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Ordentliche Zahlen reichen nicht · 30.01.2018 09:57 Uhr

SAP: Nicht Fisch, nicht Fleisch

Logo von SAP an einem Gebäude
Quelle: josefkubes/Shutterstock
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Nicht Fisch, nicht Fleisch. Die heute von SAP vorgelegten Zahlen von SAP sind nicht wirklich einfach zu interpretieren. Zwar verzeichnet der DAX-Konzern einen überraschenden Nettogewinnsprung, doch wirklich zufrieden ist man dennoch nicht.

-von Thomas Zuleck, Börse Stuttgart News Redaktion-
 
Eigentlich scheint bei SAP alles im Lot. Wie die Walldorfer heute bekannt gaben, lag das Betriebsergebnis im vergangenen Geschäftsjahr bei 6,769 Milliarden beziehungsweise währungsbereinigt bei 6,920 Milliarden Euro und somit am oberen Ende der eigenen Prognosen von 6,85 bis 7,0 Milliarden Euro. Die Umsätze lagen mit 23,464 Milliarden Euro (währungsbereinigt 23,765 Milliarden Euro) ebenfalls im Rahmen der eigenen Erwartungen. Die Erlöse aus dem Cloud- & Software-Geschäft konnten ebenfalls um acht Prozent gesteigert werden und trafen somit ebenfalls die Spanne von 7,0 bis 8,5 Prozent. Auf den ersten Blick verwundert es also ein wenig, dass weder Analysten noch Anleger mit den vorgelegten Zahlen wirklich zufrieden sind.

Opfer des eigenen Erfolges?

Aktuell sieht es ein wenig so aus, als würde SAP ein Opfer des eigenen Erfolges. Zwar lagen die vorgelegten Zahlen allesamt im Rahmen der eigenen Erwartungen, doch Analysten hatten offenbar mit etwas Überraschungspotenzial gerechnet. Vor allem das vierte Quartal sorgte für enttäuschte Gesichter: Zwar entwickelte sich das Cloud-Geschäft zuletzt wieder äußerst stark, doch andere Bereiche, wie vor allem der Software-Verkauf, konnte nicht ganz mithalten. Zudem verhagelte die jüngste Euro-Stärke dem Softwarekonzern ein wenig die Bilanz: Einerseits verteuert ein starker Euro SAP-Produkte auf dem internationalen Markt. Produkte der US-Konkurrenz werden plötzlich – zumindest preislich – wieder attraktiver. Andererseits bilanziert SAP seine Erträge in Euro. Faktisch sieht das dann einfach nicht besonders gut aus. Beim Blick auf die operative Marge muss man diesmal ebenfalls sehr genau hinsehen. Die operative Marge ging im vierten Quartal um 0,6 Prozent auf nun 34,7 Prozent zurück und auch währungsbereinigt liegt man bei 35,2 Prozent leicht unter dem Vorjahreswert. Doch bei SAP gibt man sich trotz des Rückgangs zufrieden, was schlicht daran liegt, dass es zwischenzeitlich auch schon einmal schlimmer ausgesehen hat. Nach den ersten drei Quartalen 2017 lag die operative Marge gerade einmal bei 26 Prozent. Es sieht also so aus, als sei SAP, was die Margententwicklung angeht, tatsächlich wieder auf einem guten Weg. Das sieht offenbar auch Finanzvorstand Luka Mucic so: „Wie versprochen, haben wir mit einer operativen Marge von 35,2 % (Non-IFRS, währungsbereinigt) im vierten Quartal die Wende bei der Marge eingeleitet. Dies ebnet den Weg für das starke Wachstum und die Steigerung der Marge, die wir 2018 und darüber hinaus erwarten.“

SAP will Callidus Software übernehmen

SAP legte heute allerdings nicht nur Zahlen vor, sondern kündigte gleichzeitig an, das US-Unternehmen Callidus Software für 2,4 Milliarden US-Dollar übernehmen zu wollen. Die Übernahme scheint die erste Hürde bereits genommen zu haben. So stimmte der Vorstand von Callidus Software bereits dem vorgelegten Angebot zu, die Zustimmung der Aktionäre sowie der Kartellbehörden steht allerdings noch aus. Insgesamt bietet SAP 36 US-Dollar pro Aktie von Callidus. Das entspricht einem Aufschlag von gut 20 Prozent. Für SAP wäre es der erste Milliardenzukauf seit knapp vier Jahren und gleichzeitig ein Fingerzeit in Richtung der Konkurrenz. Callidus Software ist ein Spezialist für Kundenbeziehungsmanagement und soll mit seinen Lösungen vor allem den Vertrieb von SAP unterstützen. Die von Callidus bereitgestellten Lösungen sollen vor allem die Preisgestaltung komplexer Produkte erleichtern. Dazu gibt es personalisierte Empfehlungen für Vertriebler, die die Daten mithilfe des maschinellen Lernens auswertet. Einige Konkurrenten von SAP bieten bereits derartige Lösungen für ihre Kunden an.
 
Erstellt am 30.01.2018 um 09:45 Uhr
Veröffentlicht am 30.01.2018 um 09:57 Uhr
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