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Gastbeitrag Commerzbank Research · 17. März 2017

Goldpreis: Erleichterung nach Fed-Entscheid?

Goldbarren aufeinander gestapelt
Quelle: Shutterstock
Gold setzte seinen Höhenflug gestern fort und stieg zeitweise deutlich über 1.230 USD je Feinunze. Vor allem der jüngste Fed-Zinsentscheid sorgt für Erleichterung bei Gold-Investoren.

Es scheint fast so, als habe sich am Goldmarkt Erleichterung breit gemacht, dass die US-Notenbank Fed am Mittwochabend die Zinsen erhöht hat und dieses Thema damit für einige Zeit vom Tisch ist. Heute Morgen handelt Gold wieder unter 1.230 USD. In Euro gerechnet fällt Gold auf 1.140 EUR je Feinunze, was am stärkeren Euro nach Aussagen von EZB-Ratsmitglied Nowotny liegt. Dieser hatte in einem Zeitungsinterview die Möglichkeit angesprochen, dass die EZB noch vor dem Ende ihrer Anleihekäufe die Zinsen anheben könnte. Konkret sprach Nowotny über den derzeit negativen Einlagesatz der EZB.
 

Goldpreisanstieg beflügelt weitere Edelmetalle

Im Fahrwasser von Gold wurden auch die anderen Edelmetalle mit nach oben gezogen. Deutlich besser als Gold entwickelten sie sich aber nicht. Gute Autoabsätze in der EU und in China rechtfertigten im Nachhinein die hohen Preise von Platin und Palladium im letzten Monat. Obwohl es im Februar einen Arbeitstag weniger gab als im letzten Jahr, sind laut dem Verband der europäischen Automobilproduzenten die Autoneuzulassungen in der EU im Jahresvergleich um 2,2% auf 1,08 Mio. Einheiten gestiegen. Schon Ende letzter Woche berichtete der Verband der chinesischen Automobilproduzenten einen deutlichen Anstieg der dortigen Autoverkäufe auf 1,63 Mio. Einheiten, vor allem wegen einer höheren Nachfrage nach SUVs.
 

Aluminium tendiert vor allem seitwärts

Der Aluminiumpreis handelt weiter um die Marke von 1.900 USD je Tonne. Die LME-Aluminiumvorräte sind heute erstmals seit Ende 2008 unter 2 Mio. Tonnen gefallen. Sie werden bereits seit drei Jahren kontinuierlich abgebaut, wobei sich der Rückgang seit Anfang des Monats stark beschleunigte. Allein in den letzten gut zwei Wochen wurden rund 200 Tsd. Tonnen Aluminium aus den LME-Lagerhäusern abgezogen. Etwa 100 Tsd. Tonnen davon sind aber zeitgleich in die Lagerhäuser der SHFE in China geflossen, so dass es sich bei den LME-Abflüssen unseres Erachtens eher um eine Umschichtung handelt und diese nicht nur auf eine gestiegene Nachfrage zurückzuführen sind. Zumal die Aluminiumproduktion weiter von Rekord zu Rekord eilt. Der starke Abbau der LME-Vorräte hatte sich quasi angekündigt, da im Februar die Zahl der gekündigten Lagerscheine um über 300 Tsd. Tonnen nach oben gesprungen war. Vor allem aus den asiatischen LME-Lagerhäusern (und hier insbesondere aus Südkorea und Malaysia) wurde viel Material zur Auslieferung abgerufen. Neben der Umschichtung in die SHFE-Lagerhäuser dürfte ein Teil der ausgelieferten LME-Bestände auf dem Weg in die USA sein. Denn laut einigen Marktteilnehmern haben die bis in den Februar hinein stark gestiegenen physischen Prämien in den USA zu entsprechenden Arbitragemöglichkeiten geführt. In anderen Regionen waren die Prämien deutlich weniger stark gestiegen. Zudem waren die Frachtraten von Asien in die USA zuletzt relativ niedrig, was ebenfalls zum Materialfluss beigetragen hat.
 
 
Zum Autor: Eugen Weinberg ist Head of Commodity Research bei der Commerzbank AG in Frankfurt