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Gastbeitrag von Ellwanger & Geiger · 17. März 2017

Wahlentscheidungen

Rutte und Hollande schütteln sich die Hand
Quelle: Shutterstock
Nach der Wahl, ist vor der Wahl. Der Urnengang in den Niederlanden sorgte zwar für Erleichterung an den Finanzmärkten, doch für ein wirkliches Aufatmen scheint es dennoch zu früh. Die Politik wird ein Thema für die Finanzmärkte bleiben.

Viele Menschen haben in diesen Tagen die Wahl. Die niederländischen Wähler dürfen zur Wahlurne schreiten und ein neues Parlament wählen – mit Betonung auf „dürfen“, denn vielen Wählern wird aktuell klar werden, welche Errungenschaften mit einer verlässlichen und rechtssicheren Demokratie einhergehen. Die US-amerikanische Notenbank Fed hat die Wahl, ob sie ihre Leitzinsen ein weiteres Mal anhebt oder nicht, und der neugewählte US-Präsident Trump hat die Wahl, am Wochenende dem Ansinnen Frau Merkels zu folgen und sein Land weiterhin offen zu gestalten und keine protektionistischen Maßnahmen einzuleiten, die allen nur schaden würden.

Erdogan hatte die Wahl

Der türkische Präsident Erdogan hätte auch die Wahl gehabt, sein für ihn sehr wichtiges Referendum abzuwarten und im Vorfeld staatsmännische Größe im Wahlkampf zu zeigen. Er hat sich jedoch dafür entschieden, mittels einer unglaublichen Eskalationsstrategie die europäischen Partner vor den Kopf zu stoßen und so viel Porzellan zu zerschlagen, dass ein EU-Beitritt selbst in ferner Zukunft kaum mehr vorstellbar erscheint. Die deutsche Wirtschaft, die relativ eng mit der Türkei verbunden ist, beginnt sich Sorgen zu machen, da eine Deeskalierung der Lage nicht in Sicht ist. Im Gegenteil, es vergeht kein Tag, an dem Präsident Erdogan nicht noch abstrusere Meinungsäußerungen von sich gibt. Die Twitter-Aktivitäten des Donald Trump verblassen dagegen richtiggehend und geben ihm vielleicht die Chance, aus dem Wahlkampfmodus auszuscheren und zu einem normalen Verhältnis zu seinem Amt zu gelangen.

Investoren haben die Wahl

Die Finanzmarktakteure haben regelmäßig ebenfalls die Wahl, in welche Assetklassen sie investieren. Oder doch nicht? Denn die historische Niedrigzinsphase scheint sich kaum zu entspannen. Der Sechsmonatssatz des Bundes liegt nun seit der letzten Auktion von Geldmarktpapieren bei unglaublichen –0,90 %. Sicherheitsorientierte Anleger müssen bis in den achtjährigen Laufzeitbereich einer Bundesanleihe gehen, um den Minusbereich zu verlassen. Da verwundert es nicht, dass die internationalen Aktienmärkte die jüngsten politischen Krisenherde ignorieren und mehr Stabilität zeigen, als man sich je bei einem solchen Umfeld erhofft hätte. Denn die nach wie vor sehr hohen Dividendenrenditen und moderaten Bewertungen lassen Aktien derzeit immer noch relativ alternativlos erscheinen. Man fragt sich, wie lange die Stimmungsindikatoren der Wirtschaft diesen politischen Entwicklungen trotzen können und im positiven Bereich bleiben. Es wäre zu wünschen, dass mancher Staatenlenker die Wahl hätte, sein Tun zu überdenken und zur Vernunft zurückzukehren.
 
Zum Autor: Michael Beck ist Leiter Asset Management bei Ellwanger & Geiger