17 Milliarden Euro an Handelsvolumen über die Plattform abgewickelt. Alleine im vergangenen Jahr waren mehr als 1,4 Millionen Nutzer (unique Visitors) auf wikifolio.com.