Nachrichten

IPO schon Ende März? · 01.03.2018 09:29 Uhr

IPO-News: Spotify strebt an die Börse

Spotify is a music service that offers legal streaming music. Smartphone opening spotify app on wooden table
Quelle: norazaminayob/Shutterstock
Beitrag teilen
Nun wird es ernst. Der Musikstreamingdienst Spotify gilt bereits seit längerer Zeit als heißer Börsenkandidat. Nun macht das schwedische Unternehmen offenbar Nägel mit Köpfen.

-von Thomas Zuleck, Börse Stuttgart News Redaktion-
 
Es könnte zu einem der spannendsten und gleichzeitig zu einem der schwersten Börsengänge der vergangenen Jahre werden. Wie aus einem am Mittwoch bei der US-Börsenaufsicht eingereichten Antrag hervorgeht, steht der Börsengang von Spotify offenbar unmittelbar bevor. Selbst das Kürzel für die Aktie ist mit „SPOT“ offenbar schon bekannt. Wann genau die Aktie an der New York Stock Exchange platziert werden sollen, ist bis dato allerdings noch unklar. Der Börsenwert von Spotify wird von Analysten derzeit auf rund 20 Milliarden US-Dollar geschätzt. Somit wäre der Musikstreamingdienst in Bezug auf den Börsenwert sogar etwas „wertvoller“ als beispielsweise ThyssenKrupp.

Spotify ist unangefochtener Marktführer

Aktuell ist Spotify der Marktführer im Musik-Streaming-Geschäft. Das Unternehmen kommt aktuell auf ca. 71 Millionen zahlende Abo-Kunden und 159 Millionen Nutzer insgesamt. Das liest sich durchaus ordentlich, allerdings ist der Markt heiß um kämpft – vor allem die beiden Tech-Giganten Apple und mittlerweile auch Amazon mischen ganz gehörig mit. Amazon bietet beispielsweise einen Musik-Streamingdienst für seine Prime-Kunden an. Nur der Zugriff auf das volle Sortiment schlägt mit zusätzlichen Kosten zu Buche. Die „Normal-Version“ zu der beispielsweise auch eine Konferenzschalte für die Fußball-Bundesliga gehört, ist bereits im Prime-Paket enthalten. Apple bietet mit Apple-Music ebenfalls einen Streamingdienst an, der bereits von 36 Millionen Abo-Kunden genutzt wird. Damit ist Apple zwar noch meilenweit von Spotify entfernt, doch Analysten schätzen, dass Apple-Music bereits im kommenden Sommer den Konkurrenten Spotify zumindest auf dem US-Markt überholen könnte.

Konkurrenzdruck nimmt zu

Vor allem jedoch verdient Apple Geld. Viel Geld. Vielleicht nicht ganz so viel über seinen Streaming-Dienst, doch wie bei Apple fast schon üblich, gibt es auch bei Apple-Music derzeit keine Gratis-Version. Mit dem Geld verdienen sieht es bei Spotify derzeit nicht ganz so gut aus. Im Antrag auf den Börsengang waren auch die mit Spannung erwarteten Geschäftszahlen für das vergangene Jahr enthalten. So stieg zwar der Umsatz im Vergleich zum Vorjahr um satte 39 Prozent auf mittlerweile 4,1 Milliarden Euro, doch gleichzeitig haben sich auch die Verluste von 539 Millionen auf 1,24 Milliarden Euro mehr als verdoppelt. Zwar geht dieser enorme Verlust zu großen Teilen auf einen Buchhaltungs-Effekt einer Milliarden-Finanzierung aus dem Jahr 2016 zurück - doch auch der operative Verlust stieg von 349 auf 378 Millionen Euro. Nüchtern betrachtet ist das nicht weiter schlimm. Vergleichbare Zahlenwerke kennt man durchaus auch vom Videostreamingdienst Netflix. Amazon beispielsweise muss sich von Jahr zu Jahr strecken um schwarze Zahlen zu schreiben – wenngleich es zuletzt deutlich besser wurde. In erster Linie geht es für Spotify derzeit darum zu wachsen. Und das Wachstum scheint angesichts der vorgelegten Zahlen durchaus in Takt. Problematisch sind allerdings der zunehmende Konkurrenzdruck und die weiter sinkenden Margen. Spotify führte vor einiger Zeit einen Familientarif ein, bei dem für 15 Euro/US-Dollar sechs Nutzer uneingeschränkten Zugriff auf den Streamingdienst erhalten. Das führte zwar einerseits dazu, dass deutlich weniger Kunden zur Konkurrenz abwanderten, andererseits sank der durchschnittliche Erlös pro Kunde von gut sieben Euro im Jahr 2015, auf zuletzt 5,24 Euro. Es wird demnach sehr spannend zu sehen sein, wie Spotify den Spagat zwischen teurem Wachstum um die Konkurrenz auf Abstand zu halten und profitabler Marge hinbekommen will. Einfach wird es nicht werden.

Spotify plant Direktplatzierung

Eine Besonderheit ist schlussendlich noch die geplante Platzierung der Anteilsscheine an der Börse. Offenbar plant Spotify den eher ungewöhnlichen Weg einer Direktplatzierung. Das heißt, dass Aktionäre einfach ihre Anteilsscheine verkaufen. Eine ansonsten übliche Aktienausgabe und ein Preisfindungsverfahren durch eine Konsortialbank scheinen derzeit nicht vorgesehen. Das spart dem Unternehmen zwar Geld, macht den Börsengang allerdings auch etwas unkalkulierbarer. Es ist insbesondere schwer abzuschätzen in welcher Preisspanne sich der Börsengang schlussendlich bewegen wird. Einen eher groben Hinweis wo sich der Preis schlussendlich bewegen könnte, geben die bisherigen Privat-Geschäfte mit Spotify-Aktien. Hier wurden die Anteilsscheine zuletzt zwischen 90 und 132,50 US-Dollar gehandelt.
 
Erstellt am 01.03.2018 um 09:22 Uhr
Veröffentlicht am 01.03.2018 um 09:29 Uhr
Bitte beachten Sie die rechtlichen Hinweise und Angaben zu möglichen Interessenkonflikten unter:
https://www.boerse-stuttgart.de/rechtliche-hinweise