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Gastbeitrag Commerzbank · 06.02.2018 11:20 Uhr

Inflationsängste

US-Dollar-Noten auf einem Chart
Quelle: Powerphotos/Shutterstock
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Der US-Dollar konnte mit dem Kurseinbruch an den amerikanischen Aktienmärkten wieder zulegen. Was genau steckt dahinter, wie geht es nun weiter für den Greenback?

-Gastbeitrag Commerzbank-
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USD: Der US-Dollar hat seit gestern Abend auf breiter Basis zugelegt. Auslöser der Bewegung war ein massiver Kurseinbruch an den US-Aktienbörsen, der wiederum eine Flucht in sichere Häfen zur Folge hatte – der Dollar zählte neben dem Japanischen Yen und Schweizer Franken zu den großen Profiteuren an den Devisenmärkten. Auch heute früh wird noch darüber gerätselt, was die Kurskorrektur an den Aktienmärkten ausgelöst hat. Eine Erklärung, die sich immer mehr durchzusetzen scheint, ist, dass sich zunehmend Inflationsängste breitmachen. Das scheint nicht ganz abwegig zu sein. Schließlich deutete der US-Arbeitsmarktbericht am Freitag auf einen steigenden Lohndruck hin (siehe Abb. 1). Könnte die Inflation, auf die man solange gewartet hatte, nun schneller und heftiger kommen als erwartet? Zumindest die langfristigen Inflationserwartungen, die gestern einen Satz nach oben machten, bestätigen derartige Sorgen (siehe Abb. 2). Doch was nicht ganz in das Bild passt, ist die Entwicklung der Zinserwartungen. Denn die Argumentation lautet schließlich, dass die US-Notenbank aufgrund der schneller steigenden Inflation mit aggressiveren Zinserhöhungen reagieren müsste, und den Konjunkturaufschwung damit abwürgen würde. Gleichzeitig wird allerdings schon darüber diskutiert, ob die Fed im Zuge des Aktienkurseinbruchs von einer Zinserhöhung im März absehen werde.
In der Tat wird einem mit dieser Diskussion das Dilemma der Fed vor Augen geführt. Denn wie würde sie reagieren, wenn die Inflation plötzlich stärker steigen würde, als ihr lieb ist? Bisher ist es ihr gelungen, die Zinsen zu erhöhen ohne größere Verwerfungen an den Märkten auszulösen – von dem Taper Tantrum im Jahr 2013 einmal abgesehen. Diese vorsichtige Vorgehensweise ist sicherlich auch den Erfahrungen früherer Zinserhöhungszyklen geschuldet, bei welchen ihr im Nachhinein zum Teil vorgeworfen wurde, ihre Geldpolitik zu schnell zu stark gestrafft zu haben. Doch dieses Mal, das haben die US-Notenbanker klar gemacht, würden sie alles anders machen. Bisher hat aber auch vor allem der schwache Preisauftrieb ein nur sehr langsames Zinserhöhungstempo gerechtfertigt. Sollte sich das ändern, stellt sich die Frage, wie die Fed ihre Prioritäten dann setzt: Auf Konjunktur oder Preisstabilität? Wie sie sich entscheidet hat wichtige Implikationen für die USD-Wechselkurse. Denn entscheidet sie sich dafür, die Inflation mit zügigeren Zinserhöhungen im Zaum zu halten, würde der Dollar profitieren. Legt sie hingegen mehr Wert darauf, die Konjunktur mittels niedriger Zinsen weiterhin zu stützen, könnte eine steigende Inflation zur Belastung für den Dollar werden.
Wie geht es nun weiter für die USD-Wechselkurse? Das dürfte vor allem davon abhängen, wie schnell, bzw. ob sich die US-Aktienmärkte wieder erholen. Angesichts des doch sehr heftigen Kurseinbruchs ist es nicht unwahrscheinlich, dass sich schnell ein Boden findet und der USD sich zunächst stabilisiert. Mittelfristig dürfte aber entscheidend sein, ob sich die Inflationsängste des Marktes realisieren oder nicht – und wie die Fed letztlich darauf reagieren wird.

Quelle: Commerzbank
 
Erhalten von der Commerzbank am 06.02.2018 um 11:02 Uhr
Veröffentlicht durch die Börse Stuttgart am 06.02.2018 um 11:18 Uhr
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