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Siemens vor turbulenter HV · 31.01.2018 09:12 Uhr

Siemens: Zwischen "Chancen" und "Aufgaben"

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Quelle: testing/Shutterstock
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Operativ lief es bei Siemens zuletzt nicht besonders gut. Die Schwächen im Kraftwerksgeschäft werden immer deutlicher sichtbar. Insgesamt sind die heute vorgelegten Zahlen jedoch gar nicht so schlecht.

-von Thomas Zuleck, Börse Stuttgart News Redaktion-
 
Eine wirkliche Überraschung ist es eigentlich nicht. Wie Siemens heute Morgen mitteilte sank das Ergebnis aus dem industriellen Geschäft im ersten Quartal 2017/18 (Stichtag 31. Dezember) um 14 Prozent auf 2,2 Milliarden Euro. Die Probleme sind bekannt. Doch scheinbar werden diese immer größer. Wie der DAX-Konzern heute mitteilte liefen die Geschäfte in den kurzzyklischen Geschäften und bei „Mobility“ zuletzt eigentlich richtig gut, doch den starken Rückgang im Sektor „Power and Gas“ konnten auch diese nicht ausgleichen. Negative Währungseffekte haben die prekäre Situation weitere verschärft.

Geschäftsentwicklung insgesamt durchaus solide

Trotz anhaltender Schwierigkeiten in der Kraftwerkssparte liefen die Geschäfte bei Siemens insgesamt nicht so schlecht – wenngleich ein Sondereffekt zuletzt eine nicht zu unterschätzende Rolle gespielt hat. So stieg der Gewinn nach Steuern zuletzt um zwölf Prozent auf nun 2,2 Milliarden Euro. Begünstigt wurde dieser Gewinn jedoch aus einem „weitgehend steuerfreien Gewinn aus dem Verkauf von Anteilen an der OSRAM Licht AG“, wie Siemens mitteilte. Der Verkauf der Osram-Anteile spülte insgesamt 655 Millionen Euro in die Siemens-Kasse. Zudem profitierte Siemens nicht zuletzt von der US-Steuerreform. Der positive Effekt im Zuge der Steuerreform beläuft sich demnach auf fast 440 Millionen Euro.

Auf Siemens warten zahlreiche Herausforderungen

Siemens-Chef Kaeser gibt sich insgesamt durchaus zufrieden mit dem Geschäftsverlauf im ersten Quartal: "Das erste Quartal unterstreicht die Stärke unseres Hauses. Wir nutzen die Wachstumsimpulse des globalen Aufschwungs und setzen Maßstäbe in der industriellen Digitalisierung. Wir wissen um unsere Chancen und kennen unsere Aufgaben“. Dabei ist vor allem der letzte Satz durchaus beachtlich. Sieht man sich die angesprochenen „Chancen“ etwas näher an, so spricht Kaeser sehr wahrscheinlich vom zuletzt doch sehr starken Auftragseingang. Das Volumen der Auftragseingänge stieg im vergangenen Quartal um satte 14 Prozent auf mittlerweile 22,5 Milliarden Euro. Die Umsatzerlöse stiegen immerhin noch um drei Prozent auf 19,8 Milliarden Euro. Das liest sich durchaus ordentlich. Doch die „Aufgaben“ dürfte in den kommenden Wochen ebenfalls kaum weniger werden. Wie bereits im vergangenen Jahr angekündigt, will Siemens vor allem in seiner Kraftwerkssparte bis zu 6.900 Stellen streichen. Wie andere Mitbewerber auch, bekommt Siemens derzeit die Folgen der Energiewende immer deutlicher zu spüren. Kurz: Viele Versorger sehen sich aufgrund von Überkapazitäten einem massiven Preisdruck ausgesetzt. Geld für Investitionen, beispielsweise in Siemens Gasturbinen, ist schlicht keines vorhanden. Dieser massive Stellenabbau dürfte auch auf der heutigen Hauptversammlung ein größeres Thema sein, doch angesichts der jüngsten Zahlen in der Kraftwerkssparte ist davon auszugehen, dass Kaeser seinen eingeschlagenen Kurs verteidigen wird. Mehr noch: Laut Kaeser sei der Handlungsbedarf „sogar dringlicher geworden“.

Aktie kann Rückenwind gut gebrauchen

Ein wenig Rückenwind könnte die Siemens-Aktie derzeit ganz gut gebrauchen. Auf Jahressicht steht gerade einmal ein Plus von nicht einmal drei Prozent zu Buche, während der Gesamtmarkt im selben Zeitraum um gut 12,5 Prozent zulegen konnte. Trotzdem liegt die Siemens-Aktie immer noch auf Schlagdistanz zu ihrem Allzeithoch vom Frühjahr 2017. Damals kostete eine Siemens-Aktie kurzzeitig 132,49 Euro und somit so viel, wie nie zuvor. Doch um wieder in diese Höhe vorzustoßen, muss Joe Kaeser vor allem seine „Aufgaben“ erfüllen. Das dürfte jedoch ein eher steiniger, und nicht zuletzt teurer, Weg werden.
 
Erstellt am 31.01.2018 um 09:05 Uhr
Veröffentlicht am 31.01.2018 um 09:11 Uhr
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