Nachrichten

Marktbericht: update von 14:30 Uhr · 08.12.2017 14:30 Uhr

EZB ändert Wortwahl zur Geldpolitik - Zahlenflut belebt den Handel

EZB
Quelle: LaMiaFotografia / Shutterstock.com
Beitrag teilen
Die Börsianer haben eine Flut von Daten und Zahlen zu verarbeiten. Der DAX pendelt im Bereich der Marke von 12.200 Punkten. Unterdessen hat die EZB eine wichtige Formulierung zu ihrer Geldpolitik verändert. Evotec plant ein Joint Venture.

NEWS AUS DEM HANDEL 3:13min, 08. März 2018, 11:03 Uhr
- Von Holger Scholze, Börse Stuttgart TV News Redaktion - 08.03.2018 -
Die Börsen in Europa zeigen sich heute kaum verändert. Der DAX notiert aktuell bei 12.200 Punkten mit 0,4 Prozent im Minus. Der EuroSTOXX 50 liegt bei 3.377 Zählern mit 0,1 Prozent leichter im Markt.
Die Europäische Zentralbank (EZB) hat ihre Wortwahl zur künftigen Geldpolitik geändert. Anders als bislang ziehen die Währungshüter nicht mehr explizit eine Ausweitung des Anleihekaufprogramms im Falle eines verschlechterten Ausblicks in Betracht. Dies geht aus der Mitteilung zur Zinsentscheidung von heute hervor. Nach wie vor soll aber das Kaufprogramm bis Ende September 2018 oder länger erfolgen. Die Entwicklung der Teuerungsrate soll mit dem Inflationsziel von knapp zwei Prozent nachhaltig vereinbar sein. Zudem bleibt es dabei, dass die Leitzinsen für längere Zeit und weit über das Ende der Wertpapierkäufe hinaus auf ihrem aktuellen und historisch niedrigen Niveau verbleiben werden, hieß es.
Darüber hinaus bestimmt die Handelspolitik von Donald Trump weiter das Geschehen.
Nach Handelsschluss in Europa könnte es soweit sein, dass der US-Präsident die angekündigten Strafzölle auf Stahl- und Aluminiumimporte per Dekret offiziell einführt. Ob und welche Ausnahmen es dabei geben wird, bleibt abzuwarten.
Der EZB-Rat dürfte darüber diskutieren, ob er für den Notfall weiterhin eine Erhöhung der Anleihekäufe in Aussicht stellen solle. Dass sich die Währungshüter in ihrer Kommunikation wirklich bereits zu einer Streichung dieser Passage durchringen werden, gilt als eher unwahrscheinlich - auch vor dem Hintergrund der angekündigten US-Strafzölle, welche negative Wirkungen auf das Wachstum haben könnten.
Wegen der Zolldebatte könnte eine steigende Konjunkturunsicherheit entstehen.
Nach neuesten Meldungen könnte es bei den angedrohten US-Strafzöllen auf Stahl- und Aluminiumimporte für einige Länder Ausnahmeregelungen geben, allen voran die Nafta-Staaten Kanada und Mexiko. Damit könnte Donald Trump die entsprechenden Länder aber auch dahingehend unter Druck setzen, dass sie seine Ideen bei den Verhandlungen zu den Handelsverträgen unterstützen mögen.
Etwas Unterstützung kommt unterdessen aus China. Dort sind die Exporte im Februar unerwartet stark um 44,5 Prozent gestiegen. Die Daten dürften aber durch die chinesischen Neujahrsfeierlichkeiten - wie bereits im Januar - verzerrt worden sein.

Linde profitiert von US-Steuerreform - Praxair-Fusion im Plan

Der vor der Fusion mit Praxair stehende Linde-Konzern hat 2017 von besser laufenden Geschäften in Europa und Asien profitiert. Zudem lief es im kleineren Anlagenbau besser. Allerdings bekam Linde den Preisdruck im US-Gesundheitswesen zu spüren. Zudem belastete der schwächere US-Dollar.
Der Umsatz legte 2017 um 1,0 Prozent auf 17,1 Milliarden Euro zu. Unter dem Strich blieb ein Gewinn nach Minderheiten von 1,4 Milliarden Euro. Das waren gut 16 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Hier profitierte Linde von der US-Steuerreform. Aufgrund des niedrigeren Körperschaftsteuersatzes habe das Unternehmen die erwarteten Steuerzahlungen, die nun niedriger ausfallen, neu bewertet. Daraus resultiere ein positiver Effekt in Höhe von 250 Millionen Euro, hieß es.
Im Gegenzug belasteten Kosten für den Umbau, aber auch für die geplante Fusion mit dem US-Konkurrenten Praxair.
Die Aktien verteuerten sich heute um 0,7 Prozent auf 174,76 Euro.

