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Interview mit Thomas Metzger · 21.02.2018 08:30 Uhr

Angst und Gier: Psychofalle Börse!?

Angst
Quelle: Gearstd / Shutterstock.com
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Welche Rolle spielt Psychologie im Börsenhandel? Und wie können Anleger private Anleger Entscheidungen ohne psychischen Druck fällen? Ein Interview mit Thomas Metzger, Asset Manager beim Bankhaus Bauer.

BS: Herr Metzger, mitunter scheinen nicht nur fundamentale, greifbare und nachvollziehbare Faktoren beim Wertpapierhandel eine Rolle zu spielen. Gerade in den letzten zwei Wochen war das Geschehen wohl eher von einer gewissen Angst geprägt…
TM: An der Börse wird versucht, mögliche zukünftige Entwicklungen vorwegzunehmen. Da natürlich niemand genau sagen kann, wie die Welt in Zukunft aussieht, spielt dabei in der Tat die Psychologie der Marktteilnehmer mitunter eine entscheidende Rolle – gerade rasante Kursbewegungen werden oft durch die beiden Extreme Angst und Gier verursacht bzw. deutlich verstärkt. Das Phänomen des „Herdentriebs“ ist ein gutes Beispiel hierfür: Immer mehr Anleger folgen der vermeintlich sicheren Meinung der Masse in eine Richtung bis enorme Blasen oder plötzliche, deutliche Kursrückgänge entstehen. Auch die erhöhte Volatilität der letzten Wochen war sicherlich zumindest zum Teil Folge psychologischer Effekte.
BS: Gerade die alte Börsenweisheit „Gewinne laufen lassen, Verluste begrenzen“ fällt doch vielen Anlegern schwer umzusetzen. Spielt auch hier die Psychologie eine Rolle?
TM: In der Tat! Zum einen fällt es Anlegern immer schwer, sich eine falsche Entscheidung, welche als persönliche Niederlage wahrgenommen wird, durch das Realisieren des Verlustes vor Augen zu führen und einzugestehen. Viele Anleger hängen auch an ihren Positionen, wollen recht behalten obwohl die Kurse gegen Sie laufen. Zudem werden positive Erlebnisse oft überbewertet und dadurch aus Anlagefehlern zu wenig Lehren gezogen.
BS: Was raten Sie Anlegern im Hinblick auf das Thema „Psychofalle Börse“? Wie kann man sich vor den eigenen Emotionen schützen?
TM: Mit Hilfe des Money-Management bzw. Risiko-Managements können sich auch private Anleger recht einfache Regeln schaffen um Entscheidungen ohne psychischen Druck fällen zu müssen. Hier geht es z.B. um Wertsicherungsstrategien, die darauf abzielen das Risiko eines Portfolios zum einen durch das Festlegen der Größe der einzelnen Handelspositionen bzw. einer ausreichenden Diversifikation des Depots aber auch durch das Definieren von maximalen Verlusten pro Position zu begrenzen. Durch das setzen von Stopp-Loss-Kursen werden z.B. Positionen automatisch verkauft, sobald sie einen vorher festgelegten Kurs erreicht haben. Somit können Verluste im voraus begrenzt, aber auch aufgelaufene Gewinne abgesichert werden.
BS: Für Investoren, die sich mit dem mitunter nervenaufreibenden Thema „Börse“ wenn möglich gar nicht auseinandersetzen aber dennoch von Aktien, Renten etc. profitieren wollen, bietet sich das Konzept der Vermögensverwaltung an. Was ist darunter zu verstehen?
TM: Grundsatz eines jeden Vermögensverwaltungsmandates ist, dass der Portfolio Manager das Vermögen innerhalb vereinbarter Anlagegrundsätze allokiert und damit dem Investor neben der strategischen Ausrichtung der Asset Allocation vor allem die taktischen Entscheidungen abnimmt. Nachdem der übergeordnete Aufbau einer Vermögensverwaltung festgelegt ist, übernimmt der Verwalter also die zeit- und arbeitsintensive Detailarbeit für den Kunden. Wichtig ist, dass möglichst viele Stellschrauben z.B. die maximale Gewichtung der Asset Klassen usw. feinjustiert werden können.
BS: In 2017 konnten Sie für die von Ihnen gemanagten individuellen Vermögensverwaltungs-mandate sowie Investmentfonds eine sehr gute Wertentwicklung ausweisen. Wie haben Sie die jüngste Korrektur der Märkte überstanden?
TM: Nun was insbesondere unsere individuellen Mandate betrifft, waren wir recht stabil unterwegs. Die Kursverluste ausgehend von den Höchstständen der Märkte im Januar hielten sich in Grenzen. Von Jahresbeginn an betrachtet liegen die Mandate im Durchschnitt im positiven Bereich. Geholfen hat uns hier unsere Aktientitelselektion. Wir verfolgen einen sogenannten Stock-Picking-Ansatz, wählen also Unternehmen in die wir investieren aktiv und ohne Benchmark-Denken aus.
BS: Wie schätzen Sie die Märkte momentan ein?
TM: Im Vorfeld der Kursrückgänge hatte sich sicherlich eine Gewisse Sorglosigkeit eingestellt, welche nun durch die Korrektur abgebaut wurde, was ich positiv einstufe. Ich bin nach wie vor optimistisch gestimmt für Dividendentitel, da wir zum einen von einer gefährlichen Euphorie nun weit entfernt sind und zudem eine stabile fundamentalen Situation gepaart mit immer noch reichlich vorhandene Liquidität Investoren anlocken dürfte. Ich gehe von einer stabil wachsenden Weltwirtschaft in 2017 aus. Dies sollte für steigende Gewinne der Unternehmen sorgen, welche zudem weiterhin von den niedrigen Zinsen profitieren dürften. Der nach oben gerichtete Gewinntrend, sollte das Bewertungsniveau des Aktienmarktes auch bei steigenden Kursen auf einem nicht zu teuren Niveau halten. Die Marktbereinigung könnte zwar noch etwas andauern, da der Markt technisch doch angeschlagen ist. Solange die übergeordneten makroökonomischen Rahmendaten solide bleiben, gehe ich aber eher von einer Korrektur der Märkte als von einer wirklichen Trendwende aus.
Thomas Metzger ist Head of Asset Management beim Bankhaus Bauer.

Quelle: Börse Stuttgart
 
Erstellt am 21.02.2018 um 08:00 Uhr.
Veröffentlicht am 21.02.2018 um 08:30Uhr.