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Gastbeitrag Commerzbank · 02.03.2018 13:26 Uhr

Leg dich nicht mit Brüssel an

Grafik zum Devisenpaar Euro/Dollar
Quelle: elen_studio / Shutterstock.com
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Und plötzlich ist wieder einiger los an den Devisenmärkten! Wie die Situation an den Devisenmärkten derzeit einzuschätzen ist, erläutern die Analysten der Commerzbank.

-zur Autorin: Esther Reichelt ist Analystin FX & EM Research bei der Commerzbank-
 
Das war eindeutig! Auf die Ankündigung von US Präsident Donald Trump Zölle auf Stahl- (25%) und Aluminiumimporte (10%) zu erheben reagierte der US Dollar nicht. Erst die Ankündigung der EU, Gegenmaßnahmen zu ergreifen, brachte Bewegung in die Devisenmärkte und ließ den Dollar abwerten. Nun haben wir bereits des öfteren erläutert, dass US Importzölle den USD tendenziell stärken, da die USA als Inbegriff einer großen Volkswirtschaft in der Lage ist, über Veränderungen ihrer Nachfrage die Weltpreise zu beeinflussen. Anders als in der Vergangenheit sind die USA aber nicht mehr die alleinige dominierende Weltmacht. Sowohl gemessen an der Wirtschaftskraft als auch an der Bevölkerung kann sich die EU gegenüber den USA behaupten – insbesondere wenn sie auf die Unterstützung Chinas hoffen kann. Gegenmaßnahmen, wie beispielsweise Importzölle auf US-Waren, die die Exportpreise von US-Gütern erhöhen, könnten den Effekt von US-Zöllen ausgleichen. Denn höhere Preise lassen die Nachfrage nach US-Gütern zurückgehen, was den Nachfrageüberhang nach US-Produkten, der die reale USD-Aufwertung begründet, verringert. Für den USD-Ausblick ist das ein zusätzlicher Unsicherheitsfaktor. Sicher ist, dass in Folge eines Handelskrieges alle Wohlfahrtsverluste erleiden. Die Hoffnung, dass ein schwächerer Dollar die Wahrscheinlichkeit für protektionistische Maßnahmen der USA mindert, hat sich als trügerisch erwiesen.

Brexit-Verhandlungen treten in nächste Phase ein

Auch in den anderen drohenden Handelskonflikt der EU, die Brexit-Verhandlungen mit Großbritannien, könnte heute Bewegung kommen. Noch bis in die Abendstunden hat das Kabinett an Premierministerin Mays heutiger Brexit-Rede gefeilt. May muss die gegensätzlichen Interessen der Befürworter eines weichen und eines harten Brexit innerhalb ihrer Partei auf eine Art in Einklang bringen, die eine realistische Verhandlungsbasis für die EU darstellt. Nur dann besteht die Hoffnung, dass sich Großbritannien und die EU in absehbarer Zukunft auf eine gemeinsame Linie einigen können, was dem Pfund Rückenwind verleihen wird. Die Chance dafür sehe ich jedoch ehrlich gesagt als gering an. Laut einem bereits veröffentlichten Auszug aus ihrer Rede möchte May ein Abkommen, das tiefer und weitgehender ist als irgendein Handelsabkommen bisher auf der Welt. Das klingt genauso wie in ihren bisherigen Reden und es droht unklar zu bleiben, wie sie das erreichen möchtee, ohne die von ihr selbst gesetzten roten Linien zu verletzen oder sich die Rosinen raus zu picken, was ihr die EU verwehrt. Ist das der Fall, wären wir nach Mays Rede noch genau da wo wir jetzt sind. Und da überwiegen unserer Meinung nach die Abwärtsrisiken für das Pfund.

Wann steigt Japan aus der expansiven Geldpolitik aus?

Mit der Äußerung, dass die Bank of Japan (BoJ) „um das Fiskaljahr 2019“ (April 2019 bis März 2020) herum einen Ausstieg aus ihrer expansiven Geldpolitik erwägen wird, hat BoJ Gouverneur Haruhiko Kuroda dem Yen einen Aufwertungsschub verpasst. Dabei hatte er selbst noch kurz zuvor gesagt, dass es derzeit unangemessen sei, Details eines Ausstiegs zu diskutieren. Das gilt offensichtlich nicht für das Detail des Zeitpunktes. Aber der steht immerhin in Einklang damit, wann die BoJ ihr Inflationsziel zu erreichen erwartet – auch die Inflation wird in den Augen der BoJ „um das Fiskaljahr 2019“ herum auf 2% steigen. Das bedeutet aber auch, dass der Zeitpunkt für einen Ausstieg wohl nach hinten verschoben wird, wenn sich das Erreichen des Ziels verschiebt. Was der Fall sein könnte, wenn unbedachte Äußerungen des BoJ-Gouverneurs den Yen nachhaltig aufwerten lassen.
 
Erhalten von der Commerzbank am 02.03.2018 um 09:33 Uhr.
Veröffentlicht durch Börse Stuttgart am 02.03.2018 um 09:30Uhr.
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