Nachrichten

Devisenmarkt · 07.03.2018 09:25 Uhr

Vernunft im Osten, Unvernunft im Westen

Devisenausblick
Quelle: William Potter / Shutterstock
Beitrag teilen
Die Hoffnung auf einen vernünftigen Dialog zwischen Nordkorea und den USA ließ die Stimmung gestern an den Finanzmärkten steigen. Die klassischen sicheren Häfen wie Franken, Dollar oder auch Yen erfuhren Einbußen.

- Gastbeitrag von Antje Praefcke (Analyst FX & EM Research Commerzbank) -
USD: Endlich mal was Positives und Vernünftiges! Das wird sich der Markt auf die Neuigkeiten aus Südkorea gedacht haben. Da Nord- und Südkorea Ende April einen Gipfel zur Grenze der beiden Länder planen, und da Nordkorea seine Bereitschaft zur Reduzierung der Nuklearwaffen erklärte, sollten die USA die Sicherheit des Landes auch wirklich garantieren. Die Hoffnung auf einen vernünftigen Dialog zwischen Nordkorea und den USA ließ die Stimmung gestern an den Finanzmärkten steigen. Die klassischen sicheren Häfen wie Franken, Dollar oder auch Yen erfuhren Einbußen. Der Markt scheint offensichtlich gerne – und sei es auch nur für kurze Zeit – auf eine andere Story zu springen und geopolitische Sorgen auszupreisen, die durch andere Themen längere Zeit verdeckt waren.
Vernunft im Osten, aber Unvernunft im Westen. Denn das übergeordnete Thema bleibt nach wie vor der drohende Handelskrieg, der offensichtlich näher rückt. Es gibt zwar immer noch Hoffnung, dass Hunde, die bellen, nicht beißen. US-Präsident Donald Trump hat in der Vergangenheit oft zuerst wie der Klabautermann laut gepoltert, um dann nach einigem Widerstand doch wieder moderatere Töne von sich zu geben. Der Sprecher des Repräsentantenhauses Paul Ryan hat Trump bereits gebeten, noch einmal über das Thema Importzölle nachzudenken (pikant: Harley Davidson hat seinen Firmensitz im Staat Wisconsin, für den Ryan Abgeordneter ist). Finanzminister Steven Mnuchin beteuerte in einer Rede vor einem Ausschuss des Kongresses, dass die US Administration nicht in einen Handelskrieg eintreten wolle. Interessanterweise hat sich sogar der Aluminiumverband in den USA besorgt über die geplanten Zölle gezeigt. Aber nun hat Trumps Wirtschaftsberater Cary Cohn, der bislang vehement gegen Einfuhrbeschränkungen war, das Handtuch geworfen. Die Stimmen der Vernunft werden weniger im Weißen Haus, die Gefahr eines Handelskriegs nimmt zu. Der schwedische Ministerpräsident Stefan Lofven, der nicht nur sein Land, sondern auch die EU vertritt, sah sich gestern Trumps ganzer Wut gegenüber der EU aufgrund eines US Handelsbilanzdefizits von jährlich 800 Mrd. EUR mit der EU ausgesetzt. Natürlich machen es die politischen Dissonanzen in Washington und die zunehmende Unberechenbarkeit der US Administration dem Dollar nicht einfach. Aber wir halten an unserer Sicht eines steigenden USD fest. Denn wenn Trump letztlich seinen Kopf durchsetzt, sprechen US Importzölle für eine Aufwertung des Dollar. Eine steigende Risikoaversion an den Finanzmärkten im Zuge zunehmender Sorgen vor einer Eskalation im Handelsstreit aber ebenso.

BoC wartet erst einmal ab

CAD: Heute dürfte die Bank of Canada (BoC) stillhalten, nachdem sie im Januar den Leitzins noch einmal um 25 Bp auf 1,25% angehoben hat. Zwar wächst die kanadische Wirtschaft nach wie vor recht ordentlich und die Inflation liegt innerhalb des Zielbands der BoC. Trotzdem wird die BoC diesmal nicht zur Tat schreiten und erst einmal abwarten. Denn die Unsicherheit rund um den Wirtschaftsausblick, der die vorherigen Zinsanhebungen rechtfertigte, ist aufgrund der Sorgen rund um die NAFTA-Verhandlungen hoch. Insbesondere die Wirtschaften Kanadas und Mexikos würden unter einem Handelskrieg mit den USA leiden. Der zuletzt schärfere Ton aus den USA und der ungewisse Ausgang der Verhandlungen dürften die BoC erst einmal davon abhalten, den Leitzins weiter anzuheben. Der CAD wird gegenüber dem Dollar in der aktuellen Gemengelage in naher Zukunft das Nachsehen haben. Näheres hierzu auch in einem Hotspot, der heute Vormittag veröffentlicht wird.

Kuroda rudert zurück

JPY: Die Bank of Japan (BoJ) stellt sich immer mal gerne selbst ein Bein. Während einer Anhörung vor dem Parlament stellte Notenbankchef Haruhiko Kuroda klar, dass er mit seinen Kommentaren letzte Woche keineswegs gemeint habe, dass die BoJ sofort im Fiskaljahr 2019 (also im April 2019) aus der expansiven Geldpolitik aussteigen wolle, wenn sie wie geplant ihr 2%-Inflationsziel erreicht, sondern dass die BoJ lediglich darüber diskutieren wolle, wie man den Exit angehen könne. Dieses Zurückrudern erinnert an letzten Herbst, als Kuroda von der „Rate Reversal Theorie“ (kurz: eine lockere Geldpolitik kann ab einem gewissen Punkt restriktiv wirken, sobald die Kreditvergabe der Banken aufgrund zu geringer Zinsspannen sinkt) sprach, die zunächst dem Yen einen Aufwärtsschub verpasste und dann ebenfalls eine Menge Erklärungsbedarf am Markt hervorrief. Lieber Herr Kuroda, mach Dir doch bitte das Leben nicht immer selbst so schwer, sondern sage in Zukunft klar und deutlich, was Du meinst. Das macht es nicht nur Dir, sondern auch den Märkten einfacher, so dass Deine Message besser im Markt ankommt und nicht immer zu unerwünschten Reaktionen im Yen führt.
Erhalten von der Commerzbank am 07.03.2018 um 09:04 Uhr.
Veröffentlicht durch Börse Stuttgart am 07.03.2018 um 09:25 Uhr.
Bitte beachten Sie den Disclaimer und die Risikohinweise
Bitte beachten Sie die rechtlichen Hinweise und Angaben zu Interessenkonflikten