Conti will Dividende anheben

Der Reifenhersteller und Autozulieferer Continental hat im vergangenen Jahr auch unter dem Strich mehr Gewinn eingefahren und will nun die Dividende anheben. Der auf die Aktionäre entfallende Gewinn stieg um 6,5 Prozent auf 2,98 Milliarden Euro. Zwar hatten Preissteigerungen für Rohmaterialien zur Reifenproduktion belastet, ein Jahr zuvor mussten aber auch Sonderkosten unter anderem für Kartellverfahren mit fast einer halben Milliarde Euro verbucht werden.
Die Dividende soll um 25 Cent auf 4,50 Euro je Aktie klettern. Analysten hatten hier aber etwas mehr erwartet.
Somit verbilligten sich die Aktien heute um 0,8 Prozent auf 218,60 Euro.
Conti hatte bereits Anfang Januar erste Eckdaten vorgelegt, die der Konzern nun bestätigte. Der Umsatz war um 8,5 Prozent auf 44 Milliarden Euro gestiegen. Der Ausblick bleibt auch zwei Monate nach den ersten Zahlen im Januar bestehen. So peilt das Management auf Basis konstanter Wechselkurse einen Umsatzanstieg auf 47 Milliarden Euro sowie eine bereinigte Mindestrendite von rund 10,5 Prozent an.

Merck KGaA hält die rote Laterne im DAX

Der Merck-Konzern aus Darmstadt bereitet seinen Anlegern weiter Kummer. Heute trübten die jüngsten Geschäftszahlen und der Ausblick des Pharma- und Spezialchemieunternehmens die Stimmung.
Die Aktien fielen als klares Schlusslicht im etwas schwächelnden DAX um 4,8 Prozent auf 77,20 Euro.
Der Umsatz hat die Markterwartung zwar weitgehend getroffen. Allerdings ist der Gewinn je Aktie Analysten zufolge um fünf Prozent schlechter als prognostiziert ausgefallen.
Bei der Merck KGaA schwindet angesichts der jüngsten Geschäftsentwicklung der Optimismus weiter. 2017 musste der Konzern im Tagesgeschäft einen Ergebnisrückgang verkraften. Und auch im Jubiläumsjahr 2018 wird ein erneuter Dämpfer erwartet.
Merck begeht in diesem Jahr seinen 350. Geburtstag. Das aus einer Darmstädter Apotheke hervorgegangene Unternehmen leidet zunehmend unter negativen Währungseffekten. Im wichtigen Geschäft mit Flüssigkristallen, die beispielsweise in Displays von Smartphones verwendet werden, ringen auch die Konkurrenten aus Asien um Marktanteile.
Aktuell hinken die Aktien von Merck dem Markt noch deutlich hinterher. So haben die Papiere auf Sicht von zwölf Monaten inzwischen rund 24 Prozent eingebüßt. Der DAX hingegen hat in diesem Zeitraum immerhin gut zwei Prozent gewonnen.

Evotec und Sanofi wollen Joint Venture gründen

Der Biotech-Spezialist Evotec und der französische Pharmakonzern Sanofi loten eine gemeinsame Entwicklung von Medikamenten gegen Infektionskrankheiten aus. Dabei gehe es um eine neue Plattform, die von Evotec geführt werde, teilte das Hamburger TecDAX-Unternehmen heute mit. Die Aktien von Evotec sprangen bisher um 8,6 Prozent auf 15,37 Euro nach oben.
Sanofi bringe ein 100-köpfiges Expertenteam sowie mehr als zehn Forschungs- und Entwicklungsprojekte ein, die sich noch in einer frühen Phase befinden. Sitz der neuen Einheit soll in der Nähe von Lyon sein. Sanofi soll den Hamburgern zufolge eine Vorabzahlung von 60 Millionen Euro sowie eine "signifikante langfristige finanzielle Unterstützung" gewähren. Die Franzosen sollen im Gegenzug das Vorrecht erhalten, Arzneien aus den Projekten herzustellen und zu vermarkten.
Evotec erwartet, dass der Deal bis Mitte 2018 in trockenen Tüchern ist.
 
Erstellt am 08.03.2018, um 9:15 Uhr. Zuletzt aktualisiert am 08.03.2018, um 14:30 Uhr.
Bitte beachten Sie die rechtlichen Hinweise und Angaben zu möglichen Interessenkonflikten unter: https://www.boerse-stuttgart.de/rechtliche-hinweise