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Was ist denn da passiert? · 06.02.2018 09:01 Uhr

Börsenbeben?!

Seismograph
Quelle: Inked Pixels/Shutterstock
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Es war einer der heftigsten Kurseinbrüche an den Weltleitbörsen seit sehr langer Zeit. Egal ob in Asien, den USA oder auch in Europa: Die großen Indizes gerieten gestern Abend massiv unter Abgabedruck. Warum nur?

-von Thomas Zuleck, Börse Stuttgart News Redaktion-
 
Es war ein eigenartiges Schauspiel. Gestern Abend um kurz nach 21:00 Uhr MEZ verlor der Dow Jones von Minute zu Minute und rutschte bis knapp an die Marke von 24.000 Punkten. In der Spitze war das ein Minus von knapp sieben Prozent. Doch genau an der Marke von 24.000 Punkten drehte der Dow Jones wieder nach oben ab und reduzierte sein Minus immerhin auf „nur“ 4,6 Prozent. Insgesamt verlor der Dow Jones in der Spitze rund 1.600 Punkte. In Punkten gemessen war das der größte Absturz in seiner Geschichte. Allerdings wird diese Aussage natürlich ein wenig durch das Rekordniveau nivelliert. Die schwächste Branchen waren Banken (-5,6 Prozent) und Halbleiterwerte (-4,8 Prozent), wenngleich man sagen muss, dass es gestern keine absoluten Ausreißer gegeben hat und durch die Bank alle Werte im Dow Jones massiv verloren haben. Wie der Dow Jones gaben gestern auch der S&P 500 oder auch die NASDAQ teilweise empfindlich ab. Die NASDAQ schloss sogar in der Nähe ihres Tagestiefs. Der S&P 500 hat erstmals seit über einem Jahr von seinem Rekordhoch mehr als 5 Prozent verloren. Im Gegensatz zu den Aktienmärkten konnten US-Anleihen gestern naturgemäß etwas haussieren.

Auch asiatische Börsen unter Druck

Die asiatischen Börsen zogen umgehend nach. Auch für den japanischen Nikkei ging es in der Spitze um gut sieben Prozent nach unten. Fast schon parallel zum Dow Jones konnte jedoch auch der Nikkei wieder etwas zulegen und ging mit einem Minus von 4,7 Prozent aus dem Handel. Nicht ganz so dramatisch war die Situation beim Shanghai Composite, wenngleich auch dieser mit einem Minus von drei Prozent aus dem Handel ging.

Was ist passiert?

Doch was war eigentlich passiert? Es ist nicht so sehr das Ausmaß der Verluste was gestern Abend ein wenig überrascht hat, sondern vielmehr die Geschwindigkeit in welcher die Bewegungen gestern an den Börsen abliefen. Ein Verlust von gut 4,6 Prozent ist – nüchtern betrachtet – nicht dramatisch. Von Panik, von Crash oder etwas dergleichen kann überhaupt keine Rede sein. Das sieht und sah in der Vergangenheit definitiv anders aus (die älteren Anleger mögen sich vielleicht noch an die Tage nach der Lehman-Pleite erinnern). Ist es also die zunehmende Zinsangst die an den Märkten grassiert und von vielen Medien heute als Hauptgrund für den Absturz angeführt wird? Eine solche These erscheint einfach nicht stichhaltig. Die Fed hat es seit Jahren verstanden die Märkte sehr sanft auf etwaige Zinsschritte vorzubereiten und auch Jerome Powell hat bisher nichts Gegenteiliges bewegt. Und ob es nun drei oder vier Zinsschritte im laufenden Jahr werden, scheint nun wirklich nicht weiter ins Gewicht zu fallen. Keinesfalls jedoch begründen sie eine solche Dynamik. Es sieht vielmehr danach aus, als hätte sich der Abschwung gestern ab einem gewissen Zeitpunkt von selbst katalysiert, was stark darauf hindeutet, dass der automatisierte Handel gestern irgendwann die Oberhand gewonnen hat und das Spiel dominierte. Das Prinzip dahinter ist vergleichsweise simpel: Werden bestimmte „Stop-Marken“ durchbrochen, werden automatisch Papiere auf den Markt geworfen, was die Abwärtsdynamik weiter verschärft und nicht zuletzt eben immer weiter katalysiert. Das würde am Ende auch erklären, weshalb der Dow Jones bei der runden Marke von knapp 24.000 Punkten plötzlich wieder abdrehte und innerhalb von wenig Minuten um gut zwei Prozent zulegen konnte. Übrigens: An der Börse Stuttgart hätten Anleger auf die Ereignisse umgehend reagieren können. Auslandsaktien werden an der Börse Stuttgart bis 22:00 Uhr gehandelt.
 
Erstellt am 06.02.2018 um 08:55 Uhr
Veröffentlicht am 06.02.2018 um 09:00 Uhr
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